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Datum: Donnerstag, 21. Juni 2018

Artikel: CGM / Philipp Streinz

Bildinhalt: Medikamente

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Volksanwaltschaft kritisiert Polypharmazie in Pflegeheimen

Die Volksanwaltschaft ortet Missstände in Alten- und Pflegeheimen in Form von Polypharmazie (Einnahme vieler Arzneimittel gleichzeitig). "Mit der Anzahl der eingenommenen Medikamente steigt auch die Zahl der unerwünschten Wechsel- und Nebenwirkungen", sagte Volksanwalt Günther Kräuter bei einer Pressekonferenz in Innsbruck.

In 60 Prozent der Fälle komme es zu einer "problematischen Medikation". Heiminsassen würden häufig mit sehr vielen Medikamenten behandelt, kritisierte Kräuter. Polypharmazie sei durch Kommissionen der Volksanwaltschaft bei Besuchen in den Heimen festgestellt worden. Folgen können unter anderem Verwirrtheit, Depressionen, Stürze, Parkinson und Bewegungsstörungen sein. "Diese werden dann oft als altersbedingte Symptome oder neue Erkrankungen gewertet. Daraufhin werden dann wiederum Medikamente verabreicht", sah Kommissionsleiterin Verena Murschetz quasi einen Teufelskreis. Die Volksanwaltschafts-Kommission beanstandete auch die Verordnung von Psychopharmaka an Personen, für die keine psychiatrischen Diagnosen vorlagen, sondern nur Indikationen wie "Schluckauf", "bei Übelkeit/Atemnot" sowie "bei Unruhe".

Bei Verabreichung bzw. Einnahme von vier verschiedenen Medikamenten liege die "Chance" auf Wechselwirkungen bei 38 Prozent, bei sieben Arzneimitteln gar bei 82 Prozent, so die Expertin. In einer Tiroler Einrichtung habe die Kommission bei fast allen Pflegebedürftigen durchschnittlich 13 bis 16 verordnete Dauermedikamente festgestellt.

Mangelnde Aufklärung über Art, Umfang, Dauer und Folgen vor Verschreibung einer Medikation wurde ebenso beanstandet wie nicht ausreichende multidisziplinäre Zusammenarbeit zum Beispiel zwischen Ärzten sowie Pflegepersonal und Apothekern. All dies fordert die Volksanwaltschaft nun ein und findet sich auch in deren Bericht über Präventive Menschenrechtskontrolle für das Jahr 2017.

"Wir verlangen Arzneimittelsicherheit", legte Murschetz nach. Die Notwendigkeit der Medikamentenvergabe müsse regelmäßig überprüft werden. Ärzte müssten kooperieren und ihre "Diagnose zugänglich machen".

Quelle: APAMED