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Datum: Freitag, 31. August 2018

Artikel: CGM / Walter Zifferer

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Ein Bonus-System zur Patientensteuerung?

Die österreichische Ärztekammer kann sich ein Bonus-System zur Steuerung der Patientenströme vorstellen. Der Obmann der angestellten Ärzte, Dr. Harald Mayer, erklärte, man müsse die Patienten dazu bringen, zuerst ihren Vertrauensarzt aufzusuchen.

Ähnlich wie bei der Auto-Haftpflichtversicherung könnten dann jene, die sich vom Hausarzt überweisen lassen einen geringeren, und jene, die direkt in eine Spitalsambulanz gehen, einen höheren Krankenversicherungsbeitrag zahlen. An die Politik appellierte Mayer kürzlich in einer Pressekonferenz, das Thema Patientensteuerung in die Hand zu nehmen.

Gleichzeitig müsse man auch das Problem der Finanzierung des Gesundheitswesens lösen. Die Ärztekammer tritt hier für einen "Finanzierung aus zwei Töpfen" ein - einen für die Finanzierung der Krankenhäuser und einen für den ambulanten Bereich inklusive Spitalsambulanzen. Damit würde sich das "Spielchen" aufhören, dass die Patienten hin und her geschickt und damit auch die Kosten verlagert werden. Die Patienten würden die Leistungen dort bekommen, wo sie diese brauchen. Mayer verwies auch darauf, dass die Spitalsambulanzen laut Krankenanstaltengesetz eigentlich nur für hochspezialisierte Leistungen zuständig wären.

Das Hausarztmodell, dass mit einem solchen Bonus-System gefördert würde, sieht die Ärztekammer auch durch eine von ihr in Auftrag gegebene Umfrage des IMAS-Instituts (1.019 Interviews von Mitte Juni bis Anfang Juli) bestätigt. Demnach halten… 

  • 87% den Hausarzt in der Wohngegend für sehr und weitere 11% für einigermaßen wichtig,
  • die Apotheke für 94% wichtig,
  • 87% ein Krankenhaus in der Wohngegend für wichtig.

 

Im Falle einer chronischen Krankheit wollen 70% der Befragten immer vom gleichen Arzt behandelt werden. Mayer leitet aus dieser Umfrage den Wunsch der Bevölkerung ab, den Hausarzt und die regionalen Strukturen zu erhalten. Und die Patienten wollten von ihrem Hausarzt auch durch das System geleitet werden.

Dass der Hausarzt einen hohen Stellenwert hat, leitet der Ärztekammer-Vizepräsident auch daraus ab, dass drei Viertel der Österreicher, die im letzten Jahr einen Arzt aufgesucht haben, beim Hausarzt gewesen sind. Angesichtes der Prognosen, dass in zehn Jahren ein Drittel aller Mediziner und jeder zweite Hausarzt in Pension gehen werden, drängt die Ärztekammer auf eine verbesserte Ausbildung von Jungärzten.

Der Obmann der Turnusärzte, Karlheinz Kornhäusl, warnte vor einem "Riesen-Crash", wenn jetzt nichts unternommen werde. Kornhäusl und Mayer fordern als "Vorleistung", schon jetzt mehr Dienstposten für die Ausbildung zu schaffen. Um den Beruf attraktiver zu machen, wünscht sich der Turnusärzte-Chef u.a. flexible Dienstzeitmodelle, Teilzeitmöglichkeiten und Kinderbetreuung sowie Nanny-Supports für Nachtdienste

Quelle: APAMED

Dr. Harald Mayer
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  Obmann der Bundeskurie Angestellte
  Ärzte der Österreichischen Ärztekammer
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