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Datum: Montag, 27. November 2017

Artikel: CGM / Philipp Streinz

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Rheuma

Viele wirksame Therapien, wenige spezialisierte Ärzte

Zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen stehen seit mehreren Jahren hoch wirksame Medikamente zur Verfügung und deren Zahl wird immer mehr. Mit dieser Entwicklung hat allerdings die Zahl der Rheumatologen speziell im niedergelassenen Bereich keineswegs Schritt gehalten. Darauf wiesen Experten am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien hin.

Im Österreich gibt es 167 niedergelassene Ärzte mit dem Zusatzfach Rheumatologie ohne Kassenvertrag und 37 mit Gebietskassenvertrag. Elf der Kassenärzte ordinieren in Wien. In der Steiermark, dem flächenmäßig zweitgrößten Bundesland, sind es drei. Im Burgenland gibt es keinen. Dabei gehören rheumatische Erkrankungen zu den häufigsten Ursachen für Krankenstand. 8,5 Millionen Krankenstandstage wurden 2015 durch Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes verursacht. Welche Systemkosten durch Rheuma anfallen, wurde bisher nicht errechnet.

Rheuma ist der Überbegriff für eine Vielzahl von Erkrankungen von chronischer Polyarthritis über Morbus Bechterew und Gicht bis zu Lupus. Eine vereinfachte Definition präsentierten der Welser Internist Rudolf Puchner, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation, und sein Vorgänger in dieser Funktion, Klaus Machold von der Wiener Uniklinik für Innere Medizin III: Alles, was im Bewegungsapparat wehtut und nicht durch eine Verletzung bedingt ist.

Bis vor einigen Jahrzehnten konnten Ärzte lediglich versuchen, mit Hilfe von Medikamenten Schmerzen und Entzündungen zu reduzieren. Das Fortschreiten der zugrunde liegenden Krankheit führte zur Zerstörung von Gelenken und dauerhaften Einschränkungen der Bewegung. Seit 1990 ermöglicht der Einsatz von Methotrexat - ein äußerst kostengünstiges Medikament - die Verhinderung von Gelenkzerstörungen. Seit 1999 werden - teure - Biologika eingesetzt, die gezielt bestimmte Entzündungsmechanismen blockieren. Mit diesen Medikamenten kann die Beweglichkeit in den meisten Fällen deutlich länger erhalten werden.

"Wir müssen sehr rasch behandeln und wir müssen gezielt behandeln", erklärte Machold - nämlich ehe eine Entzündung dauerhafte Schäden verursacht hat. Grundlage für eine erfolgreiche Therapie mit richtiger Dosierung des jeweiligen Medikaments ist jedenfalls eine richtige Diagnose - und hier sind die Rheumatologen zu einem großen Teil auf Berichte des Patienten angewiesen. Außerdem sind regelmäßige Kontrollen erforderlich. Den Zeitaufwand für Patientengespräche bekommen die Rheumatologen von den Kassen nicht adäquat ersetzt.

Eine von Machold und Puchner durchgeführte Umfrage ergab, dass nicht einmal die Hälfte der Arbeitszeit der Spezialisten auf rheumatologische Tätigkeiten entfällt. Knapp ein Fünftel der Zeit nehmen allgemeininternistische Aufgaben in Anspruch, ein Viertel geht für Administration drauf, acht Prozent für Forschung und Lehre.

Um Folgeschäden zu vermeiden, sei ein Behandlungsbeginn innerhalb von drei Monaten nach Auftreten der Symptome wünschenswert, erklärten Machold und Puchner. Wie es in der Realität aussehen kann, verdeutlichte Gertraud Schaffer, die Präsidentin der Österreichischen Rheumaliga: Im ländlichen Raum beträgt die Wartezeit für einen Termin beim Spezialisten bis zu einem halben Jahr. Der Weg dorthin kann lang sein. Ihr selbst habe ihr bald in Pension gehender Arzt gesagt, sie müsse künftig nach Salzburg oder Innsbruck fahren. Rheuma-Patientin Schaffer ist im Pinzgau zu Hause.

Quelle: APAMED