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Datum: Montag, 5. Februar 2018

Artikel: CGM / Walter Zifferer

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Nur wenige Österreicher kennen ihre Cholesterinwerte

Hauptrisiko für Atherosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall

Drei Millionen Österreicher haben erhöhte Cholesterinwerte als Hauptrisikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Doch nur rund 1,5 Millionen Menschen wissen darüber Bescheid, wahrscheinlich noch viel weniger mit Behandlungsbedarf bekommen eine Therapie, hieß es kürzlich bei einer Pressekonferenz in Wien.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weiterhin weltweit die Todesursache Nummer 1. Das sind rund 18 Millionen Tote pro Jahr, in Österreich vier von zehn Todesfällen oder pro Jahr rund 33.000 Herz-Kreislauf-Tote.

Martin Munte
Geschäftsführer des Biotechnologiekonzerns Amgen in Österreich und Präsident der Pharmig

Unterstützt wird deshalb die neue Initiative "Blutsverwandt" (www.blutsverwandt.at), um Informationsstand und Bewusstseinsbildung in Sachen Blutfettwerte zu erhöhen.

Wichtig wäre es vor allem, dass Menschen zumindest im Erwachsenenalter ihre Cholesterinwerte bestimmen lassen. Zu hohe Blutfettwerte sind neben dem Rauchen und der Hypertonie der klassische Risikofaktor für "Gefäßverkalkung" und die Herz-Kreislauf-Folgeerkrankungen. Für Personen ohne diagnostizierte Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder chronische Nierenleiden sollten die Werte bei unter 200 Milligramm Gesamtcholesterin pro Deziliter Blut und davon beim "bösen" LDL-Cholesterin bei unter 130 Milligramm pro Deziliter liegen (Triglyzeride als dritter Wert: weniger als 150 Milligramm je Deziliter).

Ein spezielles Problem haben laut Christoph Binder von der Österreichischen Atherosklerosegesellschaft rund 40.000 Österreicher, die an einer familiären, also genetisch bedingten Hypercholesterinämie leiden. Bei ihnen sind die Blutfettwerte aufgrund von Genmutationen, die vor allem die Cholesterinrezeptoren zum Abtransport und Abbau des LDL-Cholesterins aus dem Blut betreffen, stark bis extrem erhöht. Das Problem liegt darin, dass die Atherosklerose dann praktisch schon ab der Kindheit auftauchen kann. Das führt zu extrem früh auftretenden Herz-Kreislauf-Zwischenfällen, vor allem Herzinfarkten.

"Wir kennen in Österreich nur rund 10% der Menschen mit einer solchen familiären Hypercholesterinämie", so Binder.

Diät und Sport können die Cholesterinwerte senken, die Konzentration an "gutem" HDL-Cholesterin erhöhen, doch der Effekt ist viel zu gering, um bei Menschen mit stark bis extrem erhöhten Blutfettwerten (vor allem bei LDL) eine adäquate Risikoreduktion herbeizuführen. Frühe Herzinfarkte in der Familie sollten auf jeden Fall zu einer Untersuchung führen. Bei viele Betroffenen helfen dann die klassischen Cholesterinsenker (Statine).

Wenn das nicht ausreicht, gibt es mit den sogenannten PCSK9-Inhibitoren seit rund zwei Jahren eine neue Klasse an Medikamenten mit stärkerer Wirkung. In Österreich erfolgt die Erstverschreibung über spezialisierte "Lipidzentren". Das gilt vor allem für Personen mit familiärer Hypercholesterinämie und bereits einem Herz-Kreislauf-"Ereignis", hieß es der Pressekonferenz. Wichtig wäre auch die breitere Anwendung bei solchen Personen in der Vorsorge bereits vor dem Auftreten der ersten Herz-Kreislauf-Erkrankung, betonte Binder. Bei Menschen mit von Geburt an stark erhöhten Cholesterinwerten kommt nämlich eine Therapie erst im Krankheitsfall im Vergleich zu einer primären Prävention um Jahrzehnte zu spät.

Quelle: APAMED