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Datum: Donnerstag, 3. September 2015

Artikel: CGM / Walter Zifferer

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Weniger Bürokratie bringt mehr Zeit für den Patienten

Verschreibungen, Überweisungen, Verordnungen, - bei Arzt- und Zahnarzt fällt viel Verwaltungskram an. Doch was weglassen? Der deutsche Normenkontrollrat gibt Tipps für weniger Bürokratie in den Praxen.

Um mehr Zeit für den Patienten zu haben, wollen die deutsche Ärzteschaft und Krankenkassen im Schulterschluss Bürokratie abbauen. Bei der Vorstellung eines aktuellen Berichts im Berliner Kanzleramt wurde jedoch deutlich, dass beide Seiten sehr unterschiedliche Vorstellungen darüber haben, was denn machbar und sinnvoll sei. Den Arzt- und Zahnarztpraxen entstehen Schätzungen zufolge Bürokratiekosten von mehr als EUR 4 Mrd. im Jahr.

Unter der Leitung des beim Kanzleramt angesiedelten Nationalen Normenkontrollrates entwarfen unter anderem die Verbände der niedergelassenen Ärzte und Zahnärzte sowie der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) Hand­lungs­empfehl­ungen für den Abbau des Verwaltungsaufwandes in Arztpraxen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft war dabei nicht mit einbezogen.

Eine intelligente Informationstechnologie bringt mehr Zeit für Patienten. Aber auch einfachere Formulare können den Bürokratieaufwand erheblich vermindern.

Wolf-Michael Catenhusen
stellvertretender Vorsitzender des deutschen Normenkontrollrat

Gerade für Zahnärzte wird empfohlen, von einem papiergebundenen auf ein elektronisches Antrags- und Genehmigungsverfahren von zahnärztlichen Leistungen umzusteigen. In jeder Arztpraxis würden im Schnitt pro Jahr mehr als 2.800 Überweisungen, 600 Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und 300 Heilmittelverordnungen ausgestellt. Das allein entspricht 16,5 Personentagen. Hinzu kommen Behandlungspläne und zahlreiche weitere Informationspflichten, die in Arzt-, Psychotherapeuten- und Zahnarztpraxen einzuhalten sind. Durchschnittlich 96 Tage sei eine Person pro Praxis und Jahr mit der Bewältigung bürokratischer Vorgaben beschäftigt!

Die Vorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, sagte, die Daten hätten einen hohen Schätzcharakter. Sie könnten daher nicht das tatsächliche Belastungsvolumen benennen und ebenso nicht als Basis für Vergütungsverhandlungen dienen.

Die meisten unnötigen Vorgaben haben wir gemeinsam beschlossen. Deshalb müssen wir auch gemeinsam die Verantwortung für die schlanke Verwaltung übernehmen.

Doris Pfeiffer
Vorsitzende des GKV-Spitzenverbandes

Der Nationale Normenkontrollrat prüft Regelungsverfahren auf deren Folgekosten für Bürger, Wirtschaft und Verwaltung hin und setzt sich für einen Kulturwandel in der Gesetzgebung ein. Seit 2012 ist das oberste Entscheidungsgremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen verpflichtet, Beschlüsse unter Bedachtnahme auf die dadurch entstehenden Bürokratiekosten zu prüfen.

Quelle: APAMED