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Datum: Montag, 8. Juli 2019

Artikel: CGM / Walter Zifferer

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Warum die Digitalisierung im Gesundheitswesen gar so träge voran schreitet

Manche Unternehmen machen „einfach weiter“. Sie meinen, die neuen Herausforderungen kann man am besten angehen, wenn die konkreten Probleme einfach da sind. Andere sind gerade dabei, konkrete Konzepte auszuarbeiten. Sie wollen sich strukturiert darüber klar werden, wie sie mittelfristig ihr gesamtes Business an die Einflüsse und Auswirkungen der Digitalisierung ausrichten. Einige haben erkannt, dass die neuen Technologien ihre gesamten Rahmenbedingungen bzw. Geschäftsmodelle komplett umkrempeln und sie sind mitten drinnen, sich darauf einzulassen. Sie gehen in die Offensive und agieren als Gestalter. Eines ist allen Unternehmen jedenfalls unabhängig von deren Herangehensweisen gemein: sie müssen sich auf eine völlig neue Welt einstellen – auf eine, in der nicht nur die Kommunikation zunehmend digital wird.

In manchen Branchen, vor allem etwa in der Industrie oder im Energiesektor passierte in Punkto Automatisierung in den letzten 20 Jahren richtig viel. Wesentlich weniger tat sich bis vor Kurzem im Banken- und Versicherungsbereich – seit geraumer Zeit allerdings ist auch hier viel an Dynamik eingekehrt. Wirklich wenig tat sich bislang im Gesundheitswesen – zu verschieden sind die regionalen Märkte und in vielen Ländern ist ganz einfach der Wettbewerb der Akteure untereinander zu gering. Der Patient wird nicht als Kunde gesehen, manche Leistungserbringer meinen, der kranke Bürger kommt eh von selbst. Hier steht man gewissermaßen am Beginn einer schleichend anmutenden digitalen Transformation. Aber warum eigentlich, wo doch die Gesundheit „unser wichtigstes Gut“ ist? Der Gründe dafür sind vielschichtig. Aber es gibt einige plausible Erklärungsansätze dafür.

Der niedergelassener Bereich: geprägt durch vermeintlichen Macht- und Autoritätsverlust?

Im Bereich der niedergelassenen Ärzte spielt sicher jener Faktor eine große Rolle, dass der Einsatz von digitaler Unterstützung oder Automatisierung von Arbeitsschritten einen Machtverlust darstellt. Bislang war der Arzt die uneingeschränkte und unantastbare Autoritätsperson, die großes Vertrauen genoss, weil man ganz einfach vor der Ausbildung und dem Status der Ärzteschaft große Ehrfurcht hatte. Heute steht der niedergelassene Arzt einem Patienten gegenüber, der oftmals schon mit einer Selbstdiagnose ausgestattet die Ordination betritt. Und oftmals sind diese Selbstdiagnosen wilde Atteste, die sich ängstliche Bürger panisch selbst ausstellen. Der Arzt hat hier nicht selten zusätzlich damit zu kämpfen, zwischen echten Symptomen und durch Angst entstandene Vorstellungen der Patienten zu unterscheiden.

Die Rahmenbedingungen verschärfen sich also für den Arzt, er würde gut daran tun, sich mit digitalen Tools zu helfen, um seine Position abzusichern und auszubauen. Warum in vielen Fällen genau das Gegenteil zu beobachten ist, kann insbesondere auf Angst vor der Technik interpretiert werden. Kein Wunder aber – stehen doch in vielen Arztpraxen heute noch Faxgeräte als Hauptkommunikationskanäle. Natürlich stellen Investitionen in neue Technologien für den Unternehmer Arzt auf den ersten Blick teure und nicht unbedingt nötige Ausgaben dar. Allerdings bieten sie eine Vielzahl von Möglichkeiten in Punkto Zusatzverdienst und insbesondere sorgen sie für ein wesentlich höheres Maß an Security in der Arztpraxis. Langfristig betrachtet ist es ganz einfach unumgänglich – und warten macht es teurer und gefährlich.  

Der stationärer Bereich: limitierte Budgets und lange Produktlebenszyklen von IT-Systemen

Im Krankenhaus, wo es das reibungslose Funktionieren aller Abläufe zwischen den Abteilungen eine immer wichtigere Rolle spielt, trägt die Automatisierung der einzelnen Arbeitsschritte und die Beschleunigung der Kommunikation zwischen den Akteuren ganz entscheidend dazu bei, Patienten schneller und besser behandeln zu können. Die heute im Einsatz befindlichen Softwareprodukte in den österreichischen Krankenhäusern stammen allerdings oftmals aus einer Zeit, in der einfach versucht wurde, Handschrift und Papier zu ersetzen. Es ging damals also nicht um abteilungsübergreifende Zusammenarbeit, um die Planung der gesamten Patientenreise von der Aufnahme bis zu Entlassung. Und schon gar nicht wurde darauf Rücksicht genommen, dass eine Planung multidimensional funktionieren muss – also eine gleichzeitige Planung von Personen, von Material und von Räumen. Erst ein holistischer Ansatz kann es schaffen, die Voraussetzung für eine reibungslose Patientenbehandlung sicherzustellen.

Der Einsatz eines neuen Krankenhausinformationssystems, das den heutigen Anforderungen entspricht und die technologischen Möglichkeiten ausschöpft verschling große Budgets. Daher lag der Lebenszyklus von KIS-Systemen bislang normalerweise bei 15-20 Jahren. Allerdings haben sich in den letzten 10 Jahren die Ansprüche und Notwendigkeiten derart verändert, dass ein „damaliges“ System heute völlig veraltet ist und die Anwender mehr an einer sinnvollen Zusammenarbeit hindert, als diese zu fördern.  

Die Kommunikation zwischen den Leistungserbringern

„Und dann kommt ELGA, und alles wird vernetzt sein“, dachten manche. Sowohl jene, die sich erhofften, dass Leistungserbringer im Gesundheitswesen endlich mittels gemeinsamer Datenbasis sinnvoll und effizient Patienten behandeln zu können. Als auch jene, die davor warnten, wie gefährlich denn die Vernetzung von personenbezogenen daten seien. Fakt ist, dass eine gemeinsame IT-Infrastruktur die Basis für die Nutzung der modernen Technologien möglich macht. Dass es bis 2016 gedauert hat, bis ELGA tatsächlich live war und zumindest rudimentär genutzt werden kann, lag ganz klar am „nicht wollen“ bzw. am Verhindern jener, die Angst davor hatten, macht einzubüßen. Es lag nicht am „nicht können“. Gekonnt hätte man das schon 15 Jahre früher…  

„The New Stuff“ - Predictive Analytics, Künstliche Intelligenz

In naher Zukunft – da sind sich Experten und Visionäre einig – wird die Gesundheit personalisiert und „vorhersehbarer“ sein. Anstatt einem Benutzer einfach Informationen über vergangene Ereignisse zu präsentieren, schätzen Predictive Analytics Modelle die Wahrscheinlichkeit eines zukünftigen Ergebnisses basierend auf Mustern in den historischen Daten. Dies ermöglicht Entscheidern in Kliniken, Benachrichtigungen über potenzielle Ereignisse zu erhalten, bevor diese eintreten und somit fundiertere Entscheidungen darüber zu treffen, wie mit einer Entscheidung fortgefahren werden soll. Die Wichtigkeit, den Ereignissen einen Schritt voraus zu sein, zeigt sich am deutlichsten in der Intensiv-, Operations- oder Notfallversorgung, in der das Leben eines Patienten von einer schnellen Reaktionszeit und einem genau abgestimmten Gefühl abhängen kann, wann etwas schief geht. Darüber hinaus gibt es jedoch hochwertige Anwendungsfälle für prädiktive Analysen, bei denen es nicht immer um Echtzeitwarnungen geht, bei denen ein Team sofort aktiv werden muss. Auch im finanziellen, administrativen und datenschutzbezogenen Umfeld kann durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz ein deutlicher Anstieg der Effizienz und der Kundenzufriedenheit verzeichnet werden.

Dies alles mag für manche ein bisschen wie Science Fiction klingen, ist es aber nicht. Wenn man bedenkt, dass der Mensch seit Jahrzehnten am Mond landen könnte, aber vielerorts die Operationsplanung und -dokumentation mit Handzetteln oder völlig veralteten Tools stattfindet, wird einem klar, wie weit hier die alltägliche Situation von den tatsächlichen Möglichkeiten entfernt ist.  

Die neue Rolle des Patienten als Motor

Seit Google & Co. Einzug in die Wohnzimmer und auf die Smartphones der Bürger hält, wurde diesen schnell klar, dass medizinisches Wissen eine äußerst kurze Halbwertszeit hat und man besser nicht nur von einer einzigen Person und deren Einschätzung anhängig sein sollte. Mehrere Ärzte gemeinsam wissen ganz einfach deutlich mehr als nur einer. Und Erfahrungen aus anderen Ländern sind speziell bei selteneren Krankheiten wertvoller Input für eine treffsichere Diagnose, zu der ein einzelner noch so guter Hausarzt ganz einfach nicht in der Lage ist. Der Patient schlüpft, bewaffnet mit punktierten Informationen aus dem Netz, die er sich zu seinem quasi selbst diagnostizierten Krankheitsbild „ergoogelt“ hat, in eine völlig neue Rolle. Er erwartet sich, dass er mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft und auf Basis eines bestmöglichen – also konsolidierten - Erfahrungsstands behandelt wird.  

Gefangen im System?

Der Patient ist gesehen gewissermaßen der Motor, der ein beschleunigtes Voranschreiten der Nutzung von neuer digitaler Technologie befürwortet. Er ist der hauptsächliche Nutznießer, der massiv von den Innovationen profitiert. Doch der Patient ist gefangen in einem System, das er zwar finanziert, aber in der er kein Mandat hat, um Dinge zu steuern oder zu verstehen. „Wer zahlt schafft an?“ Falsch gedacht! Für „Otto Normalverbraucher“ ist unser Sozialversicherungssystem weitgehend intransparent bzw. nicht zu verstehen. Und man bekommt irgendwie das Gefühl nicht los, dass dies manchen sogar sehr recht ist. Denn wenn man etwas nicht versteht, kann man es schließlich auch nicht beurteilen. Wenn man es aber gleichzeitig zahlen muss, ohne es verstehen zu können, wird es ungemütlich.

Und: So sehr wir uns in Österreich auch immer wieder neu aufsagen, wie sozial gerecht und qualitativ hochwertig unser Gesundheitssystem ist, so laut sind auch die Schreie nach mehr Personal zur Bewältigung der immer höheren Anforderungen. Sei es im medizinischen oder im pflegerischen Umfeld: Ressourcenmangel prägt das Alltagsbild, die Politik ist seit Jahren zum Handeln aufgefordert. Ein Erhöhen der Anzahl an Arbeitskräften – wie von der Ärztekammer gefordert - ist aber nur eine Möglichkeit, darauf zu reagieren.

Wenn man sich die Anzahl der Akteure im internationalen Vergleich genauer ansieht, drängt sich unmittelbar die Frage auf, ob es denn nicht besser wäre, hinsichtlich der eingesetzten Technologien international nachzuziehen. Denn es geht absolut nicht darum, die Anzahl der Ärzte zu erhöhen, sondern eine möglichst gute Behandlungsqualität mit einem vertretbaren finanzierbaren Mitteleinsatz (zumutbare Steuern) zu erzielen. Mehr Ärzte bedeuten höhere Kosten für die Bürger. Die Nutzung moderner Technologien kann hingegen langfristig Kosten senken, Prozesse durch Automatisierung verbessern, Diagnose- und Medikationssicherheit herstellen und den Stress der aktiven Health Professionals deutlich reduzieren.

Österreich gilt als Land, das sich in vielen Bereichen über Qualitätsführerschaft definiert. Wir meinen daher, es ist längstens Zeit dafür, moderne Informationssysteme einzusetzen, welche die heutigen technologischen Möglichkeiten nutzbar machen und gleichzeitig die Tore für Healthcare-Anwendung der Zukunft öffnen. CGM hat in den letzten Jahren intensiv in die Entwicklung des ersten KIS investiert, mit dem diese Visionen wahr werden. CGM kombiniert dazu jahrzehntelange Erfahrungen in IT-Projekten für unterschiedlichste Gesundheitsinstitutionen mit neuesten Technologien. Mit CGM CLINICAL steht heute eine einzigartige KIS-Suite bereit, die einen echten Meilenstein darstellt: sie ermöglicht die nahtlose Zusammenarbeit von Abteilungen, Professionen, Häusern und ganzen Gesundheitsregionen. Ein höchst innovatives Datenmodell erlaubt neben der sicheren gemeinsamen Nutzung von Daten eine völlig neue Dimension in der Planung und Dokumentation von Abläufen und in der Sammlung und Bereitstellung von medzinischem sowie organisatorischem Wissen.