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Datum: Freitag, 9. März 2018

Artikel: CGM / Walter Zifferer

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Bildrechte: ClipDealer / aberheide

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Nierenkrank

Wenn die Entgiftungszentrale streikt

Als Leiter der Dialyseabteilung an der Privatklinik Wehrle-Diakonissen sieht der Nephrologe OA Dr. Martin Gerke täglich, wohin Nierenerkrankungen führen können. Die chronische Nierenschwäche ist auch in Österreich im Vormarsch. Besonders häufig sind Menschen mit Diabetes, Fettleibigkeit und Bluthochdruck betroffen. Wer nicht rechtzeitig vorsorgt, ist meist auf die künstliche Blutwäsche oder eine Spenderniere angewiesen.

Sie arbeiten rund um die Uhr und filtern täglich 1.800 Liter Blut. Obwohl die Nieren lebenswichtig sind, wissen die meisten Menschen kaum etwas über die etwa zehn Zentimeter kleinen, bohnenförmigen Organe in ihrem Körper. In Österreich leiden etwa 400.000 Menschen an einer chronischen Nierenschwäche, der so genannten Niereninsuffizienz. "Die Tendenz ist leider steigend", sagt OA Dr. Martin Gerke, Nierenspezialist und Leiter der Dialyse an der Privatklinik Wehrle-Diakonissen. 

Die Nierenschwäche geht immer mit einem hohen Risiko für Herzerkrankungen und Gefäßverkalkungen einher. Wird sie übersehen oder nicht richtig behandelt, kann eine künstliche Blutwäsche mittels Dialyse erforderlich werden. Im schlimmsten Fall kann der Patient aber auch einen tödlichen Herzinfarkt oder Schlaganfall erleiden.

Wie wirkt sich die Nierenschwäche im Körper aus?

Im Falle einer Nierenschwäche wird das Blut nicht mehr ausreichend gereinigt, was zur Ansammlung von schädlichen Schlackstoffen führt. Phosphor etwa stört bereits im Frühstadium einer Nierenschwäche den Knochenstoffwechsel - dem Knochen wird Calcium entzogen, was zu Verkalkungen der Gefäße und Herzklappen führt. "Leider wird die schleichende Gefahr von Betroffenen meist erst im Spätstadium wahrgenommen", so OA Dr. Gerke. Symptome, wie z.B. Magen-Darm-Beschwerden mit Übelkeit, fehlender Appetit, Leistungsschwäche, Müdigkeit, Juckreiz, eine erhöhte Infektanfälligkeit, hoher Blutdruck oder Flüssigkeitsansammlung im Gewebe, werden oft falsch eingeschätzt oder negiert. Wenn diese Symptome auftreten, ist - abhängig von den Laborwerten - meist bereits eine Dialyse, eine künstliche Blutwäsche, erforderlich. 

Künstliche Blutwäsche und Nierentransplantation

Die Therapie an der Dialysemaschine stellt für niereninsuffiziente Patienten eine rettende Überbrückung bis zur Nierentransplantation dar. Dennoch kann die Hightech-Maschine nicht alle Funktionen der Nieren übernehmen. "Die Dialysepatienten unserer Klinik kommen ca. dreimal pro Woche für vier Stunden zur Blutwäsche und erhalten dort auch fachliche Beratung und Begleitung", erklärt OA Dr. Gerke.

Es gibt eine Vielzahl an Komplikationen, die es zu vermeiden gilt. Die Haupttodesursache des Patienten an der Dialyse ist der plötzliche Herztod durch Herzrhythmusstörungen.

Im Grunde ist also jeder Dialysepatient früher oder später auf eine Nierentransplantation angewiesen. Die Realität zeigt jedoch, dass nicht jeder für eine Transplantation geeignet ist. Darüber hinaus übersteigt die Anzahl der Dialysepatienten auf der Warteliste jene der Organspender. In Österreich waren es im Jahr 2017 etwa 4.400 Nierenkranke, die auf die Dialyse und eine Spenderniere angewiesen waren. "Es ist mir wichtig, auf das Schicksal der Patienten und auf die Möglichkeit einer Organspende aufmerksam zu machen", betont der Nephrologe. "Durch die moderne Transplantationsmedizin ist eine Lebendspende heute auch möglich, wenn Spender und Empfänger nicht die gleiche Blutgruppe haben." Für den Spender bleibt der Verlust einer Niere in der Regel ohne gesundheitliche Folgen, wenn er bislang gesund war und regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen erfolgen. 

An die Nierenvorsorge denken

Nierenexperten plädieren schon längst dafür, die regelmäßige Nierenvorsorgeuntersuchung mehr ins Bewusstsein zu rücken. Dies gilt insbesondere für Diabetiker, Fettleibige und Bluthochdruckpatienten, denn sie stellen mit fast 50 Prozent den höchsten Anteil der Dialysepatienten. "Bislang wurde allgemein viel zu wenig in Sachen Vorsorge getan", stellt OA Dr. Gerke fest. "Dabei gibt es gute Früherkennungsmarker, die es ermöglichen, durch rechtzeitiges Eingreifen ein Fortschreiten des Nierenfunktionsverlustes zu verzögern."

Hinweise sind etwa hoher Blutdruck, Wasseransammlungen oder Blut bzw. Eiweiß im Harn. Ein erhöhter Kreatininwert im Blut ist bereits ein Zeichen für eine um mindestens 50 Prozent verschlechterte Nierenfunktion und sollte unbedingt weiter abgeklärt werden. Dabei ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Hausärzten und Fachärzten für Nierenheilkunde erforderlich. 

Steiermark als Vorzeige-Region

In der Steiermark gibt es seit 2016 ein landesweites Präventionsprogramm mit dem Namen "Niere.schützen", welches das Ziel verfolgt, Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion möglichst frühzeitig zu entdecken und damit kardiovaskuläre Komplikationen zu verhindern. Es richtet sich an 45- bis 60-Jährige, bei denen entweder erhöhter Blutdruck, Adipositas oder Diabetes mellitus bestehen oder Nierenerkrankungen in der Familie bekannt sind. "Es wäre wünschenswert, dieses Modell einer integrierten Versorgung österreichweit umzusetzen", so OA Dr. Martin Gerke. 

Öffentliche Dialyse an der Privatklinik Wehrle-Diakonissen

Die Dialyseabteilung der Privatklinik Wehrle-Diakonissen wurde 2014 neu gebaut und bietet in- und ausländischen Patienten eine moderne Infrastruktur mit 15 Dialysemaschinen. Über 10.000 Dialysen wurden im Jahr 2017 durchgeführt. Für die Betreuung der rund 70 Dauerpatienten sorgen 15 Dialyse-Mitarbeiter, Fachärzte für Innere Medizin mit Additivfach Nephrologie, Allgemeinmediziner sowie eine Diaetologin. Durch den öffentlichen Versorgungsauftrag ist die Dialyse mit allen österreichischen Sozialversicherungen verrechenbar. In der angeschlossenen Wahlarzt-Nierenordination werden Vorsorgeuntersuchungen angeboten und Patienten bis zur Dialyse und Transplantation bzw. auch in der Zeit danach begleitet.

Quelle: APAMED