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Datum: Sonntag, 3. Juni 2018

Artikel: CGM / Walter Zifferer

Bildinhalt: Mag.(FH) Doris Steiner, CompuGroup Medical

Bildrechte: CGM

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e-Medikation in Vorarlberg

Vorarlberg hat als erstes Bundesland die e-Medikation flächendeckend eingesetzt. Vorarlberger Gebietskrankenkasse, Vorarlberger Ärztekammer und Vorarlberger Apothekerkammer haben gemeinsam die Entscheidung getroffen, eine Vorreiterrolle einzunehmen, und bereits vor der Verpflichtung durch das Ministerium die e-Medikation flächendeckend eingesetzt.

 

Mag.(FH) Doris Steiner, CGM Produktmanagement und Expertin für e-Medikation, dazu im Interview:

Wie ist das Projekt e-Medikation bisher gelaufen?
Sehr gut. Wir haben im Jänner 160 Ärzte in Vorarlberg an ELGA angebunden und mit unserer Kommunikationsschnittstelle, der C-Box, und den Erweiterungen in den Arztinformationssystemen ausgestattet. Seit 1.2.2018 ist in Vorarlberg die ELGA e-Medikation flächendeckend bei allen Kassenärzten und Apotheken im Einsatz.

Wie sind die Reaktionen der Ärzte?
Zufrieden. Die Antwortzeiten in unserer Software sind unverändert. Die Kunden merken praktisch nichts von der Anbindung an die ELGA e-Medikation. Jetzt heißt es, die e-Medikation mit „Leben“ zu befüllen und Medikamentenverordnungen und Arzneimittelabgaben einzuspeichern. Nach ein paar Wochen bzw. Monaten sollte der Nutzen der e-Medikation erkennbar sein.

Was erwartet die niedergelassenen Ärzte mit der e-Medikation?
Die niedergelassenen Ärzte haben Zugriff auf Gesundheitsdaten in ELGA und einen aktuellen Überblick, welche Medikamente der Patient von Kollegen verordnet und welche er sich in der Apotheke geholt hat. Zudem gibt es umfassendere Informationen, die dabei helfen, diese Arzneimittel in die lokale Prüfung auf Wechselwirkungen mit einzubeziehen. Auch Doppelverschreibungen sollen so vermieden werden. Bei einem stationären Aufenthalt kann auch die Krankenanstalt auf diese Informationen zugreifen und wird dadurch bei einer umfangreichen Erhebung der Anamnese unterstützt.

Und wie läuft der weitere Roll-out ab?
In der Verordnung ist die Verwendungspflicht festgehalten. Drei Wochen vor diesem Termin werden alle Ärzte in dieser Region für ELGA freigeschalten und müssen sich anschließen. Das Projekt wird von der SVC (Sozialversicherungs-Chipkarten Betriebs- und Errichtungsges.m.b.H.) geleitet, es gibt je Bundesland einen lokalen Koordinator und die Begleitung eines Beirats der Stakeholder. Je Roll-out-Region werden Informationsveranstaltungen angeboten. Wir verständigen unsere Kunden über den Zeitplan und darüber, was für einen zeitgerechten und reibungslosen Ablauf nötig ist. Vor Ort erfolgen Installation und Einschulung der Anwender, zudem wurden Informationsblätter, Checklisten, Handbuch und Schulungsvideos vorbereitet. Alle Unterlagen sind in einer C-Box-Schachtel zusammengefasst und werden den Kunden bei der Installation übergeben. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, unsere Kommunikationsschnittstelle auf einer separaten Hardware – einem Mini-PC – laufen zu lassen, um unabhängig von der vorhandenen Ordinationshardware zu sein.

Weiters richten wir einen begleitenden „ELGA-Anwenderbeirat“ ein. Dieser soll unsere Umsetzung sowie Schulungsinhalte beurteilen, Feedback aus dem Regelbetrieb geben und wird in die Weiterentwicklung der Funktion eingebunden. In dieser „Runde“ treffen wir uns quartalsweise zum Austausch, nehmen Probleme und Wünsche auf und informieren über Fortschritt und geplante Maßnahmen.

Wer ist verpflichtet an der ELGA e-Medikation teilzunehmen?
Verpflichtet sind alle Apotheken, freiberuflich tätige Ärzte, Gruppenpraxen und selbstständige Ambulatorien, die ein Vertragsverhältnis zu einem Träger der gesetzlichen Sozialversicherung haben. Fachärzte besonderer medizinischer Sonderfächer sind nicht verpflichtet, dürfen aber teilnehmen. Ebenso sind Wahlärzte aktuell nicht verpflichtet, können sich aber an ELGA anbinden. Weiters wurden Altersgrenzen festgelegt. Das Bundesministerium für Gesundheit und Frauen stellt eine Anschubfinanzierung zur Anbindung an ELGA bereit.

Wie sehen die aktuellen Zahlen der Opt-outs aus?
Die Zahlen des generellen Opt-outs haben sich seit 2015 nur unmerklich verändert. Etwa 230.000 Österreicher haben sich von ELGA abgemeldet und nehmen nicht teil. Die Bürger haben aber jederzeit die Möglichkeit ihren Status zu ändern und wieder an ELGA teilzunehmen. Ab diesem Zeitpunkt werden dann die e-Medikationsdaten bzw. e-Befunde in ELGA gespeichert. Zum situativen Opt-out gibt es keine Zahlen, da dieses lokal in den Arzt- bzw. Krankenhausinformationssystemen verwaltet wird. Von unseren Kunden wissen wir aber, dass die Inanspruchnahme kaum vorkommt. 

 

Zeitplan des Roll-outs

Der weitere Roll-out der ELGA e-Medikation ist in der ELGA Verordnungsnovelle vom 15.12.2017 festgehalten. Darin ist der regionenweise Roll-out und die Verpflichtung zur Speicherung von Medikationsdaten in ELGA festgelegt. Mitte 2019 wird der flächendeckende Einsatz erreicht sein.