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Datum: Donnerstag, 22. August 2019

Artikel: CGM / Philipp Streinz

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Krank macht der Armutsstress

Alpbacher Gesundheitsgespräche

"Liberte, Egalite, Sante", war schließlich Dienstag, am Schlusstag der diesjährigen Gesundheitsgespräche in Alpbach, das Motto einer kontrovers geführten Diskussionsrunde mit Unterstützung des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger. Weniger extreme Einkommensunterschiede als die psychischen Konsequenzen von Benachteiligung dürften Gesundheit und Krankheit wesentlich mitbestimmen.

"Joseph Stiglitz hat (in seiner Eröffnungsrede zu den Alpbacher Gesundheitsgesprächen; Anm.) von der Perfektion der Ungleichheit in den USA gesprochen: Too many left behind (zu viele zurückgelassen; Übers.)", sagte Josef Probst, Generaldirektor des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger. Alexander Biach als Hauptverbandchef betonte: "Es geht um Gleichheit in Form von Chancengleichheit im Zugang für Jung und Alt. Das ist etwas ganz Wichtiges. Auf gleicher Basis sollen sich Individuen frei entwickeln können."

Die Verbindung zwischen Ungleichheit oder Einkommens- bzw. Vermögensverhältnissen mit Gesundheitsfragen sei nicht einfach. Oft handle es sich dabei um Korrelationen, die keine Ursächlichkeit belegten, betonte der Ökonom und Individualpsychologe Martin Schürz. In Österreich sei jedenfalls eine "hartnäckige" Aufrechterhaltung tradierter Vermögensverhältnisse festzustellen. Der Großvater als Akademiker führe noch bei seinen Enkeln zu einer deutlich besseren Vermögenssituation. Jedenfalls: "Vermögenskonzentration zerstört die Demokratie."

Vermögende würden die Politik prägen. Der Diskurs der Mächtigen erfolge über die Köpfe der Machtlosen hinweg. Zynische Beschämung der Benachteiligten, auch die Diskussion über die Mindestsicherung, schädige zusätzlich. Es gehe vor allem um die Auswirkungen auf das Selbstverständnis und die Psyche der Menschen. "Umverteilung nach unten wäre entscheidend. Das wird's aber nicht geben", sagte Schürz.

Nationalbank-Vizedirektorin Barbara Kolm betonte die Bedeutung der Freiheit. Dazu gehöre auch "die Freiheit, Vermögen zu erwerben. (...) In einer liberalen Gesellschaftsordnung geht es darum, mehr zu schaffen." Das führe zu Selbstständigkeit und Eigenverantwortung. Vermögenssteuern würden alle schädigen, das wisse man. "Wir stehen vor einer Rezession", erklärte sie.

Franz Schellhorn (Agenda Austria) sagte: "Was wir haben ist eine hohe Einkommensgleichheit bei einer hohen Vermögensungleichheit. (...) Mehr Umverteilung wird das Problem nicht lösen."

Ganz anders Sabine Kampmüller vom Verein zur interkulturellen Gesundheitsförderung (AFYA) in Wien: "Ich arbeite an Neuen Mittelschulen in der Großstadt. Dort haben mehr als 80 Prozent der Schüler Migrationshintergrund. Der Rest sind Kinder aus sozial schwachen Schichten. Nur jeder dritte Schüler wird maturieren, die übrigen werden glücklich sein, wenn sie einen Pflichtschulabschluss schaffen. Wir haben die Mittel, es anders zu machen. Wir brauchen die Gesamtschule. Wir brauchen die Ganztagsschule und wir brauchen ein solidarisches Gesundheitswesen." Der hohe Anteil psychischer Störungen sei ein "ganz großer Brocken."

Quelle: APAMED