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Datum: Sonntag, 31. März 2019

Artikel: Schaffler Verlag, ÖKZ: 60. JG (2019) 01-02 / Michaela Endemann

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Europa goes digital …

… und Österreich ist mitten drin.

In der Europäischen Kommission scheint es für den Gesundheitsbereich nur mehr ein Schlagwort zu geben: „digital“. Das ambitionierte Ziel dahinter: Gesundheitsdaten sicher und länderübergreifend für Patienten verfügbar zu machen, die Forschung zu fördern, personalisierte Medizin zu ermöglichen und einen sicheren europäischen digitalen Binnenmarkt zu schaffen. Einige Einblicke in derzeit diskutierte Themen.

Immer noch Datensilos

Der Zugang der Bürger zu ihren personenbezogenen Gesundheitsdaten in den einzelnen Staaten ist weiterhin sehr unterschiedlich und reicht von teilweise bis zu uneingeschränkt, berichtet das Arbeitsdokument der Kommissionsmitarbeiter an das Europäische Parlament im April 2018. Die Daten unterliegen unterschiedlichen Taxonomien und Standards. Dennoch sehe man, dass mehrere Mitgliedstaaten Fortschritte bei der Einführung interoperabler elektronischer Patientenakten machen würden, jedoch fehle für eine umfassende Interoperabilität im europäischen Kontext eine koordinierte Herangehensweise, heißt es in dem Bericht. Das Thema Interoperabilität beschäftigt vor allem auch die Industrie, die in zahlreichen Arbeitsgruppen im Rahmen der Strategie „Digital Single Market“ Lösungen für u.a. Medizintechnikprodukte sucht.

Die Bedenken hinsichtlich Zuverlässigkeit und Datenschutz wirken sich auf die Bereitschaft der Menschen aus, Gesundheits-Apps zu nutzen. So fand eine EU-Studie Ende 2017 heraus, dass über 73 Prozent der Europäer noch nie eine solche App benutzt haben (in Österreich 80 Prozent). Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, den Apps nicht wirklich zu vertrauen. 38 Prozent der Österreicher fanden, dass Daten, die solche Apps erzeugen, nicht sehr zuverlässig seien. In Estland hatten mit der Zuverlässigkeit der Apps nur 15 Prozent ein Problem. Interessanterweise hatten 71 Prozent der Befragten nichts dagegen, dass ihre Daten zu Forschungszwecken verwendet werden.

High-Level Expert Group on Artificial Intelligence

Die EU-weite High-Level Expert Group on Artificial Intelligence (AI HLEG) soll Empfehlungen zur zukunftsorientierten Politikentwicklung sowie zu ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Fragen im Zusammenhang mit der Künstlichen Intelligenz (KI) ausarbeiten. Das Programm soll als Steuerungsgruppe für die Arbeit der European AI Alliance fungieren, mit anderen Initiativen interagieren, einen Dialog mit verschiedenen Interessengruppen anregen. Im Dezember 2018 schlug die AI HLEG der Kommission den ersten Entwurf einer KI-Ethik-Richtlinie vor. Mark Coeckelbergh, Professor für Medien- und Technikphilosophie an der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft der Universität Wien, ist überzeugt: „Es geht um vertrauenswürdige KI. Sie soll nach ethischen Grundsätzen entwickelt werden und keinen Schaden anrichten. Transparenz ist wichtig.“ Österreich hat sich übrigens im April 2018 in einer Deklaration zur Zusammenarbeit im Bereich der Künstlichen Intelligenz dazu bekannt, sich auch auf europäischer Ebene damit auseinanderzusetzen. Mit Ministerratsbeschluss von Ende November 2018 soll auch eine KI-Strategie 2030 innerhalb der nächsten Monate für Österreich erarbeitet werden.

Der Blick der nächsten Generation

Das European Health Parliament (EHP) ist eine 2014 gestartete Bewegung aus etwa 55 Nachwuchskräften aus allen Gesundheitssektoren, die die Bedürfnisse der Zukunft bereits jetzt formulieren und der EU vorschlagen sollen. „Die EU muss das richtige Gleichgewicht zwischen der Förderung von Innovationen – durch Datenzugriff und Interoperabilität – und dem Schutz der Privatsphäre der Patienten finden“, fasst Katarína Gatialová, die derzeitige Präsidentin des EHP, die Herausforderung zusammen. Relevante Daten sollen in ausreichender Qualität und Quantität verfügbar sein, damit im Gesundheitswesen evidenzbasierte medizinische Behandlung und Vorhersagemodelle zur Verfügung stehen können. Intelligente Systeme könnten Gesundheitsdienstleistern dabei helfen, fundierte Entscheidungen über die Behandlung ihrer Patienten zu treffen, und die medizinische Versorgung erheblich verbessern.


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  Ausgabe: 01-02/2019/60.JG
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