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Datum: Sonntag, 24. März 2019

Artikel: CGM / Philipp Streinz

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Opiat-Substitution

Depot-Einmal-Injektion pro Monat reicht auch

Mehr als die Hälfte der Opiatabhängigen mit problematischem Drogenkonsum sind in Österreich in Substitutionstherapie. Eine Methadonvariante (Levomethadon), retardiertes Morphin und Buprenorphin sind die am häufigsten gebräuchlichen Mittel. Jetzt könnte für Buprenorphin eine neue Anwendungsweise kommen: eine subkutane Injektion einmal pro Monat, nicht mehr tägliche Einnahme mit Sublingualtabletten.

Buprenorphin ist vor Jahren vom Gesundheitsministerium unter der damaligen schwarz-blauen Regierung besonders propagiert worden. Das Argument war, dass dieses Opioid in der verwendeten Formulierung weniger leicht missbraucht werden könne. Dazu widersprechende Informationen gab es aus Staaten wie Australien. In Österreich war und ist neben Methadon (als Saft) das retardierte Morphin ein häufig verwendetes Substitutionsmedikament. Buprenorphin als drittes hat weniger dämpfende Effekte auf die Psyche, was manche Patienten bevorzugen.

Aufwändige Therapie durch tägliche Einnahme

Die tägliche Einnahme bei Buprenorphin mit der Abgabe der Tabletten in Apotheken bzw. mehr oder weniger komplizierte Mitgaberegeln bei Bedarf machen die Therapie mit solchen Medikamenten aufwendig. Eine Antwort darauf könnte eine Depot-Einmal-Injektion unter die Haut mit extrem stark retardiertem Buprenorphin (BUP-XR) sein. US-Wissenschafter haben das in einer groß angelegten Wirksamkeitsstudie der Phase III in 36 Behandlungszentren in den Vereinigten Staaten jetzt untersucht.

"Patienten im Alter zwischen 18 und 65 Jahren, welche eine Therapie haben wollten, und unter moderater bis schwerer Opioid-Abhängigkeit litten", wurden laut dem Bericht der Autoren im "Lancet" aufgenommen. Von 1.187 Patienten erhielten schließlich 504 geeignete Teilnehmer im Verhältnis 4:4:1:1 inklusive einer entsprechenden Beratung nach einer Starphase von zwei Wochen mit Buprenorphin-Sublingualtabletten verschiedene "Medikationen": 300 Milligramm BUP-XR als Injektion unter die Haut einmal monatlich über sechs Monate hinweg, zweimal je 300 Milligramm als Injektion und die restlichen vier Monate dann je hundert Milligramm BUP-XR oder entsprechende Placebo-Injektionen. 404 Patienten hatten nach Ende der Behandlungsphase Buprenorphin erhalten, hundert ein Placebo.

"Die mediane Abstinenzrate (andere Opioide, zum Beispiel vom Schwarzmarkt; Anm.) lag bei 41,3 Prozent bzw. bei 42,7 Prozent (höhere bzw. niedrigere BUP-XR-Dosierung) - verglichen mit fünf Prozent für Placebo", schrieben Barbara Haight (US-Pharmaunternehmen Invidior) und ihre Co-Autoren. Befragungen und regelmäßige Urintests belegten das. Die Wayne State University School of Medicine (Detroit/USA) hatte die wissenschaftliche Untersuchung maßgeblich geplant und durchgeführt. Der "Rost Belt" und die ehemaligen US-Autoindustrie-Zentren haben derzeit mit einer extremen Opioid-Suchtproblematik zu kämpfen. Ursache dafür sind die sozialen Verhältnisse und die ehemals besonders freizügige Opioid-Schmerzmittelverschreibung von US-Ärzten.

Fortschritt in Behandlung von Opioid-Abhängigkeit

Die häufigsten Nebenwirkungen in allen Patientengruppen waren Kopfschmerzen, Übelkeit und Verstopfung (klassische Opioid-Nebenwirkung). Die Wissenschafter schrieben insgesamt: "Die Verfügbarkeit für diese Formulierung (von Buprenorphin; Anm.) für die monatliche Anwendung durch Gesundheitsdienstleister (Ärzte, diplomiertes Krankenpflegepersonal etc.) bedeutet einen Fortschritt in der Behandlung der Opioid-Abhängigkeit, welche die Vorteile von Buprenorphin über die langfristig wirkende Abgabe und optimale Anwendung verstärkt und gleichzeitig die Risiken der derzeitigen Buprenorphin-Produkte verringert." Vor allem ein Schwarzmarkt mit Buprenorphin kann damit verhindert werden. Gleichzeitig bedeutet die subkutane Injektion eine ausreichende Dosierung mit Langzeitwirkung.

In Österreich waren 2017 knapp 60 Prozent der Opioid-Abhängigen mit problematischem Drogenkonsum in Substitutionstherapie. Es handelte sich um etwa 17.000 Patienten.

Quelle: APAMED