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Datum: Dienstag, 6. Juni 2017

Artikel: CGM / Philipp Streinz

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NÖ Altersalmanach liefert Daten für Pflegebedarf

Seit 1994 wird in Niederösterreich alle fünf Jahre ein Altersalmanach erstellt, der fundierte Basisdaten für den Versorgungsbedarf im Pflegebereich liefert. Die am Mittwoch präsentierte, neu vorliegende Version macht die demografische Entwicklung deutlich: Der Anteil der 75-Jährigen und darüber wird bis zum Jahr 2030 auf elf Prozent steigen.

Die Untersuchung liefere detaillierte Planzahlen für zukunftsorientierte Betreuungsformen und helfe damit, Unter- oder Überver­sorgung zu vermeiden, erklärte Projektleiter Franz Kolland. Ziel sei, "ein gelungenes Altern abzusichern", betonte Landesrätin Barbara Schwarz (ÖVP). Im Pflegebereich werde eindeutig eine Verschiebung hin zur - legalen - 24-Stunden-Pflege registriert, weil die Menschen bis zuletzt zuhause bleiben wollen. In der stationären Pflege, die zum Beispiel nach einem Schlaganfall notwendig werde, gebe es nur sehr kurze Wartezeiten von wenigen Tagen.

Unter dem Vorsitz Niederösterreichs werden am Mittwoch und Donnerstag die Sozialreferenten der Bundesländer in Langenlois über die Herausforderungen im Pflege- und Betreuungsbereich beraten. Es gehe um einheitliche Qualitätsstandards und auch um die Finanzierung. Sie werde bei Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) auf ein langfristiges Finanzierungsmodell drängen, sagte Schwarz. Die seit Jahren praktizierte Verlängerung des Pflegefonds sei keine nachhaltige Lösung.

2015 gab es 8.722 Pflegebetten im Bundesland, 2025 werden es 10.035 sein. Im selben Zeitraum wird die 24-Stunden-Pflege laut Altersalmanach von 5.632 auf 10.168 Betreute zulegen, die Zahl der von sozialmedizinischen Diensten betreuten Haushalte von 16.642 auf 18.878. Die Zahl der Pflegegeldbezieher im Bundesland, prognostiziert bis 2025, wird sich von aktuell knapp über 90.000 auf nahezu 108.000 Personen erhöhen.

Die Menschen, auch die Männer, so Kolland, werden nicht nur älter, sondern bleiben länger gesund. Das zeigt sich auch daran, dass sich der Anteil der Pflegegeldbezieher "nach oben" verschiebt - erst ab 85 werden es über 50 Prozent sein. Zum demografischen Wandel führte Kolland (Institut für Soziologie der Universität Wien) unter Hinweis darauf, dass die "Baby Boomer" der 1950er und 1960er-Jahre alt werden, aus, dass die großen Veränderungen ab 2025 eintreten werden. Entgegen der Wifo-Prognose ortete der Altersforscher mit rund zwei Dritteln einen ungebrochen hohen Anteil an Pflege durch Angehörige: "Das Solidaritätspotenzial in den Familien reißt in Niederösterreich nicht ab."