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Datum: Mittwoch, 25. April 2018

Artikel: CGM / Walter Zifferer

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Impfungen: Abschätzung von Immunität ist komplex!

Viele Ärzte sind zutiefst davon überzeugt, dass eine "einfache" Bestimmung der Konzentration von im Blut vorhandenen schützenden Antikörpern in jedem Fall aussagekräftig bezüglich eines anhaltenden Effektes von Impfungen sei. Das ist aber offenbar sehr komplex und vom Einzelfall abhängig, hieß es kürzlich im Rahmen eines Expertenseminars in Wien.

Die Frage ist zunächst, ob es für jede Impfung wirklich verlässliche Laborparameter gibt, welche eine Information darüber geben, ob jemand nach einer vor kurzem oder vor längerem erfolgten Impfung schon oder noch immer Immunität aufweist. Am Beginn des Impfwesens konnte das jedenfalls nicht getestet werden, sagte Wolfgang Jilg vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universität Regensburg.

"Edward Jenner hat am 15. Mai 1776 als erster die Wirksamkeit der Pockenschutzimpfung demonstriert." Jenner "vakzinierte" in England einen Buben mit Kuhpocken und infizierte diesen schließlich nach sechs Wochen mit "echten" Pocken. Der Bub war davor geschützt. Das Experiment war geglückt.

Ein derartiges Vorgehen wäre heute undenkbar. Der größte Teil der Wirksamkeitshinweise für Impfungen stammt seither aus epidemiologischen Untersuchungen. So nahm in Nieder-Österreich der Donaumonarchie die Mortalität durch Pocken im Vergleich der Jahre 1777 bis 1806 (vor Einführung der Pockenimpfung) und der Jahre 1807 bis 1850 (nach Einführung der Pockenimpfung) um 92% ab - ein Beleg für die hohe Schutzrate.

Dass die Tetanus-Impfung wirkt, zeigte sich bei der Analyse der Erkrankungsfälle bei Soldaten im Ersten und Zweiten Weltkrieg, wie Jilg betonte. "Wirksamkeitsstudien auf epidemiologischer Basis oder auch Placebo-kontrollierte Studien können aber die Frage der Schutzdauer und des Individualschutzes (nach einer Impfung) nicht beantworten", sagte der Experte bei dem Seminar der Österreichischen Gesellschaft für Vakzinologie und der MedUni Wien. Für den Effekt einer Immunisierung sind sowohl durch die Vakzine provozierte schützende Antikörper als auch das durch die Impfung entstehende "immunologische Gedächtnis" verantwortlich. Letzteres sorgt für das erneute Ankurbeln der Abwehr oft auch noch Jahrzehnte später. Das alles ist aber bei jeder durch eine Impfung prinzipiell verhütbare Erkrankung unterschiedlich. Jilg nannte die Hepatitis A als Beispiel: Die Impfung hat eine sehr hohe und lang anhaltende Effektivität, weil die Konzentration der schützenden Antikörper mit der Zeit sehr langsam abfällt. Nach 30 Jahren seien noch 90 Prozent der Geimpften geschützt. Bei der Hepatitis B hingegen zeigen die Untersuchungen schon früher mangelnde IgG-Antikörper. Bei einer neuerlichen Infektion reagiert aber offenbar das Immunsystem aufgrund seines Gedächtnisses so schnell, dass auch eine schon vor langer Zeit erfolgte Immunisierung doch wirkt: Die rapide anlaufende körpereigene Produktion von Antikörpern verhindert nicht die Infektion, aber den Ausbruch der Erkrankung. Ein anderes Beispiel ist die Impfung gegen Mumps. Umgesetzt wird sie als MMR-Impfung (Masern-Mumps-Röteln). Laut Annette Mankertz vom deutschen Referenzzentrum für diese Erkrankungen in Berlin (Robert-Koch-Institut) haben Untersuchungen nach Ausbrüchen gezeigt, dass Erkrankungen häufig bei Personen auftreten, die an sich schützende Antikörper im Blut aufweisen. Gleichzeitig sind zumeist junge Erwachsene davon betroffen. Hier wird man sich längerfristig neue Strategien überlegen müssen.

 

Es bleibt aber dabei: Die Impfung ist nach wie vor der beste Schutz gegen Mumps und schützt auch viele", sagte die Expertin. Vor den wissenschaftlichen Vorträgen gab es bei dem Seminar eine Podiumsdiskussion zum Thema "Verpflichtende Impfungen bei Gesundheitspersonal und Patientensicherheit.

Michael Binder
Verantwortlich für Health Care Management in der Direktion des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV)

 

Binder verwies darauf, dass man beim KAV bereits das Abfragen des Impfstatus vor einer Anstellung von Personal für Patienten-nahe Tätigkeiten etabliert habe. So könne man den Schutz für die Patienten erhöhen.

Quelle: APAMED