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Datum: Freitag, 21. Juni 2019

Artikel: CGM / Philipp Streinz

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Mehr Kranke bei Fachärzten, in Ambulanzen und Spitälern

Die Österreicher als seit vielen Jahren Fast-Weltmeister im "Spitalsliegen" - knapp ein Viertel der Menschen sind einmal im Jahr im Krankenhaus - gehen weiterhin immer öfter zum Facharzt, in die Krankenhausambulanz oder begeben sich gar in stationäre Betreuung. Dies hat eine aktuelle Studie von Kathryn Hoffmann vom Zentrum für Öffentliche Gesundheit der MedUni Wien ergeben.

Verglichen wurden die Daten von 2006/2007 und 2014, wie sie mit der normierten ATHIS-Umfrage zum Gesundheitszustand/Gesundheitsverhalten der Österreicher von der Statistik Austria jeweils erhoben worden sind. Seit vielen Jahren ist gesundheitspolitisch heiß diskutiert, ob der Zugang zu den spezialisierteren und somit auch teureren Stufen der Gesundheitsversorgung in Österreich - wie in anderen Staaten - über ein "Gate-Keeping" der Allgemeinmediziner/Hausärzte erfolgen soll oder der Zugang zu allen Stufen inklusive von Universitätskliniken frei sein soll. Beklagt werden insbesondere die hohen Frequenzen bei den "ungelenkten" Spitalsambulanzbesuchen, die auch vergleichsweise oft in stationären Aufnahmen münden.

Die von Kathryn Hoffmann analysierten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Innerhalb von zwölf Monaten hatten 2006/2007 78,8 Prozent der Österreicher einen Hausarzt besucht, 2014 waren es nur noch 76,2 Prozent (minus 1,6 Prozent). Im Vergleich dazu stieg der Anteil der Menschen mit Facharzt-Konsultationen von 67,4 Prozent auf 74,4 Prozent (plus sieben Prozent) an. Die Ambulanzbesuch-Häufigkeit erhöhte sich von 18,6 auf 24,9 Prozent (plus 6,3 Prozent). Die Rate der stationären Aufnahmen ins Krankenhaus stieg von 22,8 Prozent auf 23,3 (plus 0,5 Prozent).

Die E-Card ermöglicht in Österreich allen Versicherten den direkten Zugang zu allen Stufen des Gesundheitssystems. Das reicht eben vom Hausarzt bis zur Universitätsklinik. Experten haben immer wieder darauf hingewiesen, dass am ehesten die Hausärzte - abgesehen von absoluten Notfällen und Spezialfächern wie Gynäkologie oder Augenheilkunde - abklären könnten, welche medizinischen Schritte nach einem Anfangsverdacht auf eine Erkrankung am besten zu setzen seien.

Doch gerade bei den "ungelenkten" Facharzt- und Spitalskontakten (Ambulanzen, stationäre Aufnahme) zeigt sich eine gegenläufige Entwicklung zwischen 2006/2007 und 2014. 15,1 Prozent der Österreicher laut der Befragung 2006/2007 waren in den vorangegangenen zwölf Monaten ohne vorherigen Besuch ihres Hausarztes zum Facharzt gegangen. 2014 waren es 18,8 Prozent (plus 3,76 Prozent). Besonders stark erhöhten sich in dem analysierten Zeitraum offenbar die Besuche in Spitalsambulanzen ohne vorherigen Hausarztkontakt: von 8,5 auf 14,9 Prozent (plus 6,4 Prozent). Stationäre Aufnahmen ohne Hausarztkontakt hatten im Jahr vor der Befragung von 2006/2007 eine Häufigkeit von 8,1 Prozent, bei der Befragung im Jahr 2014 gaben das 12,2 Prozent an (plus 4,1 Prozent).

Die Problematik in der Entwicklung dürfte insbesondere darin liegen, dass sich offenbar auch jene Bevölkerungsgruppen mittlerweile sehr häufig primär zum Facharzt oder ins Krankenhaus begeben, die das früher nicht in diesem Ausmaß getan hatten, meinte Kathryn Hoffmann. Die Entwicklung sei "beunruhigend, was die Trends im Gesundheitssystem, Bemühungen um Kostenkontrolle und Qualität der Versorgung betreffe. Das deutet auf einen möglichen Trend weg von der Primärversorgung als ersten Zugang hin."

Quelle: APAMED