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Datum: Dienstag, 4. September 2018

Artikel: CGM / Walter Zifferer

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Energydrink-Verbot für Jugendliche?

Jugendliche sollten grundsätzlich nicht mehr als zwei 250-ml-Dosen Energydrinks pro Tag konsumieren. Wenn es sich um Getränke mit einem Koffeingehalt von mehr als 32 mg auf 100 ml handelt, wird für junge Menschen empfohlen, den Verzehr auf eine Dose pro Tag zu beschränken. Dies geht aus den Konsumempfehlungen auf der Internetseite der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) hervor.  

32 mg Koffein pro 100 ml Getränk sind der Referenzwert für Energydrinks laut Österreichischem Lebensmittelbuch des Gesundheitsministeriums. Mindestens beinhalten solche Getränke 25 mg Koffein und elf Gramm Kohlehydrate. Die Referenzwerte weiterer Inhaltsstoffe liegen bei 20 mg für Inosit, 240 mg für Glucuronolacton und 400 mg Taurin auf 100 ml.  

Für Erwachsene ist Koffein laut der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) in Einzeldosen bis zu 200 mg und Tagesrationen von bis zu 400 mg gesundheitlich unbedenklich. Eine Viertelliter-Dose eines Energy Drinks enthält etwa 80 mg Koffein, das entspricht auch ungefähr einer durchschnittlichen Tasse Kaffee von 150 ml abhängig von Kaffeemenge, Zubereitung und verwendeter Kaffeesorte, erläutert die AGES.  

Es sind nach Erhebungen jedoch eher junge Erwachsene unter 40 Jahren und Jugendliche, die Energydrinks kaufen. Übermäßiger Konsum könne besonders bei Koffein-empfindlichen Personen zu negativen gesundheitlichen Auswirkungen führen. Diese Menschen sowie Kinder, Schwangere und Stillende sollten den Konsum vermeiden oder möglichst gering halten.  

Der Verzehr größerer Mengen von Energydrinks kann auch bei gleichzeitiger intensiver sportlicher Betätigung zu unerwünschten Wirkungen führen, warnt die AGES. Taurin soll zwar leistungssteigernd wirken, geworben werde mit einer verbesserten Nervenreizleitung, bewiesen seien diese Zusammenhänge aber bisher nicht. Beim übermäßigen Konsum von Alkohol gleichzeitig mit Energydrinks ist außerdem eine falsche Einschätzung der Leistungs- bzw. Konzentrationsfähigkeit möglich. Energygetränke würden nicht mehr Koffein enthalten als eine Tasse Kaffee und nicht mehr Zucker als ein Glas Orangensaft, meinte dazu Energy Drinks Europe (EDE), der europäische Wirtschaftsverband für Energy Drinks. "Ein Verkaufsverbot für Energydrinks ist daher willkürlich, diskriminierend und nicht effektiv", hieß es in dem EDE-Statement des österreichischen Energy-Drink Herstellers Red Bull.  

Keine Energydrinks für Kinder und Jugendliche mehr in Großbritannien

Der Verkauf von koffeinhaltigen Energydrinks an Kinder und Jugendliche soll von der Regierung in Großbritannien verboten werden. Darunter fallen auch Getränke von Red Bull. Der Grund seien gesundheitliche Probleme wie Kopf- und Magenschmerzen, Hyperaktivität, Schlafprobleme sowie Übergewicht, berichtete die Tageszeitung "Guardian".

In England ist der Konsum von Energydrinks unter Kindern und Jugendlichen sehr hoch. Laut Regierung trinken zwei Drittel der Zehn- bis 17-Jährigen die aufputschenden Säfte, bei den Sechs- bis Neunjährigen ist es ein Viertel. In Österreich ist es laut EFSA ein Drittel der Jugendlichen. Die Getränke haben einen höheren Zuckergehalt als Softdrinks, sind aber wesentlich billiger, kritisierte die britische Regierung. Die Behörden in Großbritannien wollen deshalb laut Zeitung das Verbot Anfang September aktivieren. Die Altersbeschränkung soll bis 16 oder 18 Jahre gelten.

Unterstützt wird das Verbot von Ärzten, Lehrern sowie dem bekannten britischen Koch Jamie Oliver, der sich seit Jahren für gesunde Ernährung von Kindern einsetzt.

Immer wieder forderten Experten ein Verbot von Energydrinks für Kinder und Jugendliche. So wurde 2004 etwa in Frankreich der Verkauf von Red Bull verboten, erst vier Jahre später kam der österreichische Export dort wieder in die Geschäfte. Ab 1. Oktober werden in den Niederlanden in den Discountern Aldi und Lidl keine Energydrinks mehr an Kinder verkauft.

Der Österreicher Dietrich Mateschitz hat Red Bull am 1. April 1987 in den österreichischen Markt gebracht hat. Die Diskussion um die Gesundheitsschäden durch Energydrinks bedeutete für das österreichische Getränk keine Einbußen. Im Jahr 2016 erwirtschafte das Unternehmen mit 11.865 Mitarbeitern in 171 Ländern laut eigenen Angaben einen Umsatz von 6,03 Milliarden Euro.  

EU gegen irreführende Werbesprüche

Ein generelles Verbot von Energydrinks in der EU ist kein Thema, doch sprach sich vor zwei Jahren das Europaparlament gegen irreführende Werbesprüche auf koffeinhaltigen Getränken aus. Die Europäische Kommission wollte nämlich Werbesprüche wie "fördert die Konzentration", "spendet Energie" oder "erhöht Ausdauer" zulassen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehle allerdings, dass der Verkauf von Energydrinks an Kinder und Jugendliche verboten werden sollte, erklärt Karin Kadenbach, umweltpolitische Sprecherin der SPÖ im Europaparlament. Ein Verbot der aufputschenden Getränke in den EU-Ländern sei eine Entscheidung der einzelnen Mitgliedstaaten und nicht der EU. Die Europaparlamentarierin erklärt:

Es geht nicht darum, Energydrinks zu verbieten, aber wenn Hersteller damit werben dürfen, dass Konzentration und Ausdauer gesteigert werden, geht das zu weit. Mehr als zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren trinken Energydrinks, die ohnehin schon zu viel Koffein und Zucker enthalten.

Ich habe das Ziel, dass weder Verpackung noch Bewerbung von koffeinhaltigen Lebensmitteln dazu beitragen sollen, dass Konsumenten eine falsche Erwartungshaltung entwickeln. Diese würden mit den sogenannten Health Claims (gesundheitsbezogene Aussagen) für Koffein etwa im Zusammenhang mit Energydrinks sicher entstehen.

Quelle: APAMED