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Datum: Dienstag, 27. August 2019

Artikel: CGM / Philipp Streinz

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Eltern sehen im Internet keinen Ersatz für den Kinderarzt

Die meisten Mütter und Väter konsultieren digitale Ratgeber zur Kindergesundheit. Wird das Kind aber tatsächlich krank, vertrauen sie primär auf ärztlichen Rat. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).

Für die Studie wurden rund 750 Schweizer Elternpaare mit Kindern im Alter bis zu zwei Jahren online befragt. Zudem wurden eine Auswahl dieser Eltern sowie Ärztinnen und Ärzte interviewt. Die Antworten zeigen: Online informieren sich Eltern hauptsächlich zu allgemeinen Gesundheitsthemen. Digitale Medien dienen zudem als erste Orientierung, und in Bagatell-Fällen werden "Großmutters Rezepte" gesucht. Zudem konsultiert ungefähr die Hälfte der Eltern digitale Medien vor einem Kinderarztbesuch und ein Viertel nach dem Arztbesuch. Digitale Ratgeber werden quasi für eine Zweitmeinung genutzt.

Wird es aber ernst, zählt fast nur die ärztliche Meinung. Im Falle einer akuten Erkrankung des Kindes werden digitale Informationskanäle sogar deutlich weniger konsultiert als im Zusammenhang mit allgemeinen Fragen. Studienleiterin Julia Dratva vom ZHAW-Departement Gesundheit sieht den Grund dafür im mangelnden Vertrauen in die digitalen Medien. So glauben 90 Prozent der Eltern, dass die im Internet gefundenen Informationen "nur manchmal" der Wahrheit entsprechen. Zwei Drittel versuchen, die Vertrauenswürdigkeit der Quelle zu prüfen. Nur die Hälfte sieht sich aber in der Lage, die Informationen aus dem Internet auch verstehen und einschätzen zu können.

"Die Unsicherheit im Umgang mit digitalen Medien beseitigen die Eltern, indem sie letztlich trotzdem eine Fachperson kontaktieren", sagte die ZHAW-Forscherin. Generell sind zwischenmenschliche Kontakte nach wie vor die häufigste Informationsquelle. So tauschen sich alle Befragten mit mindestens einer Person zu Themen der Kindergesundheit aus - sei es informell mit Familie oder Freunden oder formell mit Kinderärzten. Selbst bei den "Digital Natives" stellt der persönliche Austausch die erste Wahl dar.

Im Internet sind Suchmaschinen und spezifische Eltern-Webseiten (47 Prozent) die primären Quellen. Soziale Medien (sechs Prozent) und Apps (acht Prozent) werden eher wenig genutzt. Diese Ergebnisse unterscheiden sich von anderen Ländern, in denen Apps und Soziale Medien eine bedeutend größere Rolle spielen als in der Schweiz.

"Das Potenzial der digitalen Informationsgewinnung könnte besser ausgeschöpft werden", lautete das Fazit der ZHAW-Forscherin. Voraussetzung seien eine verbesserte digitale Medien- und Gesundheitskompetenz der Eltern sowie verständliche und wissenschaftlich abgestützte Informationen auf den Portalen.

Quelle: APAMED