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Datum: Dienstag, 21. November 2017

Artikel: Schaffler Verlag, ÖKZ: 58. JG (2017) 11 / Rainer Ernstberger

Bildinhalt: Kleiner Tsunami

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Übergang

Der Generationenwechsel kommt rasch, manchmal wie ein kleiner Tsunami. Die Verantwortung für die Vorbereitung darauf liegt in den Händen genau jener Altersgruppe, die sich allmählich auf den Ruhestand einstimmt.

Jede Kategorisierung von Menschen reduziert deren Komplexität. Trotzdem kann uns der  Generationenansatz helfen, zumindest einige Eigenarten, Erwartungen und Verhaltensweisen verschiedener Altersgruppen zu verstehen. Die Vertreterinnen und Vertreter der Generation Y (ca. 1980 bis 2000 geboren) unterscheiden sich doch wesentlich von den Babyboomern, der Altersgruppe der in den Jahren 1955 bis 1965 (manchmal wird in der Literatur auch 1969, das Jahr des sogenannten Pillenknicks genannt) Geborenen, die sie vielfach in den kommenden Jahren am Arbeitsplatz ersetzen werden.

Unsere Sozialisation in der formativen Phase (15. bis 25. Lebensjahr) erfolgt nicht nur durch Herkunft und soziales Umfeld, sondern auch durch gemeinsame Erlebnisse und Wahrnehmungen, im Fall der Generation Y zum Beispiel durch die Verbreitung der mobilen Telekommunikation und der ubiquitären Verfügbarkeit des Internets. Damit ist sie die erste Generation von „digital natives“, die sich naturgemäß von allen vorangegangenen unterscheidet, die von den „Millennials“ (eine andere Bezeichnung für die bis zur Jahrtausendwende Geborenen) durchaus kritisch hinterfragt werden. Daher auch die Bezeichnung „Generation Why“.    

 

Ziel Selbstverwirklichung  

Leistung ist beispielsweise in der Generation Y kein Selbstzweck, ihre Vertreterinnen und Vertreter strengen sich an, um sich selbst zu verwirklichen. In einer digitalisierten Welt verschwimmt die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit, die Work-Life-Balance wird zu einem zentralen Lebensinhalt. Vielfalt ist für die Generation Y ebenso selbstverständlich wie das iPad, das Leben und der Informationsaustausch in einer globalisierten Welt oder im Krankenhaus eine Visite mit dem Laptop. Umgekehrt ist ein Lebensraum frei von Marketing kaum mehr vorstellbar. Ein gutes Einkommen wird nicht mehr benötigt, um Besitz zu erwerben, um damit soziale Absicherung zu gewährleisten (diese Aufgabe übernimmt in der Generation Y das Elternhaus), sondern um zu konsumieren, sich zu entfalten und das Leben zu genießen. Die daraus erwachsenden Ansprüche erklären nicht nur das Konsumverhalten der Yer, sondern auch die Wünsche an einen Arbeitgeber. Die Babyboomer wandern seit 2015 aus der Arbeitswelt in den Ruhestand und damit ist die Pensionswelle im Gesundheitswesen angekommen. Sie gleicht vorläufig noch keinem Tsunami, sondern viel eher einer Flut nach der Ebbe. Aber der erste Eindruck täuscht, denn unsere Kolleginnen in Medizin und Pflege verabschieden sich natürlich als Erste vom ihrem Arbeitsplatz, und in der Welt der Babyboomer war die Medizin noch mehrheitlich und vor allem in den Führungsebenen eine Männerdomäne. Stürmisch wird es ab 2019/20, wenn sich auch die Männer unter den Babyboomern aus der Technik, der Verwaltung und vor allem aus den Fachabteilungen der Krankenhäuser, aber auch aus den Ordinationen, zurückziehen.    

 

Ans Ruder lassen  

Bis dahin gibt es viel zu tun: Nachfolgerinnen und Nachfolger müssen gesucht, gefunden und eingeschult, Traditionen auf ihre Sinnhaftigkeit untersucht und vielleicht verworfen werden, neue Kommunikations- und Dokumentationstechniken sind zu etablieren. Erfahrung gilt es von Nostalgie zu trennen und ebenso wie das Organisationswissen der Abgehenden aufzubereiten und weiterzugeben. Zunächst sollte daher jedes Krankenhaus die Altersstruktur seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Führungskräfte untersuchen. Liegt wie so oft eine Babyboomer-Dominanz vor, dann sollte man achtgeben, denn der Generationenwechsel in diesen Unternehmen kommt rasch, vielleicht sogar wie eine kleine Sturmflut. Die Verantwortung für die Vorbereitung darauf liegt in den Händen genau der Altersgruppe, die sich allmählich auf ihren Ruhestand einstimmt. Sätze wi

Das wird mich nicht mehr betreffen. Damit wird sich dann mein Nachfolger beschäftigen müssen!“

"

sind daher zu erwarten und sollten wachrütteln. Sie weisen darauf hin, dass sich die Führungskräfte der heimischen Krankenhäuser so schnell wie möglich einer neuen und zusätzlichen Aufgabe stellen müssen: dem Generationenmanagement. Ziel aller Bemühungen muss es sein, die nächste Generation nicht nur an Bord zu holen, sondern auch nach entsprechender Vorbereitung rechtzeitig ans Ruder zu lassen. Gelingt das in Form eines sanften Überganges, dann wird das betreffende Krankenhaus auch einen Tsunami unbeschädigt überstehen.

 

 


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  Ausgabe: 11/2017/58.JG
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