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Datum: Samstag, 4. August 2018

Artikel: Schaffler Verlag, Qualitas: 02/18/ Elisabetinen Graz

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Ehrenamt am Lebensende

Im VinziDorf-Hospiz der Elisabethinen Graz können obdachlose Menschen ihr Leben in Würde vollenden. Wegbegleiter dabei sind Ehrenamtliche – Ärzte, Seelsorger und Hospizbegleiter.  

Mit ihrem VinziDorf-Hospiz haben die Elisabethinen Graz im April 2017 das erste stationäre Hospiz für Obdachlose eröffnet. Die Menschen werden dort angenommen, so wie sie sind, und auf ihrem letzten Lebensweg begleitet. Im ersten Jahr des Betriebs sind vier Personen verstorben. Zwei Bewohner haben sich so gut erholt, dass sie das Hospiz wieder verlassen konnten.

Während ihres Aufenthalts werden die Bewohner von einem engmaschigen Versorgungsnetz umsorgt. Ein 24-Stunden-Betreuer ist rund um die Uhr vor Ort. Die medizinischpflegerische Versorgung ist genauso gewährleistet wie im Krankenhaus der Elisabethinen: Drei Mal pro Woche kommt diplomiertes Pflegepersonal von der Palliativstation nach Graz-St. Leonhard in das Hospiz, um die weitere Pflege zu planen. Zwei Mal pro Woche visitieren Ärzte von der Palliativstation. Dazu kommt als besonderes Geschenk die Bereitschaft zahlreicher Menschen, ihre Zeit für die Bewohner im VinziDorf-Hospiz unbezahlt einzusetzen.

Ich finde, es ist ein wichtiger Teil im Leben, Dinge zu tun, von denen man überzeugt ist. Bei denen man eine andere Wertschätzung bekommt als ein Honorar.

Magdalena Hadl, die als ehrenamtliche Ärztin freiwillige die Rufbereitschaften übernimmt

Mit den Rufbereitschaften ist rund um die Uhr eine ärztliche Bereitschaft sichergestellt. Der 24-Stunden-Betreuer kann jederzeit einen Arzt bzw. eine Ärztin anrufen.

Dieses Modell ist einzigartig. Eine bewährte Kooperation, die schon auf der Palliativstation gut funktioniert, ist die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen des Hospizvereins Steiermark. Eine von ihnen ist Angelika Döller. „Im Sterben sind alle Menschen gleich. Die gleichen Ängste, Nöte und Aggressionen plagen sie, unabhängig von der Größe des Bankkontos und der gesellschaftlichen Akzeptanz. Meistens ist es die Einsamkeit, die im letzten Lebensabschnitt am bittersten wahrgenommen wird.“

Schon vor ihrem Ehrenamt im VinziDorf-Hospiz hat sie immer wieder sterbende Menschen begleitet.

Es braucht da keine Worte mehr. Ein Handhalten in Stille, bedingungslose Präsenz – ein ganz und gar „Dasein“ sind die Geschenke, welche die menschliche Würde erscheinen lassen wie einen letzten Sonnenstrahl, bevor die Abendsonne am Horizont versinkt.

Seelsorge bedeutet im VinziDorfHospiz nicht zwangsläufig, über den Glauben zu reden. Diakon Franz Wallner ist ehrenamtlicher Seelsorger und tastet sich im Gespräch daran an, was den Bewohner oder die Bewohnerin beschäftigt.

Der Tod natürlich ist oft Thema. Damit beschäftigen sich obdachlose Menschen schon, bevor sie in ein Hospiz gehen.

Franz Wallner
Diakon

Als Seelsorger steht er jedem zur Verfügung, der mit ihm sprechen möchte. „Eine Frau, die mehrere Monate im Hospiz gelebt hat, war Muslima. Sie interessierte sich dafür, was Christen glauben, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es gibt.“ Bei der gemeinsamen Weihnachtsfeier vom Team und den Bewohnern saß sie mit ihrem Rollstuhl ganz vorne.

Wer Interesse hat, sich mit seinen Fähigkeiten ehrenamtlich im VinziDorf-Hospiz in Graz einzubringen, kann sich unter www.vinzidorfhospiz.at näher informieren und/oder eine Mail an vinzidorfhospiz@elisabethinen.at schreiben.


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  Ausgabe: 02/2018
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