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Datum: Sonntag, 3. März 2019

Artikel: Schaffler Verlag, Qualitas: 04/2018 / Gerald Bachinger

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Spieglein, Spieglein an der Wand…

Der jüngste „State of Health in the EU“-Bericht hält uns einen Spiegel vor und zeigt die Schwächen des österreichischen Gesundheitssystems klar und deutlich.

Gesundheitsausgaben verpuffen

Ja, wir haben ein gutes, öffentlich-solidarisches Gesundheitssystem, das sich vor allem durch einen niedrigschwelligen Zugang, sehr gute Akutversorgung und einen Höchststand von versicherten Personen auszeichnet. Gleichzeitig wird aber schonungslos aufgedeckt, dass eine große Kluft zwischen Gesundheitsausgaben und möglicher Performance liegt. Diese Effizienz- und Effektivitätspotenziale sind seit Jahren vorhanden und müssen im Interesse einer verbesserten Ressourcenallokation gehoben werden.

Problemlöser Primärversorgung

Die deutlichen strukturellen Schwachstellen, aus denen das stark krankenhauslastige System resultiert, zeigen sich bei der Ausformung der Primärversorgung und der Versorgung chronischer Erkrankungen (wie etwa Diabetes). Hier wird in Österreich seit Jahren aus standespolitischen Gründen der notwendige, rasche Reformbedarf verzögert, ja sogar erfolgreich blockiert.

Solche umfassenden, multiprofessionellen Erstanlaufstellen für Patienten mit allgemeinen Gesundheitsproblemen (Primärversorgungseinheiten) sollten im Interesse der bestmöglichen Versorgung kurzfristig umgesetzt werden. Rasch könnten damit ein verbesserter Service für Patienten, massiv ausgeweitete Öffnungszeiten, umfassende, multiprofessionelle Versorgung durch die Gesundheitsdienstleister und ökonomisch vorteilhafte Versorgungsstrukturen erreicht werden. Verbesserte Versorgungsqualität für die Patienten und günstige Gesundheitsausgaben können damit vereint werden.

Digital vor ambulant vor stationär

Von den disruptiven, digitalen Technologien wird viel gesprochen; unser Gesundheitssystem ist allerdings noch nicht dafür vorbereitet. Damit meine ich nicht die derzeitigen, eigentlich banalen und einfachen Systeme wie ELGA oder e-Medikation, die nach langen Jahren nunmehr endlich eingesetzt werden. Es geht um Big-Data-Auswertungen, kognitive Assistenzsysteme, Robotertechnologien und die Verbindung von digitalen Technologien und Genetik. Das patientenlose Krankenhaus ist keine Utopie mehr, sondern ist bereits Realität (Mercy Virtual) und das seit dem Jahr 2015.

Die konkrete Gefahr besteht, dass die schwerfälligen öffentlichen Systeme von multinationalen Konzernen links und rechts überholt werden, ohne dass lange gefragt wird. Fest steht, dass die örtlich gebundenen Strukturen wie Ordinationen und Krankenanstalten durch mobile digitale Technologien bedeutungsloser als bisher werden. „Move the health service not the patient“ wird der Trend der Zukunft sein. Ärzte und patientenlose Krankenhäuser sind in Österreich noch Science-Fiction, aber die Tendenz, in die es gehen wird, ist damit sichtbar.


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  Ausgabe: 04/2018
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