medianet ÖAZ Philips QUALITAS ÖKZ MedAustron

Datum: Donnerstag, 26. Oktober 2017

Artikel: CGM / Philipp Streinz

Bildinhalt: Drogenkonsument

Bildrechte: ClipDealer / Sammy07

Dieser Artikel wurde 504 mal gelesen.

Konsumenten inmitten der Gesellschaft

Wichtig im Umgang mit Drogenproblemen ist laut EMCDDA-Leitfaden jeweils die Probleme in Verbindung mit dem Konsum bestimmter Substanzen zu verstehen. Daraus seien dann jeweils passende Schlussfolgerungen zu ziehen.

Das Beispiel Cannabis: "Cannabis-Konsum erfolgt oft als Ausprobieren und dauert dann nur eine kurze Zeit während des Heranwachsens von Jugendlichen. Trotzdem entwickelt eine Minorität der Konsumenten länger und problematischere Gebrauchsmuster ...." Hinzu komme, dass in Europa Cannabis oft mit Tabak gemischt geraucht werde, was die Nikotinabhängigkeit als Begleitphänomen fördere. Cannabis ist die in Europa meistgebrauchte illegale Droge. Innerhalb eines Jahres konsumierten 17,1 Millionen Menschen im Alter zwischen 15 und 34 Jahren - also 13,9 Prozent dieser Altersgruppe - Cannabis.

Sehr heterogen ist die Situation in der medizinischen Versorgung von Opiatabhängigen: "Man schätzt, dass in Europa rund 50 Prozent der Opiatabhängigen eine Form von oraler Substitutionstherapie erhalten (zu 63 Prozent mit Methadon, zu 35 Prozent mit Buprenorphin; Anm.). Die Schätzungen in den einzelnen Ländern schwanken zwischen zehn und 80 Prozent." Mit über das Land hinweg einem Anteil von 50 bis 90 Prozent an Opiatabhängigen in einer solchen Therapie ist Frankreich in Europa offenbar führend. Österreich befindet sich einem Anteil von um die 50 Prozent offenbar im besseren Mittelfeld. Auf diesem Gebiet sollten Lücken geschlossen und die ungleiche Verteilung von Therapieangeboten beseitigt werden, stellte die Europäische Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) fest. Man schätzt, dass es in Österreich rund 30.000 Opiatabhängige mit riskantem Konsummuster gibt.

Besonders wichtig wäre die Reduzierung der Drogen-Sterblichkeit. "Die direkt oder indirekt mit dem Konsum von Opioiden in Verbindung zu bringende Mortalität ist ein hauptsächlicher Grund für vermeidbare Todesfälle bei Erwachsenen in Europa", schreibt die EMCDDA. Insgesamt sterben pro Jahr ein bis zwei Prozent der Opiatabhängigen mit hoch riskantem Konsum (speziell Injektion von Heroin etc.) durch eine Überdosis. Das sind etwa 7.000 Todesfälle. Hinzu kommen noch Unfälle, Infektionskrankheiten (z.B. Hepatitis C), Suizide und Todesfälle infolge krimineller Handlungen.

Gerade bei Maßnahmen zur Reduzierung von Opiat-Überdosierungen könnten neben der oralen Substitutionstherapie in Zukunft aber auch andere Maßnahmen eine Rolle spielen. "Rund die Hälfte der Opiatabhängigen sind in oralen Substitutionsprogrammen, wobei die Häufigkeit zwischen den einzelnen Ländern stark schwankt. 28 der EMCDDA-Mitgliedsstaaten betreiben Aktivitäten zur Risiko-Information bezüglich der Gefahr einer Überdosis. Im Jahr 2016 gab es in sechs EU-Staaten und in Norwegen 78 Konsumräume für Opiatabhängige. Zwölf weitere wurden in der Schweiz betrieben", schrieb die Drogenbeobachtungsstelle.

"Drogen-Konsumräume bringen mehr sicheren Konsum, reduzieren über Blut übertragbare Infektionen und ermutigen Menschen, die Suchtgift injizieren, Hilfsangebote anzunehmen", heißt es in dem Leitfaden. In Dänemark, Frankreich, Deutschland, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen und Spanien existieren Drogen-Konsumräume. Programme mit kontrolliert abgegebenen Heroin als Substitutionsmittel existieren in Dänemark, Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien. In Österreich wird das alles bisher nicht angeboten.

Schließlich kann auch die Mitgabe des rasch wirkenden Opiat-Antidots Naloxon für Opiatabhängige, deren Angehörige oder das Verteilen solcher Präparate in der Drogenszene Todesfälle verhindern helfen. Das ist derzeit laut der EMCDDA-Darstellung in den Niederlanden, Estland, Frankreich, Irland, Italien, Litauen, Norwegen, Spanien und in Großbritannien der Fall.

Drogenkonsumenten, die Suchtgift injizieren sind aber auch durch Infektionskrankheiten hoch gefährdet: HIV/Aids, Hepatitis C und Hepatitis B. "Von den 30 Staaten, die von der EMCDDA beobachtet werden, stellen alle außer der Türkei sauberes Injektionsbesteck gratis in spezialisierten Einrichtungen und Service-Angeboten zur Verfügung. Es gibt aber erhebliche Unterschiede im Grad der Versorgung, was auf Verbesserungsbedarf hinweist", heißt es in dem Leitfaden. In Österreich sind nur einzelne solcher Programme vorhanden, am dichtesten in Wien. Mehrfach wurde in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass trotz der Erhältlichkeit von Drogen in den Gefängnissen dort keine Spritzentauschprogramme - aber Angebote für eine Opiat-Substitutionstherapie - angeboten werden.

Eine besondere Bedeutung könnte auch mehr Anstrengung zur Elimination der Hepatitis C unter Opiatabhängigen bekommen. Ein erheblicher Anteil der Drogenkranken ist nämlich auch in Österreich zum Beispiel Hepatitis C-infiziert. Neue orale Therapien heilen die chronische Hepatitis C binnen weniger Wochen in mehr als 90 Prozent der Fälle. Entsprechende Therapieprogramme würden auch die Neuinfektionen verhindern. "Die Kosten dafür könnten sich durch die Reduktion weiterer notwendig werdender Therapien wegen Leberzirrhose und Leberkrebs amortisieren", heißt es in dem EMCDDA-Leitfaden.

Quelle: APAMED