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Datum: Dienstag, 11. Oktober 2016

Artikel: CGM / Philipp Streinz

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Integrierte Versorgung Demenz OÖ

Mehr Lebensqualität bei Alzheimer

Demenz ist noch immer auf dem Vormarsch. Aufgrund der Alterung der Gesellschaft werden in den nächsten Jahren immer mehr Menschen von der häufigsten Form der Demenz – Alzheimer – betroffen sein. Aktuellen Schätzungen des Gesundheits­mini­steriums zufolge leben in Österreich an die 130.000 Menschen mit einer Form von Demenz. Diese Zahl wird sich bis 2050 verdoppeln. Oberösterreich testet jenes Versorgungsmodell, das Betroffenen und Angehörigen hilft.

Bereits seit 2013 beschreiten daher die OÖ Gebietskrankenkasse, das Land OÖ und die oberösterreichischen Gesundheits- und Sozialleistungsanbieter einen neuen Weg in der Betreuung von Menschen mit Demenz. 2014 wurde das Pilotprojekt mit dem INTEGRI – Österreichischer Preis für Integrierte Versorgung ausgezeichnet. Ziel der gemeinsamen „Integrierten Versorgung Demenz OÖ“ (IVDOÖ) ist es, die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen in Oberösterreich deutlich zu verbessern.

Das Risiko, an einer Demenz zu erkranken steigt mit dem Alter an – allerdings können auch jüngere Menschen betroffen sein. In Österreich wird von derzeit rund 130.000 Demenz-Erkrankten ausgegangen. Diese Zahl wird laut Schätzungen der Österreichischen Alzheimer Gesellschaft (ÖAG) bis zum Jahr 2050 auf etwa 230.000 ansteigen. In Oberösterreich leisten die Angehörigen den Hauptteil der Pflege zu Hause. An die 80 Prozent der Erkrankten werden von der Familie betreut. In den kommenden Jahren werden immer weniger Angehörige für die Betreuung zur Verfügung stehen. Gründe dafür sind zum Beispiel die sinkende Anzahl von Kindern, die steigende Erwerbsquote bei Frauen oder eine längere Lebensarbeitszeit, erklärt das Gesundheitsministerium.

Die OÖGKK und das Land Oberösterreich starteten daher bereits 2013 das Pilotprojekt ‚Integrierte Versorgung Demenz OÖ‘. Gemeinsam mit Gesundheits- und Sozialleistungsanbietern der Stadt Wels und der M.A.S Alzheimerhilfe wurden Angebote geschaffen, mit dem Ziel, die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern. Wir setzen bewusst auf nieder­schwellige Angebote. Gleich beim Erkennen erster Anzeichen soll der Weg zu einer kompetenten Beratung und strukturierten Betreuung sowohl den Betroffenen als auch ihren Angehörigen leicht gemacht werden.

Albert Maringer
Obmann OÖGKK

Mit dem Pilotprojekt „Integrierte Versorgung Demenz OÖ“ nehmen die OÖGKK und ihre Partner eine Vorreiterrolle in Österreich sowohl in Versorgung als auch in Prävention ein. Dieser Status wurde dem Pilotprojekt bereits 2014 mit dem INTEGRI in der Kategorie „Gesundheitspolitische Vorreiterrolle“ bescheinigt.

Landesweite Ausrollung des Konzepts der Demenzberatungsstellen

Ziel des Pilotprojekts ist es, die Wirksamkeit der Maßnahmen zu testen und eine künftige flächendeckende und einheitliche strukturierte Bereitstellung von Demenzberatungsstellen und deren Angeboten vorzubereiten. Für die Betroffenen bringt das Modell einen Gewinn an Lebensqualität, Verzögerung des Krankheitsverlaufes durch ein gezieltes an den Krankheitsverlauf angepasstes Training sowie eine Reduktion an Verhaltensstörungen. Bemerkt man nun bei sich oder einem Angehörigen mögliche Anzeichen einer Verschlechterung der Merkleistung ist es angeraten, eine Demenzberatungsstelle in der Umgebung aufzusuchen. Dort beantworten Experten in einem verständnisvollen Umfeld Fragen zur aktuellen Situation. Sie bieten zudem diagnostische Abklärung durch Fachärzte (Neurologie, Psychiatrie) und (neuro-) psychologische Testung durch Psychologen an. Betroffene werden durch ausgebildetes Personal beraten und pflegende Angehörige im Umgang mit ihren Angehörigen geschult. Und schließlich werden auch die betreuenden Hausärzte durch die Angebote in den Demenzberatungsstellen entlastet.

Evaluierungsergebnisse

Aus den bisher durchgeführten Befragungen zur Wirksamkeit der Maßnahmen des IVDOÖ konnte festgestellt werden, dass

  • Angehörige und Leiter von Pflegestammtischen die Angebote positiv bewerten und sie weiterempfehlen,
  • Heim- und Pflegedienstleitung in den Alten- und Pflegeheimen eine Verbesserung der Versorgung von Bewohnern mit Demenz durch die IVD-Fachärztin und Psychologin sehen,
  • Hausärzte in Bezirksärztetreffen von einer Entlastung durch die Beratungsstelle berichten.

Die Daten aus der Datenbank der MAS-Demenzberatung ließen folgende Erkenntnisse ableiten:

  • Das praktizierte Ressourcentraining ermöglicht einen längeren Verbleib in den leichteren Stadien der Erkrankung und verkürzt die Dauer der schweren Erkrankung.
  • Die Angebote bewirken eine Reduktion von Verhaltensauffälligkeiten, was sich positiv auf die Lebensqualität von Betroffenen und Angehörigen auswirkt.

Angebote des Projekts „Integrierte Versorgung Demenz“

In den Demenzberatungsstellen beantworten Experten Fragen zur Erkrankung und bieten diagnostische Abklärung des Status an. Ausgebildetes Personal berät Betroffene und pflegende Angehörige werden im Umgang mit ihren Angehörigen geschult. Auch die Angebote in Tageszentren und in Alten- und Pflegeheimen wurden durch das Projekt „Integrierte Versorgung Demenz OÖ“ ausgebaut.

Anlaufstellen in den Pilotregionen

In der Pilotregion Kirchdorf befindet sich eine Demenzberatungsstelle der M.A.S.-Alzheimerhilfe in Micheldorf, Hauptstraße 45. In der Stadt Wels ist eine Beratungsstelle in der Flurgasse 40 eingerichtet worden, die in Zusammenarbeit zwischen der Stadt Wels und dem Evangelischen Diakoniewerk Gallneukirchen betrieben wird.

Mit diesem Projekt nehmen das Land Oberösterreich und die OÖGKK ihre gesellschaftliche Verpflichtung wahr. Das Projekt ‚Integrierte Versorgung Demenz‘ ist österreichweit einzigartig und trägt maßgeblich dazu bei, dass das Leben auch mit der Diagnose ‚Demenz‘ noch lebenswert ist.

Mag. Dr. Andrea Wesenauer
Direktorin OÖGKK


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