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Datum: Mittwoch, 27. Februar 2019

Artikel: Schaffler Verlag, Qualitas: 04/2018 / Irma Klerings

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Wenn Googeln nicht reicht

Umfassende Literaturrecherchen sind eine Grundlage der evidenzbasierten Medizin

Systematische Übersichtsarbeiten gelten als die zuverlässigste Basis für evidenzbasierte Entscheidungen im Gesundheitswesen. Ihr Anspruch ist die Zusammenfassung und kritische Bewertung der gesamten Studienlage zu einer Frage. Ihr Fundament stellt die umfassende systematische Literatursuche dar.

Wenn alles gefunden werden soll

Einer der ersten Arbeitsschritte in der Erstellung einer systematischen Übersichtsarbeit ist die Suche nach relevanten Studien. Als Teil des wissenschaftlichen Prozesses gelten dabei die Prinzipien von Transparenz und Reproduzierbarkeit. Es reicht nicht „herumzusuchen“, bis etwas Passendes gefunden wird. Das Vorgehen ist auf Vollständigkeit ausgerichtet und muss so genau wie möglich berichtet werden. So wird eine einseitige Studienauswahl verhindert und die Bewertung der Qualität der Suche für Leser ermöglicht.

Eine umfassende Literatursuche durchforstet eine Vielzahl an Informationsquellen. Einerseits wird in mehreren relevanten Fachdatenbanken wie MEDLINE und Embase nach Fachartikeln gesucht. Andererseits werden auch Studienregister, Webseiten, Referenzlisten, Dissertationsdatenbanken und Konferenzbände durchsucht sowie Experten befragt. Ziel ist es, sowohl alle publizierten Studien zu finden als auch von (noch) nicht publizierter Forschung zu erfahren.

Die Professionalisierung des Suchens

Die Qualität der Informationsbeschaffung ist zentral für die Qualität der gesamten Übersichtsarbeit. Eine schlechte Suche, die nicht alle relevanten Studien findet, kann zu falschen Ergebnissen und Schlussfolgerungen führen. Aus diesem Grund wird die Einbindung von Experten empfohlen1,2 : Fachbibliothekare und Informationsspezialisten können umfassende Suchen effizienter durchführen und verbessern die Reproduzierbarkeit von systematischen Übersichtsarbeiten3 . Sie übernehmen oft auch das Datenmanagement der Übersichtsarbeit und stellen so die Kohärenz der Daten von der Suche bis zum fertigen Bericht sicher. Zusätzlich hilft das Vier-Augen-Prinzip: Die PRESS-Checkliste4 dient der Qualitätskontrolle von Datenbanksuchen.

Im englischen Sprachraum ist das Berufsbild der Informationsspezialisten mittlerweile etabliert. Universitätsbibliotheken, wissenschaftliche Einrichtungen und Freischaffende bieten Rechercheservices an. Auch Cochrane-Review-Gruppen beschäftigen Fachleute, die Review-Autoren unterstützen. In Österreich ist das leider die Ausnahme. Nur wenige Institutionen verfügen über diese Expertise im Team. Um diese Situation zu verbessern, bietet Cochrane Österreich Workshops zur systematischen Literatursuche an.

Cochrane Österreich Workshops: https://austria.cochrane.org/de/workshops   

Literatur:
Higgins J, et al. (2018): Methodological Expectations of Cochrane Intervention Reviews (MECIR). Zugang: https://community.cochrane. org/mecir-manual
2 European network for Health Technology Assessment (2017): Process of information retrieval for systematic reviews and health technology assessments on clinical effectiveness. Zugang: https://5026.makemeweb.net/sites/default/files/Guideline_Information_Retrieval_V1-2_2017.pdf 
3 Rethlefsen ML, et al. (2015): Librarian coauthors correlated with higher quality reported search strategies in general internal medicine systematic reviews. Journal of clinical epidemiology,68(6):617-26.
4 CADTH (2016): PRESS Peer Review Electronic search Strategies. Zugang: https://www.cadth.ca/sites/default/files/pdf/CP0015_PRESS_Update_Report_2016.pdf  


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  Ausgabe: 04/2018
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