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Datum: Montag, 19. Februar 2018

Artikel: Schaffler Verlag, ÖKZ: 58. JG (2017) 12 / Christian F. Freisleben

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Je früher, desto Reha

Der Physiotherapeut Stefan Nessizius nahm sich neben seinem Hauptjob auf der internistischen Intensivstation im Landeskrankenhaus Innsbruck die Zeit, ein Buch zum Thema Frührehabilitation herauszugeben.

Ich bin seit 17 Jahren als Physiotherapeut im Intensivbereich tätig. In dieser Zeit wurde die Frührehabilitation zu einem wichtigen Thema für mich.

Stefan Nessizius
Buchautor

Bei allen Intensivpatienten – unabhängig von der Grunderkrankung – sei Frührehabilitation ein nicht zu vernachlässigender Bestandteil der Behandlung. Allererste Schritte werden dazu im Idealfall schon zu Beginn des Aufenthalts auf der Intensivstation gesetzt. „Es geht unter anderem darum, in Kombination mit einem umfassenden Schmerzmanagement so schnell wie möglich mobilisierende Maßnahmen umzusetzen“, so Nessizius. Dies wirke sich positiv auf die funktionellen Fähigkeiten aus und stärke die persönlichen Handlungsmöglichkeiten des Patienten, der dabei eine viel aktivere Rolle übernehmen kann.

Nessizius wurde vor mehreren Jahren von einem deutschen Verlag angefragt, ob er ein Fachbuch zum Thema schreiben wolle. Er bekam für dieses Projekt schnell grünes Licht vom Institut für physikalische Medizin und Rehabilitation am Landeskrankenhaus Innsbruck und arbeitete in den nächsten drei Jahren in seiner Freizeit an dem Manuskript: „Bei der Gestaltung des Inhalts hatte ich freie Hand.“

Gemeinsam mit den weiteren Herausgebern Cornelia Rottensteiner und Peter Nydahl suchte und fand Nessizius 27 Autoren aus verschiedensten Berufsgruppen, denn „Frührehabilitation kann nur als multiprofessioneller Ansatz im Team funktionieren, es braucht die Sichtweisen sowie Erfahrungen von Intensivpflege und -medizin ebenso wie Logopädie, Ergo- und Physiotherapie“, ist Nessizius überzeugt. Für die Recherchen zum Buch arbeitete Nessizius auch mit Patienten am Landeskrankenhaus bzw. an den Universitätskliniken Innsbruck.

 

Handlungsanleitung für die optimale Zusammenarbeit

In seinem Buch Frührehabilitation in der Intensivmedizin – Interprofessionelles Management versammelt Nessizius „alle Aspekte der Frührehabilitation im Überblick, ein Ansatz der bis dahin in der Fachliteratur noch nicht zu finden war“. Vorgestellt werden neben den relevanten Grundlagen der Intensivmedizin Handlungsanleitungen für alle involvierten Berufsgruppen bzw. für deren optimale Zusammenarbeit. Die Inhalte des Buchs fließen inzwischen immer öfter in interne Fortbildungen ein: „Wir haben beispielsweise eine ‚Arge Intensiv‘ für Therapeuten der tirolkliniken, die sich alle sechs bis acht Wochen trifft“, berichtet Nessizius. Weiters gestaltet er Unterrichte für Physiotherapeuten in Ausbildung und ist auf Kongressen als Vortragender tätig. Das Buch wurde bereits von mehreren Abteilungen angekauft. Zu spüren sei zudem, dass sich die Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen im Bereich Frührehabilitation durch die Arbeit und Inhalte des Buchs weiterentwickelt haben.

Zum Buch gibt es inzwischen auch mehrere positive Rezensionen und Nessizius trifft auch persönlich auf positiven Widerhall, wenn er es auf Kongressen vorstellt. Er bekommt auch Hinweise zu weiterführenden Inhalten und denkt bereits über eine adaptierte Neuauflage nach. Darin würden auch die positiven Erfahrungen aus der weiteren Praxis einfließen.

Wobei Nessizius darauf hinweist, dass die Arbeit an einem solchen Buch nicht zu unterschätzen sei: „Neben eigenen Beiträgen geht es eben um eine gute Koordination aller Autoren. Manchmal sind deren Inputs zu kurz oder zu lang oder es fehlen bestimmte Themen oder Belege.“ Die Autoren seien aber sehr offen für Änderungswünsche und Rückmeldungen gewesen. „Es ist letztlich wie in der Frührehabilitation selbst: Es braucht ein ganz intensives Miteinander, das von wertschätzendem und zugleich konstruktivem Feedback geprägt ist“, meint Nessizius. Die verschiedenen Berufsgruppen könnten auch in der Praxis noch sehr viel voneinander lernen und profitieren.