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Datum: Sonntag, 1. Oktober 2017

Artikel: CGM / Philipp Streinz

Bildinhalt: Ärztin untersucht Mädchen mit gebrochenem Arm

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Knochenbrüche

Biomechaniker entwickelten Schraube aus Knochen

Für die Behandlung von komplizierten Knochenbrüchen sind seit Jahrzehnten Schrauben aus Titan oder Stahl im Einsatz. Nach der Heilung sind sie die Fixierungselemente jedoch überflüssig. Grazer Forscher haben für ein Linzer Start-up eine Alternative entwickelt: chirurgische Schrauben aus menschlichen Spenderknochen, teilte die TU Graz am Donnerstag mit.

Der Linzer Facharzt für Orthopädie, Klaus Pastl, hat bereits im Jahr 2013 eine Knochenschraube für die Behandlung von Brüchen entwickelt, die anders als herkömmliche Metallschrauben nicht mehr entfernt werden muss. Damit soll den Patienten eine weitere Operation erspart werden und das Infektionsrisiko sinken. Der menschliche Körper erkenne und akzeptiere die bekannte Knochenmatrix und baue sie so um, dass die Stellschraube ein Jahr nach der Operation im Röntgen nicht mehr sichtbar ist, heißt es vonseiten des Linzer Start-ups "surgebright", das sich auf die Entwicklung von Transplantaten aus humanen Spenderknochen, die körperfremde Materialien wie Metall oder Kunststoff ersetzen, spezialisiert hat.

Die chirurgische Schraube, die aus dem sehr kompakten und harten Mittelteil des menschlichen Oberschenkelknochens hergestellt wird, wird gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Zell- und Gewebeersatz (DIZG) in Berlin produziert und kommt laut dem Linzer Unternehmen bereits in 14 österreichischen Krankenhäusern zum Einsatz. Die Kooperation mit dem Institut für Biomechanik der TU Graz bleibt aufrecht: Gemeinsam entwickeln die beiden Partner in einem von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG geförderten Projekt "Bonescrew" neue Prototypen der Stellschraube für die Fuß- und Kieferchirurgie.

Je nach Anwendung müsse die Schraube völlig neu gedacht werden, erklärte der Grazer Biomechaniker Gerhard Sommer. Kiefer-Operationen benötigen beispielsweise maximal 20 Millimeter lange Schrauben, die aber großen Belastungen standhalten werden - immerhin handelt es sich bei dem Kiefermuskel um den stärksten Muskel des menschlichen Körpers. Entscheidend sei auch das Ausgangsmaterial. Die Grundlagen für die Vorselektion des Knochenmaterials werden mithilfe von elektronenmikroskopischen Untersuchungen ebenso an der Grazer TU am FELMI-Mikroskop am Institut für Elektronenmikroskopie und Nanoanalytik durchgeführt.

Quelle: APAMED