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Datum: Donnerstag, 4. Juli 2019

Artikel: CGM / Walter Zifferer

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Gesucht: Lösungen für Arzneimittel-Lieferengpässe

Die Arzneimittel-Verfügbarkeit ist im allerhöchsten Interesse der Industrie. Gründe für Lieferengpässe sind multifaktoriell, die Beteiligten arbeiten mit Hochdruck an Lösungen. Trotz aller Bemühungen kann es beispielsweise aufgrund von Rohstoffknappheit, Qualitätsprobleme bei der Herstellung oder im Vertrieb, bei einem unerwarteten Mehrbedarf oder auch durch Warenabflüsse ins Ausland in einzelnen Fällen zu Engpässen in der Versorgung mit bestimmten Arzneimitteln kommen. Die neu aufgeflammte Diskussion um Lieferschwierigkeiten und Engpässe bei Arzneimitteln führt zu - je nach Sichtweise - unterschiedlichen Reaktionen.

Die Apothekerkammer sieht die Politik gefordert. Globale Liberalisierung und Kostendruck seien schuld an der Entwicklung.

Die Pharmig hatte hingegen bereits zuvor auf 99-prozentige Lieferfähigkeit hingewiesen:

Die pharmazeutische Industrie hat ganz klar ein ursächliches Interesse daran, dass ihre Produkte auch am Markt verfügbar sind. Wir haben in Österreich einen Arzneimittelschatz von über 13.000 Produkten, von denen über 99 Prozent lieferbar sind. Freilich wollen wir eine vollständige Lieferfähigkeit. Wir haben hier aber kein Österreich-spezifisches Problem, sondern ein weltweites, das noch dazu viele Ursachen hat. Daher arbeiten wir gemeinsam mit allen Beteiligten der Lieferkette intensiv und mit Hochdruck an Lösungen, um die Versorgung für die Patientinnen und Patienten möglichst reibungslos zu gestalten.

Alexander Herzog
Generalsekretär der Pharmig

Für betroffene Patientinnen und Patienten empfiehlt Herzog, Rücksprache mit dem Arzt oder der Ärztin zu halten:

Wenn im Einzelfall tatsächlich ein Medikament nicht verfügbar ist, dann lässt sich in der Regel gemeinsam mit dem Arzt oder der Ärztin ein alternatives Präparat finden.

Die Angelegenheit ist tatsächlich komplex. Einerseits versucht die Pharmaindustrie bei hochpreisigen Arzneimitteln, die Parallelimportproblematik - bei welcher Händler die Preisunterschiede zwischen Österreich (Anm.: laut Industrie eher ein Billigpreisland) und anderen Ländern - ausnutzen und die Medikamente weiterverkaufen, durch Kontingentierung zu unterbinden.

Hinzu kommen potenziell Lieferschwierigkeiten, wenn Produktionen aus technischen oder anderen Gründen ausfallen. Bei der Konzentration der Produktion vieler Wirkstoffe bei wenigen Herstellern kann das schnell zu Schwierigkeiten führen.

Eine zusätzliche Problematik gibt es durch das Faktum, dass die meisten synthetischen Wirkstoffe mittlerweile vor allem in China oder Indien in Lohnherstellung produziert werden. Das ist billiger. Diese Schwierigkeit schnitt der Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer, Christian Wurstbauer, an:

Viele Mengenarzneimittel kosten heute weniger als eine Packung Kaugummi an der Tankstelle. Die berechtigte Forderung nach höchster Qualität, umgehender Verfügbarkeit und bester Beratung bei gleichzeitigem maximalen Kostendruck durch die Sozialversicherung bringen die Hersteller, den pharmazeutischen Großhandel und die Apotheken an die Grenzen des Machbaren. Wohin das führt, erleben wir im Moment. Die qualitativ hochwertigen Leistungen der Arzneimittelvertriebskette müssen fair honoriert werden. Billigstpreis-Politik und Liberalisierung um jeden Preis wirken destabilisierend auf unser System. Das muss in einem Land wie Österreich nicht sein.

Schon heute gibt es kaum mehr Medikamentenproduktion in Europa mehr. Eine europäische Forschungsinitiative müsse verhindern, dass Forschung und Entwicklung im Pharmabereich aus Europa abwandern. Auch die Lagerbestände würden zunehmend reduziert, betonte die Apothekerkammer. Man müsse ein Frühwarnsystem etablieren, um jeweils rechtzeitig Maßnahmen treffen zu können, um Lieferengpässe abzufedern.

Engpässe bei der Versorgung mit Arzneimitteln sind nicht akzeptabel. Arzneimittelengpässe sind eine fatale Folge der scheinbar grenzenlosen globalen Liberalisierung. Die Politik muss der ungeregelten Marktliberalisierung im Gesundheitsbereich aktiv entgegentreten, auf nationaler Ebene ebenso wie EU-weit.

Ulrike Mursch-Edlmayr
Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer

Es gebe weltweit immer mehr Firmenfusionen von Arzneimittelherstellern, diese führten zu Monopolen, die den Rohstoff- und Arzneimittelmarkt zunehmend beherrschten. Eine Marktliberalisierung wie bei Konsumgütern könne bei potenziell lebenswichtigen Produkten wie Medikamenten ein hohes Risiko darstellen, meint man bei der Apothekerkammer. Hier sei eine klare Trennlinie zu ziehen.

Quelle: APAMED