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Datum: Montag, 23. Juli 2018

Artikel: CGM / Walter Zifferer

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Pharmakonzerne wollen keinen Preiskrieg mit Trump riskieren

Verzicht auf Preiserhöhungen

In den USA läuft seit einiger Zeit eine hitzige Debatte um die Preispolitik der großen Pharmakonzerne. Vor allem US-Präsident Donald Trump ist die Preisentwicklung der Branche ein Dorn im Auge, wie seinen wiederholten Attacken auf die Branche zu entnehmen ist. Er hatte der Branche vorgeworfen, bei der Preisgestaltung "über Leichen" zu gehen und einen härteren Kurs angekündigt.

Vor wenigen Tagen hatte sich Trump telefonisch bei Pfizer-Chef Ian Read über die per Anfang Juli gestiegenen Preise des Konzerns beschwert. Pfizer hatte den Schritt daraufhin rückgängig gemacht. Nach Trumps scharfer Kritik verzichten weitere Pharmakonzerne auf Preiserhöhungen auf dem weltweit größten Arzneimittel-Markt.

Der US-Hersteller Merck kündigte an, den Preis für das Hepatitis-Medikament Zepatier um 60% zu senken. Bei anderen Arzneimitteln wolle Merck 10% weniger von den Kunden nehmen.  

Auch der Schweizer Pharmakonzern Novartis scheut den Konflikt mit US-Präsident Donald Trump und nimmt vorerst Abstand von weiteren Preiserhöhungen auf dem weltgrößten Pharmamarkt.

In dem sich aktuell politisch schnell verändernden Umfeld in den USA erachten wir es als klug, die Preise dieses Jahr nicht mehr zu erhöhen.

Vas Narasimhan
CEO Novartis AG

Novartis setze auf ein "konstruktives Vorgehen". Der Schweizer Konzern schließt sich damit dem Rivalen Pfizer an, der höhere Preise für Medikamente auf Druck der US-Regierung wieder zurücknahm. Novartis dürfte den Verzicht auf potenzielle Zusatzeinnahmen in den USA verkraften können: Das Unternehmen ist nach einem Wachstumsschub durch neue Medikamente im Frühjahr auf Kurs zu seinen Umsatz- und Gewinnzielen für das laufende Jahr. Die Novartis-Aktie legte um rund zwei Prozent zu.  

Ein Dankeschön an Novartis, dass sie die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente nicht erhöhen. Wir setzen viel daran, die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente zu senken, vielleicht auch substanziell.

Donald Trump (via Twitter)
US-Präsident

Die USA sind der mit Abstand wichtigste Markt für die Pharmaindustrie - sie erzielt dort 40% ihrer Umsätze. Die Firmen verdienen dort überdurchschnittlich gut, weil ihnen bei den Medikamentenpreisen bislang kaum Grenzen gesetzt waren. Doch das finden inzwischen offenbar selbst die Pharmakonzerne problematisch.

Die Schweizer Roche-Konzern habe dem US-Gesundheitsministerium vergangene Woche mitgeteilt, im weiteren Jahresverlauf keine Preiserhöhungen vorzunehmen, teilte der größte Hersteller von Krebsmitteln am Freitag mit. Roche berücksichtige bei der Festsetzung der Preise jeweils die Verfügbarkeit der Medikamente für Patienten und Investitionen in Neuentwicklungen. Es seien Lösungen notwendig, die langfristig und systemweit die Preise drückten, ohne aber wissenschaftliche Innovationen zu gefährden, erklärte Roche. Man habe bei den sieben neuesten Medikamenten die Preise tiefer angesetzt als bei den bereits vermarkteten Konkurrenzprodukten.

Auch die deutsche Merck will im laufenden Jahr nicht mehr Geld für ihre Medikamente verlangen.

Das gilt auch für Bayer: Der Leverkusener Konzern wolle die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente in diesem Jahr nicht erhöhen und habe das dem US-Gesundheitsministerium mitgeteilt, erklärte eine Sprecherin.

Quelle: APAMED