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Datum: Sonntag, 27. Mai 2018

Artikel: Schaffler Verlag, ÖKZ: 59. JG (2018) 5/ Dr.Michaela Endemann

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Was Blockchain verspricht

Teil 2 - Wo Blockchain eingesetzt wird

Allerorten starten Projekte mit der digitalen Kette. Auch im Gesundheitsbereich. Teil 2 – Wo Blockchain eingesetzt wird.

Blockchain ist eine Technologie, bei der Daten in sogenannten „Blocks“ abgelegt und diese zu einer Kette zusammengefügt werden. Diese Kette („Chain“) wiederum wird in zahlreichen Kopien auf verschiedenen vernetzten Rechnern abgelegt. Jede Änderung an einer Kopie ist damit sichtbar. Die Daten können vielfältiger Natur sein, jedoch ist die Größe eines Blocks beschränkt. Abgesehen von den medial präsenten Kryptowährungen wie Bitcoin, Dash, Etherium, gibt es so gut wie keinen Bereich mehr, wo Blockchains nicht zumindest in Projekten erforscht werden.

Sicherheit und Transparenz

Besonderes Potenzial wird dabei den sogenannten „Smart Contracts“ zugeschrieben, das sind digitale und automatisierte Vertragsprozesse sowie Verträge, die mittels Blockchain fälschungssicher verwahrt werden können. Ein Start-up aus Österreich soll bisher schon an die 100 Polizzen einer auf einem Smart Contract beruhenden Versicherung verkauft haben. Die Versicherten bekommen bei Flugverspätungen automatisch Geld überwiesen, da die Blockchain auf öffentliche Flugdaten zugreift und Veränderungen wie Verspätungen sofort bemerkt. Smart Contracts können ebenso im Energiemarkt eingesetzt werden, z.B. um eigenen Strom aus der Photovoltaik-Anlage direkt an Nachbarn verkaufen zu können oder für Bezahlsysteme privater Ladestellen für E-Fahrzeuge. Gerade in diesem Bereich sehen Experten die meisten Anwendungsmöglichkeiten einer Blockchain-Technologie.

In Wien setzt man in einem Pilotprojekt, das im Dezember 2017 gestartet ist, Blockchain ein, um offizielle Dokumente automatisch abzusichern. In einer öffentlichen, für jeden einsehbaren Blockchain werden die Hashes der Dokumente gespeichert. Man erhofft sich dadurch Transparenz in Sachen Dokumentenhistorie.

Pharmakonzerne entwickeln gerade mithilfe der Blockchain-Technologie Methoden, um die Wege der Medikamente fälschungssicher von der Fabrik bis in die Apotheke zurückverfolgen zu können. Blockchain könnte ebenso für die Überwachung von Kühlketten eingesetzt werden, sowohl bei Medikamenten als auch bei Lebensmitteln.

Geekspeak

On Chain – off Chain: Daten, die direkt in einem Block der Blockchain gespeichert werden, nennt man „on Chain“, Daten, die in externen Datenbanken gespeichert werden, und nur der Zugriff via Blockchain protokolliert wird, „off Chain“.
Hash: Digitaler errechneter Wert zur Absicherung eines Dokuments, einer Datenbank oder auch eines Blocks in einer Blockchain. Verändert sich der Inhalt des Ursprungsdokuments, verändert sich der Hash.

Medizinische Datenfreigabe durch Patienten

Das ursprüngliche Blockchain-Konzept geht von einer kompletten Transparenz aus. Jeder kann die Blockchain einsehen. Das steht jedoch in Fachkreisen und vor allem im Gesundheitsbereich in Diskussion und hat zu sogenannten „private Chains“ geführt, die sich über ein vorher definiertes Konsortium an Rechnernetzwerken legitimieren und nicht öffentlich einsehbar sind. Dennoch können z.B. für Patienten Zugänge geschaffen werden, mit denen sie Rechte an ihren Daten vergeben können.

Sowohl in den USA, in Großbritannien, aber auch in der Schweiz wird an solchen Modellen bereits gearbeitet. Das Massachusetts Institute of Technology forscht am Einsatz von privaten Blockchains für elektronische Patientenakten. Das Projekt Medrec soll eine sichere dezentrale Ablage von medizinischen Daten erlauben. Patienten, Ärzte sowie Wissenschaftler sollen nach diesem Modell für das Datamining (also die Zurverfügungstellung von Rechnerleistung zur Berechnung der Hashwerte eines neuen oder geänderten Blockes der Blockchain) mit anonymisierten Patientendaten für die Forschung belohnt werden. Der Zeithorizont für eine Implementierung von Medrec wird mit fünf bis zehn Jahren angegeben. Auch in Großbritannien versuchen private IT-Dienstleister, die Blockchain-Technologie im Gesundheitsbereich zu etablieren. MedicalChain fasst alle Transaktionen aus den verschiedensten Quellen in der Blockchain zusammen, beispielsweise wenn ein Arzt einen Arztbrief schreibt oder ein Rezept ausstellt. Mittels Smart Contracts ist vorgesehen, dass Patienten dann ihren Ärzten einen Zugang zu ihren Daten gewähren können. Die erste Phase von MedicalChain ist bereits in mehreren Krankenhäusern in England angelaufen. Ähnliches ist auch in der Schweiz zu finden, ebenfalls in einer privaten Blockchain.


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  Ausgabe: 05/2018/59.JG
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