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Datum: Freitag, 12. Oktober 2018

Artikel: Schaffler Verlag, ÖKZ: 59. JG (2018) 10 / Elisabeth Tschachler

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Evidenz

Seit Anfang des Jahres sind für italienische Kinder bei Schuleintritt zehn Impfungen Pflicht. Im Vorjahr hatte die damalige Regierung unter Premier Gentiloni mit dieser Maßnahme auf den beunruhigenden Anstieg von Masernfällen in Italien reagiert. Italien liegt bei Masernfällen nach Griechenland auf dem zweiten Platz der EU.

Auch in Österreich wird eine Ausweitung des Maserngeschehens beobachtet. Vor allem Ein- bis Vier- und 20- bis 29-Jährige sind infiziert. Es ist schick geworden, Kinder nicht impfen zu lassen, um „ihr Immunsystem anzukurbeln“ und ihnen „einen natürlichen Start ins Leben zu geben“. Auf den Plattformen der sozialen Medien tummeln sich Verschwörungstheoretiker, die mit allerlei Gerüchten gegen die Immunisierung aus der Spritze zu Felde ziehen. Filme wie Wir impfen nicht oder Eingeimpft tun ein Übriges. Über die Gesundheitsschäden, die eine Maserninfektion anrichten kann, wird dort nicht berichtet.  

Freilich darf darüber nicht vergessen werden, dass die Informationen über Wirksamkeit und Verträglichkeit vonseiten der Serenhersteller zuweilen auch nicht verlässlich sind. Eine aktuelle Meldung aus dem British Medical Journal „lässt befürchten, dass diese Leute [gemeint sind die Impfgegner, Anm.] weiterhin Aufwind bekommen“, schreibt Michael Kochen, Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, in einem Rundbrief. Denn in dem Beitrag im BMJ geht es um unerwünschte Wirkungen eines Schweinegrippe-Impfstoffs, die dem Hersteller laut neueren Erkenntnissen schon sehr lange bekannt gewesen sein sollen, aber der Öffentlichkeit verschwiegen wurden. Rund 30 Millionen Menschen wurden 2009 damit geimpft, die Zahl der Geschädigten ist weit höher, als bisher angenommen.

Auch öffentliche Stellen sind mitunter zurückhaltend mit Informationen, selbst wenn es evidenzbasierte gibt. Im österreichischen Impfplan wird die Grippeimpfung Personen ab dem vollendeten 50. Lebensjahr „besonders dringlich empfohlen“, was so klingt, als müssten sie, einmal immunisiert, die Grippe dann nicht mehr fürchten. Dass der Infektionsschutz der Grippeimpfung weit geringer ist als jener der hochwirksamen Masernimpfung, steht nicht dabei. Erst unlängst stellte die Cochrane-Gruppe in einer Übersichtsarbeit fest, dass nur jeder 30. geimpfte über 50-Jährige tatsächlich vor den Grippeviren sicher ist. Ein Detail, das sowohl im Impfplan als auch auf den Ministeriumsseiten fehlt.

Bei einer Veranstaltung Ende September in Wien wurde das Memorandum 2018 der Initiative gegen Impfhindernisse vorgestellt, einem Zusammenschluss von Experten, die die Bevölkerung aus ihrer Impfmüdigkeit rütteln wollen. Einig waren sich die Vertreter der Initiative, dass man, wie die Apothekerkammerpräsidentin sagte, „ins Tun kommen“ müsse, zumal es in Österreich zwar einen Impfplan gibt, aber keinen klaren und einheitlichen Umsetzungsplan, wie diese Impfungen die Menschen erreichen. Auch davon, die Gesundheitskompetenz der Menschen zu stärken, ihr Wissen um die Wichtigkeit von Impfungen zu erweitern, war die Rede. In diesem Zusammenhang die Herstellerfirmen in die Pflicht zu nehmen, sämtliche Daten zu Wirksamkeit und Verträglichkeit zeitnah zu veröffentlichen, steht nicht auf der Agenda der Initiative. Vielmehr ist der Plan eine „One-Voice-Strategie“ in der Kommunikations- und Informationsarbeit.  

Wenn man sich die derzeitigen Informationen öffentlicher Stellen zum Thema Impfen anschaut, weiß man nicht, ob man sich über eine solche Ankündigung freuen soll.


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  Ausgabe: 10/2018/59.JG
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