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Datum: Mittwoch, 7. August 2019

Artikel: Schaffler Verlag, Qualitas: 02/2019 / Deutsches Netzwerk Gesundheitskompetenz DNGK

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Informationen aus dem Netz

Oft genutzt aber selten verlässlich

Das Internet ist für Patientinnen und Patienten in Deutschland die zweitwichtigste Quelle für Gesundheitsinformationen, gleich nach dem Arzt. Dies war das Ergebnis einer repräsentativen Studie der Techniker Krankenkasse, bei der 77 Prozent der Befragten angaben, sich im Netz über Gesundheitsthemen zu informieren. Der Arzt wird von 82 Prozent konsultiert.1

Im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung steigt auch das Angebot an leicht zugänglichen Informationen zu Gesundheitsthemen, wodurch das Angebot für Hilfesuchende immer unübersichtlicher wird. Häufig sind die Gesundheitsinformationen zu kompliziert, widersprüchlich, von schlechter Qualität oder im schlimmsten Fall sogar falsch.2

Auch eine Studie der Bertelsmann Stiftung deutet darauf hin, dass die Suche nach verlässlichen Gesundheitsinformationen mitunter schwierig ist. Zwar gaben mehr als die Hälfte der Befragten an, sie seien mit den Gesundheitsinformationen im Internet zufrieden. Gleichzeitig haben fast zwei Drittel Probleme herauszufinden, welche Informationen glaubwürdig sind. Viele sind demnach zufrieden mit Informationen, obwohl sie nicht wissen, wie zuverlässig diese sind. Dies zeigt eindrücklich, dass bei der Vermittlung von Gesundheitskompetenz noch viel Nachholbedarf besteht.3

Hier wird das Deutsche Netzwerk Gesundheitskompetenz DNGK aktiv werden. „Alle Bürgerinnen und Bürger können gemäß ihren Bedürfnissen relevantes und zuverlässiges Gesundheitswissen finden“, so die Vision des Netzwerks im kürzlich verabschiedeten Leitbild (https://dngk.de/ leitbild-des-dngk/).

Was sind Qualitätsmerkmale guter Gesundheitsinformationen? An welchen Warnzeichen erkennt man schlechte Angebote? Welches sind Ausgangspunkte für Suchen im Netz? Antworten auf diese Fragen finden sich im Internet-Portal dngk.de. Diese Kriterien sind in der „Guten Praxis Gesundheitsinformation“ des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin (DNEbM) festgeschrieben.4 Einige Anbieter von Gesundheitsinformationen haben sich verpflichtet, diese Anforderungen einzuhalten.

Bislang sind derartige Angebote im Netz aber zu wenig sichtbar. Im Internet-Portal des DNGK ist aus diesem Grund eine Übersicht über verlässliche Angebote (https://dngk.de/gesundheitsinformationen/) zu finden. Denn auch das entspricht dem Netzwerk-Gedanken: diejenigen zusammenzubringen, die Gesundheitskompetenz voranbringen wollen.

Kriterien guter Gesundheitsinformationen im Netz:

Von verlässlichen Gesundheitsinformationen wird gefordert, dass sie

  • auf dem besten derzeit verfügbaren Wissen beruhen, das heißt, auf einer systematischen Suche und Bewertung der vorhandenen Literatur,
  • nicht interessengebunden sind,
  • ein realistisches Bild von Gesundheit und Krankheit vermitteln,
  • alle Behandlungsoptionen mit Nutzen- und Schadenwahrscheinlichkeiten darstellen,
  • Nutzen und Schaden anhand patientenrelevanter Endpunkte vermitteln,
  • Risiken verständlich kommunizieren,
  • sich zu Unsicherheiten äußern,
  • Finanzierung und potenzielle Interessenkonflikte der Autoren offenlegen und
  • verständlich in Sprache und Darstellung sind

Quelle: https://dngk.de/gesundheitsinformationen/

Eine solche Übersicht ist nicht nur für Bürgerinnen und Bürger hilfreich zur Orientierung im Netz. Auch Ärztinnen und Ärzte können davon profitieren, wenn sie auf hochwertige Gesundheitsinformationen hinweisen können, die auf gesichertem Wissen beruhen und mit guten ärztlichen Handlungsempfehlungen übereinstimmen.

Wer seinen Patientinnen und Patienten dabei hilft, verständliches und verlässliches Wissen zu finden, der schützt sie auch vor falschen – und im schlimmsten Fall schädlichen – Informationen. Zudem trägt man damit erheblich zur Steigerung der Gesundheitskompetenz bei.

Literatur:
1Hornbrecher M. Homo Digivitalis – TKStudie zur Digitalen Gesundheitskompetenz 2018, Hamburg, Techniker Kasse 2018. Internet: https://www.tk.de/resource/blob/2040318/a5b86c402575d49f9b26d10458d47a60/studienband-tk-studie-homo-digivitalis-2018-data.pdf
2 Krüger-Brand H.E. Digitale Gesundheitskompetenz: Datensouveränität als Ziel. Dtsch Arztebl 2019; 116(10): A-468 / B-382 / C-378. Internet: https://www.aerzteblatt.de/archiv/205987/Digitale-GesundheitskompetenzDatensouveraenitaet-als-Ziel
3 Bertelsmann Stiftung (Hrsg). Gesundheitsinfos – Wer suchet, der findet. Daten, Analysen, Perspektiven Nr. 2. Gütersloh 2018. Internet: https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/ files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/ VV_SpotGes_Gesundheitsinfos_final.pdf
4 Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin. Gute Praxis Gesundheitsinformation. Berlin: 2015. Internet: https://www.ebmnetzwerk.de/gpgi


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  Ausgabe: 02/2019
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