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Datum: Donnerstag, 13. Dezember 2018

Artikel: CGM / Philipp Streinz

Bildinhalt: Das Team des Kepler Universitätsklinikum mit dem Patienten samt Familie

Bildrechte: Kepler Universitätsklinikum

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Medizinische Weltpremiere

Stent in Herz von Ungeborenem eingepflanzt

Ärzte des Linzer Kepler Universitätsklinikums (KUK) haben - nach Spitalsangaben erstmals weltweit - wenige Tage vor der Geburt einen Stent in das Herz eines Kindes eingepflanzt. Der kleine Jan, der ansonsten nicht lebensfähig bzw. nur mit einer hochriskanten Not-OP zu retten gewesen wäre, hat noch einen Eingriff vor sich, dann soll er ein fast normales Leben führen können, erwarten die Mediziner.

Vier Monate nach seiner Geburt war Jan am Dienstag Mittelpunkt einer Pressekonferenz im KUK, in der Gerald Tulzer, Vorstand der Klinik für Kinderkardiologie, und Wolfgang Arzt, Vorstand des Instituts für Pränatalmedizin, den Eingriff erklärten. Die Eltern hatten nur zwei oder drei Tage Zeit, sich zu entscheiden, ob sie den Schritt wagen wollten. "Wir haben es so hingenommen", schilderte die Mutter des Kleinen mit dem Baby am Arm. Es sei "Gott sei Dank die richtige Entscheidung gewesen", ist der Vater heute erleichtert.

Bei dem Ungeborenen war ein hypoplastisches Linksherzsyndrom diagnostiziert worden. Dabei ist eine wichtige Verbindung im Herzen verschlossen. Das von der Lunge kommende Blut kann nicht von den Vorhöfen in die Kammer fließen, wodurch das Baby nach der Geburt nicht lebensfähig wäre. Davor sei die Mutter praktisch die "Herz-Lungen-Maschine" für das Kind, erklärten Tulzer und Arzt. Um diese Notsituation zu entschärfen, haben sie noch im Mutterleib einen kleinen Stent - neun Millimeter lang und drei Millimeter im Durchmesser - eingepflanzt, der den Blutfluss gewährleistete.

Durch den sechs Tage vor der Entbindung durchgeführten Eingriff war Jan nach der Geburt lebensfähig. Mittlerweile wurden aber zwei Operationen vorgenommen, eine weitere ist noch nötig. Das Herz des Buben werde wohl nicht ganz so belastbar sein wie das anderer Menschen, aber er werde ein "fast normales Leben führen können", versicherte Tulzer.

Die Operation dauerte nur rund 30 Minuten, verlangte den Ärzten aber einiges an Geschick und Können ab: Sie mussten unter Ultraschall nicht nur exakt mit einer Nadel durch die Bauchdecke der Mutter in das Herz des Kindes manövrieren, sondern dabei auch noch Bewegungen einkalkulieren, da das Baby im Fruchtwasser schwimmt und das Herz schlägt.

Der in Linz vorgenommene Eingriff ist laut KUK weltweit der erste dieser Art, der so knapp vor der Geburt durchgeführt wurde. Es habe in den USA und in Kanada zwar bereits einige Versuche von Stentimplantationen im Mutterleib gegeben, aber nie so kurz vor der Entbindung. Dass es gerade in Linz gelungen ist, führen Tulzer und Arzt auf ihre fächerübergreifende Zusammenarbeit zurück. Das Kinderherz-Zentrum am KUK sei das europaweit größte und weltweit zweitgrößte Zentrum für pränatale Herzeingriffe und habe gemeinsam mit dem Institut für Pränatalmedizin bereits 150 solche durchgeführt, hieß es vom Spital.

Quelle: APAMED