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Datum: Dienstag, 24. Oktober 2017

Artikel: CGM / Philipp Streinz

Bildinhalt: Drogenkonsument

Bildrechte: ClipDealer / Sammy07

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Europäischer Leitfaden für Umgang mit Drogenproblemen

Drogenkonsum und Abhängigkeit von Suchtgiften - dazu gehören legale wie auch illegale Substanzen - stellen in Europa ein komplexes Problem dar. Die Europäische Drogenbeobachtungsstelle EMCDDA (Lissabon) hat jetzt erstmals einen Leitfaden zum Umgang mit Drogenproblemen veröffentlicht. Jeglichen Zwangsmaßnahmen mit der Verweigerung der Grundrechte wird damit eine Absage erteilt.

"Die Antworten auf Drogenprobleme müssen auf das Setzen von Vorbildwirkung und Respektierung der Menschenrechte (...) Bedacht nehmen", heißt es zu Beginn des fast 200 Seiten langen Papiers. Damit haben bei den Maßnahmen rund um Drogenprobleme Zwang und Diskriminierung der Betroffenen und ihrer Angehörigen keinen Platz.

"Diejenigen, die sich für die Bewältigung der Drogenproblematik einsetzen, müssen immer auf dem neuesten Stand bleiben und bereit sein, sich auf die jeweilige Situation einzustellen, innovative Lösungen zu finden und neue Partnerschaften aufzubauen", sagte der Direktor der EMCDDA, der gebürtige Belgier Alexis Goosdeel, von der Ausbildung her Psychologe und Spezialist für Maßnahmen zur Schadensminimierung rund um Drogenkonsum- und Abhängigkeit.

Die Kernprinzipien der Arbeit zur Bewältigung der Gesundheits- und Sozialprobleme rund um Suchtgiftkonsum und Abhängigkeit seien unter anderem: "Respekt für die Menschenrechte inklusive: Das Recht auf ein höchstes Maß an physischer und psychischer Gesundheit und das Recht jedes Drogenkonsumenten nach entsprechender Information einer Therapie zustimmen zu können."

Während in der öffentlichen Diskussion über Suchtgifte oft verallgemeinert wird, betonen die EMCDDA-Experten die vielen Facetten der Problematik und der Ursachen: Alter, Geschlecht, physische und psychische Gesundheit, biologische und sozio-ökonomische Faktoren, Familie und ethnische Herkunft sowie religiöse und sexuelle Orientierung. Benachteiligte, Minderheiten und sonst an den Rand der Gesellschaft Gedrängte seien vulnerabler, was Suchtgiftkonsum und Abhängigkeit angehe. Ein hoher Prozentsatz der Drogenkranken leide zugleich auch an anderen psychiatrischen Erkrankungen, die ebenfalls diagnostiziert und behandelt werden müssten.

Gerade deshalb sollten alle Maßnahmen zur Milderung der Drogenproblematik fest auf wissenschaftlicher Basis stehen. Das gelte auch für Untersuchungen über die Kostenbelastungen der Gesellschaft eines Landes durch das Drogenproblem.

"Für die 23 Staaten, die dazu Schätzungen in den vergangenen zehn Jahren durchgeführt haben, scheinen die öffentlichen Ausgaben rund um die Drogenproblematik zwischen 0,01 und 0,5 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt zu liegen", heißt es in der EMCDDA-Leitlinie. Maßnahmen, um die Nachfrage nach illegalen Drogen zu reduzieren (z.B. Therapien inklusive Drogenersatzprogramm), machten davon einen Anteil zwischen 23 und 83 Prozent aus.

Drogenkonsum und Drogenkrankheit verursachen aber auch beträchtliche soziale Kosten: "In den europäischen Staaten, für die dazu Informationen vorliegen, liegt der Anteil für die sozialen Kosten zwischen 0,1 und zwei Prozent vom BIP." Prävention, Behandlung, soziale Reintegration von Drogenkranken und Schadensminimierung sollten Hand in Hand gehen.

2015 befanden sich demnach rund 974.000 Drogenkonsumenten ambulant in spezialisierten Einrichtungen in Therapie (z.B. orale Substitutionstherapie auch durch niedergelassene Ärzte, in Ambulanzen etc.). Dem standen rund 56.000 Drogenpatienten in stationären Einrichtungen in Spitälern gegenüber.

Quelle: APAMED