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Datum: Montag, 1. Oktober 2018

Artikel: CGM / Walter Zifferer

Bildinhalt: Krebs: Gezieltere Behandlung durch Immuntherapie

Bildrechte: sanger.ac.uk

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Medizinnobelpreis für Krebs-Immuntherapie

An US-Forscher und japanischen Wissenschaftler   Der US-Forscher James Allison (MD Anderson Medical School Houston/Texas/USA) und der japanische Wissenschaftler Tasuku Honjo (Universität Kyoto) teilen sich den diesjährigen Nobelpreis für Physiologie und Medizin. Dies gab das Nobelpreiskomitee am Montag bekannt. Sie werden für Entdeckungen ausgezeichnet, welche zur Immuntherapie gegen Krebserkrankungen durch Immuncheckpoint-Blockade führten.  

Die diesjährigen Nobelpreise sind mit neun Millionen Schwedischen Kronen (rund 870.000 Euro) dotiert.

"Krebs tötet Millionen Menschen jedes Jahr, er ist einer der größten Gesundheitsherausforderungen", schrieb das Nobelpreiskomitee.

Während der 1990er-Jahre untersuchte James P. Allison an der Universität von Kalifornien in Berkeley, das T-Zell-Protein CTLA-4.Er war einer von mehreren Wissenschaftlern, welche die Beobachtung machten, dass CTLA-4 als 'Bremse' für die T-Immunzellen fungiert.

Honjo von der Kyoto Universität wiederum hatte 1992 ein anderes Protein auf der Oberfläche von T-Immunzellen entdeckt.  

Entschlossen, seine Rolle aufzuklären, führte er eine Serie von eleganten Experimenten über mehrere Jahre an seinem Institut an der Kyoto Universität durch. Die Ergebnisse zeigten, dass PD-1 - ganz ähnlich wie CTLA-4 - als Hemmschuh für die T-Zellen wirkt.

Das Nobelpreiskomitee

Der Hintergrund: Auf den T-Lymphozyten (T-Zellen, Immunzellen) finden sich eine ganze Reihe von Oberflächenproteinen, welche für die Interaktion mit anderen Zellen, für die Aktivierung oder das Stillhalten der Immunzellen verantwortlich sind.  

Allison entdeckte CTLA-4 auf T-Zellen. Tasuku Honjo fand PD-1 auf Immunzellen. In den Jahren darauf wurde auch noch das an PD-1 bindende Protein PD-L1 identifiziert. Mit monoklonalen Antikörpern wie Ipilimumab (gegen CTLA-4), Nivolumab (und bereits viele andere gegen PD-1) oder Atezolizumab (gegen PD-L1 gerichtet) stehen damit seit wenigen Jahren im Vergleich zu Chemotherapeutika erstmals wirksame Immuntherapeutika gegen Krebs zur Verfügung.  

Zugelassen sind solche Medikamente beim Bronchuskarzinom, Blasenkarzinom, Nierenzellkarzinom, Hodgkin-Lymphom, HNO-Karzinomen, bei Magenkrebs, Leberzellkarzinomen und anderen bösartigen Erkrankungen.

Christoph Zielinski
Koordinator des Comprehensive Cancer Center in Wien

Die Erfolge der Hunderten klinischen Studien in diesem Bereich haben auch dazu geführt, dass Immuncheckpoint-Blockade bei einigen Krebserkrankungen bereits in die "Erstlinien-Therapie" von nicht vorbehandelten Patienten rückt. Zumeist aber werden sie derzeit noch angewendet, wenn eine Chemotherapie oder eine zielgerichtete medikamentöse Behandlung ihren Effekt eingebüßt bzw. ein Rückfall erfolgt ist. Freilich die anfänglichen Ergebnisse mit diesen Therapien, welche von Ansprechraten bei Krebspatienten von 40 und mehr Prozent sprachen, waren wohl zu euphorisch. Zielinski sagte dazu:  

Bei 20 bis 25 Prozent der Behandelten erreicht man derzeit eine langfristige Kontrolle der Erkrankung.

  Das größte Problem liegt darin, dass es bisher keinen (Labor-)Wert gibt, mit dem sich vor einer Immuntherapie ein zu erwartender Effekt vorhersagen lässt. Weitere Probleme im Rahmen einer solchen Therapie stellen beispielsweise Autoimmun-Nebenwirkungen und Probleme bei der Bestimmung von Wirkung oder Versagen der Behandlung dar. Um die Wirkung der neuen Immuntherapien zu erhöhen, wird in zahlreichen Studien die Kombination mit anderen Behandlungsformen erprobt: Mit Chemotherapeutika, anderen Biotech-Medikamenten (Anti-Angiogenese), Strahlenbehandlung und anderen Immuntherapeutika (Impfungen).  

Die Immuncheckpoint-Blockade stellte erstmals auf diesem Gebiet einen Durchbruch dar und ist rasch zu einem Behandlungsprinzip - zunächst bei Melanom, dann bei Lungenkrebs, Nierenzellkarzinomen und anderen Krebserkrankungen – geworden.

Matthias Preusser
Professor für Internistische Onkologie von Medizinischen Universität Wien / AKH

  Er spricht von einem "Paradigmenwechsel". "Allison ist ein hoch genialer Wissenschaftler. Honjo ist ein toller Wissenschaftler, ein sehr vornehmer, eleganter Herr - ein toller Typ"", sagte der Koordinator des Comprehensive Cancer Center (CCC) von MedUni Wien und AKH, Christoph Zielinski. Immuncheckpoints spielten bei fast allen Krebserkrankungen eine gewisse Rolle. Daraus resultiere die Bedeutung der Entdeckungen der beiden neuen Medizin-Nobelpreisträger.

 

Medizin-Nobelpreis - Die Preisträger seit 2007

Der Medizin-Nobelpreis wird seit 1901 verliehen. Die erste Auszeichnung ging damals an den deutschen Bakteriologen Emil Adolf von Behring für die Entdeckung der Serumtherapie gegen Diphtherie. Die Preisträger der vergangenen Jahre waren:

2017: Die US-Forscher Jeffrey Hall, Michael Rosbash und Michael Young für die Erforschung der biologischen "Inneren Uhr" von Organismen.

2016: Der Japaner Yoshinori Ohsumi, der das lebenswichtige Recycling-System für Proteine in Zellen entschlüsselt hat.

2015: Die Chinesin Youyou Tu, die den Malaria-Wirkstoff Artemisinin entdeckt hat. Sie teilte sich den Preis mit dem gebürtigen Iren William C. Campbell und dem Japaner Satoshi Omura, die an der Bekämpfung weiterer Parasiten gearbeitet hatten.

2014: Das norwegische Ehepaar May-Britt und Edvard Moser sowie John O'Keefe (USA/Großbritannien) für die Entdeckung grundlegender Strukturen des Orientierungssinns des Menschen.

2013: Thomas Südhof (gebürtig in Deutschland) sowie James Rothman (USA) und Randy Schekman (USA) für die Entdeckung von wesentlichen Transportmechanismen in Zellen.

2012: Der Brite John Gurdon und der Japaner Shinya Yamanaka für die Rückprogrammierung erwachsener Körperzellen in den Embryonalzellen.

2011: Bruce Beutler (USA) und Jules Hoffmann (Frankreich) für Arbeiten zur Alarmierung des angeborenen Abwehrsystems. Ralph Steinman aus Kanada entdeckte Zellen, die das erworbene Immunsystem aktivieren. Er war kurz vor der Verkündung gestorben und bekam den Preis posthum.

2010: Der Brite Robert Edwards für die Entwicklung der Reagenzglas-Befruchtung.

2009: Elizabeth Blackburn, Carol Greider und Jack Szostak (alle USA) für die Erforschung der Zellalterung.

2008: Harald zur Hausen (Deutschland) für die Entdeckung der Papilloma-Viren, die Gebärmutterhalskrebs auslösen, sowie die Franzosen Francoise Barre-Sinoussi und Luc Montagnier für die Entdeckung des Aidserregers HIV.

Quelle: APAMED

Die Nobelpreisträger 2018: James Allison (links) und Tasuku Honjo.
Bildinhalt: Die Nobelpreisträger 2018:
  James Allison (links)
  und Tasuku Honjo.
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