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Datum: Dienstag, 19. Februar 2019

Artikel: Schaffler Verlag, ÖKZ: 59. JG (2018) 12 / Christian F. Freisleben

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Innovative App

Der Wiener Krankenanstaltenverbund entwickelt eine Smartphone-Anwendung für COPD-Patienten.

Günter Siebenhaar arbeitet in der IT-Abteilung des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV) und ist dort für das Innovationsmanagement zuständig. „Eine meiner Aufgaben ist, Kooperationen anzubahnen, um für die Betreuung einer speziellen Patientengruppe eine Verbesserung durch technologische Entwicklungen zu ermöglichen.“ Die Wiener Wirtschaftsagentur veranstaltet mehrmals im Jahr Treffen, bei denen Start-ups ihre Projekte präsentieren sowie nach Partnern etwa im Gesundheitswesen Ausschau halten, um gemeinsam für Förderungen anzusuchen. Siebenhaar wurde dort auf eine Softwarefirma aufmerksam, die sich mit der Entwicklung von Medizinprodukten für Menschen mit chronisch-obstruktiven Lungenkrankheiten (COPD) beschäftigt.

Kosten für stationäre Behandlung sparen

COPD verläuft in Schüben. Tritt ein solcher auf, zieht das einen etwa acht Tage langen Spitalsaufenthalt nach sich, zudem kann Lungengewebe irreparabel geschädigt werden, die Lungenfunktion weiter reduziert. „Ziel des Projektes ist, Vorzeichen eines solchen Schubes rechtzeitig wahrzunehmen und schnell eine ambulante Betreuung einzuleiten“, so Siebenhaar. Mit der geplanten App werden Vitalwerte wie Puls- und Atemfrequenz erfasst und auf eine gesicherte Weise kontinuierlich an das Krankenhaus übermittelt. Unterstützt wird die Erhebung der Daten durch verschiedene Sensoren, wie beispielsweise einen Brustgurt oder Schlafsensor. Im Vordergrund des Projekts steht laut Siebenhaar die Erhöhung der Health Literacy und der Lebensqualität des Patienten, die Vermeidung einer langwierigen stationären Behandlung und zudem, die Lungenfunktion so lange wie möglich sicherzustellen. Ein gesundheitspolitisch positiver Nebeneffekt sei auch, Kosten für die stationäre Behandlung einzusparen.

Ist die App einmal fertig programmiert, soll sie auf einer Lungenstation getestet werden. Wichtig wird dabei die Entwicklung der Art und Weise sein, wie Patienten für die Handhabung geschult werden und wie Pflegekräfte und Mediziner ausgebildet sein müssen, um die Daten zu kontrollieren.

„Schon in die Vorentwicklung des Projekts sind von der Softwarefirma drei Jahre investiert worden. Bei der Weiterentwicklung sind alle – berechtigt umfassenden und strengen – Bestimmungen des Medizinproduktegesetzes zu beachten sowie die Bestimmungen der Datenschutzgrundverordnung“, erklärt Siebenhaar. So müsse etwa geregelt sein, wer zu welchem Zeitpunkt und in welchem Umfang auf welche Daten zugreifen kann und wie diese gesichert übertragbar sind. Weiters ging es um ethische Fragen, denn es dürfen bei Patienten keine falschen Hoffnungen geweckt werden.

Patienten einbeziehen

Gleichzeitig müssen im Sinne einer möglichst einfachen Handhabung, die auch die nötigen Daten bringt, Menschen mit COPD in die Erprobung und Weiterentwicklung einbezogen werden. Siebenhaar rechnet mit etwa weiteren zwei Jahren, um das Produkt so weiterzuentwickeln, dass es auch auf anderen Stationen zum Einsatz kommen kann. „Meine Rolle als Innovationsmanager ist, den Prozess zu begleiten, damit aus einer solchen Idee eine nutzbare Innovation, eine konkrete Anwendung entsteht“, fasst Siebenhaar zusammen. Es muss sichergestellt werden, dass das Produkt tatsächlich funktioniert, Patienten und Mitarbeiter profitieren. „Klar ist, dass ein Krankenhaus nicht die nötigen Ressourcen und den nötigen langen Atem hat, um ein solches Medizinprodukt alleine zu entwickeln – es kann aber die umfassende Betreuung gerade von Patienten mit chronischen Krankheiten verbessern.“ Wenn sich die Vorgangsweise bei diesem Projekt bewährt, kann sich Siebenhaar vorstellen, dass gemeinsam mit dem Clinical Research Center des KAV auch andere Entwicklungsprojekte angegangen werden. „So gibt es etwa Ideen für Applikationen für die verbesserte Betreuung von Patienten mit Herzinsuffizienz“, nennt er ein Beispiel.

Die COPD-App …

… wurde initiiert von: Innovationsmanager Siebenhaar in Abstimmung mit der Generaldirektion des KAV.

… kostet: Personalressourcen für die Erprobung der App.

… bring COPD-Patienten: Verbesserung der Lebensqualität, rechtzeitige Erkennung und Prävention eines weiteren Schubes.

… bringt Mitarbeitern: Bessere Betreuung von COPD-Patienten über den Spitalsaufenthalt hinaus.

… wird evaluiert: Ein Lungenfacharzt begleitet das Projekt laufend und wertet die Daten aus.

 

 


Bildinhalt: ÖKZ
  Ausgabe: 12/2018/59.JG
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