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Datum: Sonntag, 15. April 2018

Artikel: CGM / Philipp Streinz

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Herzinsuffizienz

"Fleckerlteppich" in Patientenversorgung

Ein bis zwei Prozent der Österreicher leiden an chronischer Herzschwäche. Die Mortalität der schweren Pumpschwäche des Organs wird nur noch durch Erkrankungen wie Lungenkrebs übertroffen. In Österreich herrscht aber in der Patientenversorgung ein "Fleckerlteppich" mit Defiziten, hieß es Dienstagnachmittag bei einem Hintergrundgespräch in Wien.

"Wir wissen, dass es in Österreich zumindest zwischen 70.000 und 100.000 Patienten sind", sagte Martin Hülsmann, Leiter der Herzinsuffizienz-Ambulanz im Wiener AKH (MedUni Wien). Rechne man Betroffene mit mittelgradiger chronischer Herzschwäche dazu, seien es wohl 300.000 Betroffene. "Wir haben in Österreich pro Jahr rund 24.000 Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz. Sie machen 70 Prozent der Kosten durch die Krankheit aus." Viele der Spitalsaufnahmen könnten durch ein besseres Versorgungsnetz verhindert werden.

Die chronische Herzschwäche ist ein Syndrom, welches auf der Basis einer koronaren Herzkrankheit, Bluthochdruck, als Folge von Chemo- oder Strahlentherapien, infolge von primären Herzmuskelerkrankungen etc. auftreten kann. Eine Auswurffraktion der linken Herzkammer von weniger als 40 oder 35 Prozent mit Symptomen wie Leistungsabfall, Atemnot bei Belastung oder gar im Ruhezustand, Beinödemen etc. und dem Nachweis geschädigter Tätigkeit des Herzens per Ultraschalluntersuchung ist die klassische Definition. Doch es gibt auch eine Herzinsuffizienz bei relativ erhaltener Pumpleistung.

An sich sollte die Erkrankung immer möglichst frühzeitig diagnostiziert und dann auch entsprechend behandelt werden. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt nämlich bei 50 Prozent. Wenn ein Patient nach einem Spitalsaufenthalt wegen einer akuten Verschlechterung entlassen wird, beträgt die Re-Hospitalisierungsrate binnen 30 Tagen 20 Prozent, innerhalb von drei Monaten 40 Prozent und innerhalb von sechs Monaten 50 bis 60 Prozent, stellte dazu die Österreichische Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG) fest. Eine akute Spitalsaufnahme wegen Herzinsuffizienz bedeutet eine Sterberate von 25 bis 30 Prozent innerhalb eines Jahres, sagte der St. Pöltener Kardiologe Deddo Mörtl.

Die Situation sieht aber in Österreich laut den Experten wie ein "Fleckerlteppich" aus, der erhebliche Mängel aufweist: Nur um die 25 Prozent der mit Herzinsuffizienz diagnostizierten Patienten erhält eine adäquate Therapie, betonte Hülsmann. Nur die Hälfte der Behandelten nimmt die notwendige Medikation (vor allem ACE-Hemmer, Betablocker, Aldosteron-Antagonisten und eventuell auch ein neues Kombinationspräparate eines Angiotensinrezeptor-Neprilysin-Inhibitors) auch so ein, dass sie ausreichend wirken kann. "Das sind dann 12,5 Prozent und natürlich eine Katastrophe."

Zunächst mangelt es aber offenbar bereits bei den notwendigen Voraussetzungen für eine frühzeitige Diagnose: Die Krankenkassen, so betonten die Experten, zahlen die Untersuchungen auf den entscheidenden Laborparameter (natriuretischen Peptid) nur teilweise. Selbst die Kardiologen sind mit der Leistung der Herz-Ultraschalluntersuchung "gedeckelt", bekommen die Untersuchung also nur bis zu einem bestimmten Prozentsatz der Patienten bezahlt. Und schließlich fehlt es laut Mörtl auch an der notwendigen Vernetzung in der Betreuung der Patienten als chronisch Kranke durch den Hausarzt, einen Besuchsdienst vorzugsweise durch speziell ausgebildetes Pflegepersonal (oder auch telemedizinisches Monitoring), niedergelassene Kardiologen und schließlich durch die spezialisierten Spitalsambulanzen. Das wird in Österreich seit vielen Jahren kritisiert.

Quelle: APAMED