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Datum: Samstag, 25. August 2018

Artikel: CGM / Walter Zifferer

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In kleinen Schritten zur komplexen Präzisionsmedizin

Die möglichst gezielte Abstimmung von Diagnose und Therapie auf bestimmte Patientengruppen oder gar einzelne Patienten ist eine der großen Zukunftsvisionen in der Medizin. Bis die "Präzisionsmedizin" allerdings ausreichend präzise ist, seien noch viele kleine Schritte zu gehen, waren sich Experten Donnerstagnachmittag bei den Alpbacher Technologiegesprächen einig.

Die Suche nach dem möglichst optimalen medizinischen Zugang zu einzelnen Krankheiten sowie deren oft zahlreichen Untergruppen, und die Suche nach Antworten auf die Frage, wie unterschiedlich sich diese wiederum im Körper eines Patienten manifestieren, fesselt seit einiger Zeit Heerscharen an Wissenschaftern weltweit.

Alleine diese Tatsache und die rasanten Weiterentwicklungen in diagnostischer Bildgebung, in der Analyse des Erbguts und der Bausteine der Zellen, der Proteine, lasse auf Fortschritte hoffen, so Giulio Superti-Furga, Leiter des Forschungszentrums für Molekulare Medizin (CeMM) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien.

In etwa zehn Jahren werde man auch dank neuer Zugänge zur Datenanalyse in der Medizin daher deutlich detailliertere Einsichten in viele Erkrankungen haben. Wie schwierig es jedoch ist, mehr oder weniger definitive Schlüsse aus all diesen Informationen zu ziehen, werde vor allem dann klar, wenn man sich vor Augen halte, dass jedes Gen sozusagen "eine andere Note" spielt, wie es Superti-Furga ausdrückte.

Diese ergeben aber nicht in allen Menschen den gleichen Klang. Und es gebe manche Leute, die Risikogene für eine Erkrankung haben, gleichzeitig aber auch über eine Erbgut-Mutation verfügen, die diesen Fehler wieder ausgleicht. Superti-Furga: "Es ist wunderbar kompliziert."

Momentan würden ständig Hinweise auf neue Anzeiger für Krankheiten oder genetische Signaturen, die den Erfolg einer Therapie bei bestimmten Personen vorhersagen, auftauchen. Die Interpretation sei aber schwierig, so der Proteinspezialist Peter Nilsson vom Royal Institute of Technology in Stockholm.

Das Problem sei, dass es eben große Überlappungen in den Erscheinungsformen verschiedener Erkrankungen gebe und Patientengruppen einander auch sehr ähnlich sind. Wenn aber "viele kleine Schritte" gesetzt werden, könnte es schon bald vielleicht relativ simple Bluttests geben, die verlässlicher zeigen, welche Spezialisten ein Auge auf einen Patienten werfen sollten.

Den Bereich der Onkologie sieht der Leiter der Uniklinik für Radiologie und Nuklearmedizin der Medizinischen Universität Wien, Christian Herold, in Sachen Präzisionsmedizin aktuell am weitesten fortgeschritten. Wer allerdings in den Genuss möglichst spezifischer Behandlungen kommt, hänge stark davon ab, in welchem Gesundheitssystem man sich befinde.

Fast noch entscheidender sei aber der Zugang zu spezialisierten Einrichtungen, der auch in hoch entwickelten Ländern erstaunlich unterschiedlich sein könne, betonte Herold. Neben dem Zugang zur und vor allem der Finanzierung von Ansätzen der Präzisionsmedizin, stellt sich für Michaela Fritz, Vizerektorin der Medizinuni Wien, auch die Vertrauensfrage.

Denn Unis und Forschungseinrichtungen müssen immer mehr Daten sammeln. Dementsprechend wichtig sei es, dass Patienten nicht das Vertrauen genommen wird, dass mit ihren Daten auch gute und verantwortungsvolle Wissenschaft betrieben wird, sagte Fritz. Für die Präsidentin des US-Unternehmens Medley Genomics, Patrice Milos, ist Europa hier aufgrund seiner durch weitreichendes Vertrauen gekennzeichneten, stabilen Gesundheitssysteme in einer guten Position.

Quelle: APAMED