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Datum: Mittwoch, 20. September 2017

Artikel: CGM / Philipp Streinz

Bildinhalt: Gespräch zwischen Patientin und Arzt

Bildrechte: ClipDealer / Bernd_Leitner

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Tag der Patientensicherheit

Kommunikation kann Leben retten

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold, heißt es. Im Gesundheitsbereich kann mangelnde Kommunikation allerdings gravierende Folgen haben: In Ländern mit hohem Einkommen gilt der medizinische Fehler aktuell als dritthäufigste Todesursache, so Mediziner Klaus Markstaller vom AKH Wien bei einer Pressekonferenz anlässlich des 3. Internationalen Tages der Patientensicherheit.

Das Thema lautet heuer "Speak Up! Wenn Schweigen gefährlich ist" und soll medizinische Führungskräfte, Fachpersonal, Patienten und auch Angehörige beim Erkennen von Sicherheitsproblemen dazu motivieren, Zweifel offen und angstfrei anzusprechen. Das kann etwa Hygienemängel, Kommunikationsprobleme wie das Übersehen von Allergien oder mangelnde Maßnahmen in Sachen Ansteckungsschutz betreffen. Am Ende soll eine professionelle und strukturelle Analyse derartiger Ereignisse dazu beitragen, Ähnliches in Zukunft zu vermeiden.

Vertreter der Österreichischen Plattform Patientensicherheit, der Ärzte- und Apothekerkammer, von Gesundheitsministerium und Gesundheits- und Krankenpflegeverband sowie der Patientenanwälte erhoffen sich durch "Hinschauen statt Wegschauen" einen wichtigen Schritt für alle Beteiligten.

Bis dato dürfte nur eine von zehn Fachpersonen beobachtete Fehler, Regelverletzungen oder inkompetentes Verhalten offen und umgehend angesprochen haben. Bei Patienten und Angehörigen liegt die Hemmschwelle oft noch höher, nicht zuletzt aus Angst vor negativen Konsequenzen. Sicherheitsbedenken zu kommunizieren wäre aber aus jeder Perspektive wichtig, erläuterte Brigitte Ettl, Präsidentin der Österreichischen Plattform Patientensicherheit. Ein wichtiger Faktor wäre eine Politik der offenen Türe auf Führungsebene.

Kritische Ereignisse können darüber hinaus anonym und unbürokratisch im nationalen Fehlersystem www.CIRSmedical.at gemeldet werden. Eine Auswertung zeigte, dass von 501 veröffentlichten Berichten bei 43 Prozent Kommunikation auslösender oder beitragender Faktor war. Ein Fünftel wäre durch Maßnahmen wie "Speak up!" wohl vermeidbar gewesen, so Artur Wechselberger, Präsident der Tiroler Ärztekammer.

Medizin gelte heute als komplexes Teamwork mit Arbeitsteilung, Probleme würden oft vor allem an den Schnittstellen entstehen, erläuterte der Anästhesist Markstaller. Ein offener Umgang jenseits von Disziplinen und Hierarchien diene dem Wohl von Patienten und Mitarbeitern, die so auch weniger Burn-out-gefährdet sind. Auch Außenstehenden komme eine nicht unwichtige Rolle zu, denn ihnen fehlt die Betriebsblindheit.

Patientenanwalt Gerald Bachinger begrüßte die Initiative, deren Umsetzung in der Praxis er als "irrsinnig schwierig" bezeichnete. Er forderte eine neue Gewichtung des Inputs ein - bis dato dürfte höchstens ein Zehntel aller medizinischen Behandlungsfehler umfassend aufgearbeitet werden. "Wir müssen alles unternehmen, um von einer Kultur des Wegschauens zu einer Kultur des Hinschauens zu kommen." Er sah den konstruktiven Input der Patienten als wertvolle Ressource.

Quelle: APAMED