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Datum: Sonntag, 24. Februar 2019

Artikel: Schaffler Verlag, Qualitas: 04/2018 / Corinna Schaefer

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Nationale Versorgungsleitlinie Asthma grundlegend überarbeitet

Eine multidisziplinäre Leitliniengruppe mit Vertretern aus 21 Fachgesellschaften und Organisationen hat die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Asthma zu Diagnostik und Therapie von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Asthma grundlegend überarbeitet. Die dritte umfassende Überarbeitung seit ihrem erstmaligen Erscheinen im Jahr 2005 zeigt, dass eine Leitlinie nur dann sinnvoll ist, wenn sie „lebt“ und beständig aktuelle medizinische Erkenntnisse berücksichtigt. In 119 evidenzbasierten Empfehlungen werden alle an der Versorgung beteiligten Health Professionals über den „state of the art“ der Diagnose und Behandlung von Asthma informiert1.

Eine Reihe von Neuerungen

„Es gibt eine Reihe von Neuerungen“, berichtet Corinna Schaefer, Leiterin des Bereichs Evidenzbasierte Medizin und Leitlinien im ÄZQ. So hat z.B. die Schweregradeinteilung beim Asthma keinen Stellenwert mehr. Die Klassifikation der Erkrankung richtet sich nun ausschließlich nach der Asthmakontrolle. Die ergibt sich aus der Symptomatik und dem Risiko einer Verschlechterung. Bevor eine Eskalation der Therapie infrage kommt, soll der Arzt prüfen, ob und welcher Schulungsbedarf beim Patienten besteht, welche allergieauslösenden und umweltbedingten Einflüsse eine Rolle spielen und wie der Patient selbst die Therapie mitträgt (adherence). „Gerade die aktive Beteiligung des Patienten ist wichtig“, betont Schaefer. „Patienten müssen über ihre Erkrankung Bescheid wissen und das Management der Erkrankung (z.B. den korrekten Umgang mit Inhalern) beherrschen.“ Deshalb gibt es flankierend zur NVL eine Reihe von Patientenmerkblättern1.

Die wichtigsten Änderungen der NVL Asthma im Vergleich zur zweiten Auflage hat das ÄZQ in einem übersichtlichen Merkblatt zusammengefasst2.

NVL Asthma – sehr gute Transparenzbewertung

Wichtige Qualitätsmerkmale von Leitlinien sind die Korrektheit ihrer Inhalte und ihre Unabhängigkeit von der Industrie. Gerade in der jüngsten Zeit sind „Fake-Verlage“ und wissenschaftlich zweifelhafte Publikationen in der öffentlichen Diskussion präsent. „Man kann selbst den größten Blödsinn publizieren – wenn er nur ins vorgefasste Weltbild passt“3, meinen drei amerikanische Forscher, denen es gelungen ist, zwanzig „Fachartikel“ mit Nonsensgehalt in anerkannten Fachjournalen zu publizieren. Zum Umgang mit Interessenkonflikten in Leitlinienvorhaben hat die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften ein klares Regelwerk verfasst4. Dennoch wird immer wieder eine Verflechtung von Leitlinienautoren mit der Industrie beobachtet. Bereits 2015 hat eine gemeinsame Initiative von MEZIS (Mein Essen Zahl Ich Selbst), Transparency International Deutschland e.V. und NeurologyFirst (eine Initiative deutscher Neurologen für Pharma-unabhängige Kongresse und Leitlinien) einen Appell an die medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland gerichtet: Ziel ist die wirksame Regulierung von Interessenkonflikten5. Ein Beitrag dazu ist das Transparenzportal für medizinische Behandlungsleitlinien www.leitlinienwatch.de. Ärzte bewerten ehrenamtlich nach transparenten Kriterien den Grad der Unabhängigkeit der Leitlinien von der Pharmaindustrie.

„Für den Umgang mit Interessenkonflikten bei der NVL Asthma gab es ein ganz klares und striktes Regelwerk, dessen Einhaltung unabhängige Koordinatoren überwacht haben. Die NVL Asthma gehört mit 14 von 18 möglichen Punkten zu den Leitlinien mit der besten Bewertung im Portal leitlinienwatch.de“, berichtet Schaefer.


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  Ausgabe: 04/2018
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