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Datum: Mittwoch, 21. August 2019

Artikel: CGM / Philipp Streinz

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Gesundheitswesen nach Bundesländern

Alpbacher Gesundheitsgespräche

In Österreich gibt es je nach Bundesland erhebliche Unterschiede, was den Gesundheitszustand der Menschen, die Struktur und die Ausgaben für das Gesundheitswesen betrifft. Der "Maschinenraum" des Gesundheitswesens sind weiterhin die Spitäler, erklärte Gesundheitsökonomin Maria Hofmarcher am Dienstag bei den Alpbacher Gesundheitsgesprächen.

Die Expertin arbeitet mit Unterstützung von Philips Austria die "Leistungskraft regionaler Gesundheitssysteme" auf Basis der neun Bundesländer auf. Im Mittelpunkt des am Dienstag präsentierten Teilberichts stehen die Krankenhäuser.

Die Pro-Kopf-Ausgaben für Gesundheit und Jahr liegen in Österreich (2017) bei 4.291 Euro (3.236 Euro öffentlich, 1.055 privat). In Wien sind es beispielsweise 4.565 Euro pro Person und Jahr (3.425 Euro öffentliche Ausgaben, 1.140 Euro privat) als Spitzenreiter. Am anderen Ende der Skala liegt Oberösterreich mit 4.011 Euro (3.086 Euro öffentlich, 925 Euro privat).

Obwohl sich die Zahlen in einem relativ engen Schwankungsbereich befinden, existieren gravierende Unterschiede im Gesundheitszustand der Menschen. Maria Hofmarcher: "Die gesunde Lebenserwartung einer Frau in Tirol ist um zehn Jahre höher als die Lebenserwartung in Gesundheit einer Frau im Burgenland. Das ist schon erstaunlich. Oberösterreich ist kostengünstig, aber der Gesundheitszustand der Menschen ist eher schlechter.

Interessant ist, dass so unterschiedliche Bundesländer wie Wien und Vorarlberg (4.540 Euro Gesundheitsausgaben pro Kopf und Jahr; 3.332 Euro aus öffentlichen Mitteln, 1.208 Euro private Zahlungen) ähnlich hohe Aufwendungen für Gesundheit aufweisen. Auch der Anteil der Aufwendungen für die Krankenhäuser an den öffentlichen Geldern für die Krankenhäuser (inklusive Langzeitpflege) ist mit 49 Prozent in Wien und 48 Prozent in Vorarlberg ähnlich hoch (Österreich: 46 Prozent).

"Das Wohlstandsniveau von Wien und Vorarlberg ist ähnlich", sagte Hofmarcher. Wenige Einwohner und vergleichsweise höhere Einkünfte der Menschen in Vorarlberg und viele Menschen mit durchschnittlichen Einkünften in Wien würden dies bedingen. Und schließlich gebe es auch den Großstadtfaktor Wien. "Wir müssen einfach sagen, dass Wien mit seiner Versorgungsstruktur ganz besondere Aufgaben hat. Wir dürften nicht sagen, Wien sei so 'ineffizient'."

Die Qualität der stationären Versorgung weist offenbar innerhalb Österreichs Unterschiede auf: Die Mortalität durch Schlaganfälle betrug 2017 in der Steiermark beispielsweise 156 Todesfälle pro 100.000 Einwohnern bei den über 50-Jährigen - das war der Spitzenwert in Österreich. In Tirol waren es 99 Todesfälle pro 100.000 Einwohnern laut den Berechnungen der Expertin (Österreich-Durchschnitt: 138). Das Positivum, wie Maria Hofmarcher erklärte: "Die Schlaganfallmortalität hat in Österreich seit 2001 um 27 Prozent abgenommen. Es gab bei den Herzinfarkten eine noch deutlichere Abnahme der Sterblichkeit um 60 Prozent."

Zentrum des österreichischen Gesundheitswesens sind weiterhin die Krankenhäuser. "Das ist der Maschinenraum", sagte Maria Hofmarcher. Hier sei es zu einer starken Effizienzsteigerung, nicht zuletzt bedingt durch Arbeitsverdichtung, weniger Personal und mehr tagesklinischen Leistungen gekommen. "Diese Entwicklung ist erfreulich. Aber muss das Spital wirklich der 'best point of care' sein?"

Immer noch könnte man offenbar viele in den Krankenhäusern erbrachte Leistungen auslagern und ambulant zu günstigeren Konditionen erbringen. "Wir kommen auf etwa 111 Millionen Euro, die notwendig wären, um vermeidbare Aufenthalte in den Krankenhäusern im ambulanten Bereich abzudecken. Das wären 0,5 Prozent der Ausgaben für den stationären Bereich."

Große Schwierigkeiten hatte die Gesundheitsökonomin offenbar mit der Recherche der notwendigen (anonymisierten; Anm.) Daten. Im Gesundheitsministerium betrachte man vorhandene Informationen zur Qualität der Versorgung in den Krankenhäusern und den Diagnosen offenbar "als persönliches Privateigentum". "Das sind Daten, die der Forschung zur Verfügung gestellt werden müssten. Aber sie sind skandalös schwer zugänglich." Hier sollte eine künftige Bundesregierung in Sachen Informationsfreiheit und Auskunftspflichtgesetz eingreifen, erklärte die Expertin.

Quelle: APAMED