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Datum: Montag, 30. Juli 2018

Artikel: Schaffler Verlag, Qualitas: 02/18/ Mag.Dr. Andreas Gomahr, MSc & Sabine Geistlinger

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Digitalisierung darf kein Paralleluniversum im Gesundheitswesen werden

Zum 13. Mal fand am 3. und 4. Mai 2018 die Jahrestagung des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS) in Berlin statt. Sie stand unter dem Motto „Digitalisierung und Patientensicherheit“. Der Einladung waren 400 Teilnehmer gefolgt, die in 16 Workshops darüber diskutierten, in welcher Form die Digitalisierung einen Nutzen für die Patientensicherheit bringen kann. Das Themenspektrum war vielfältig. Es beinhaltete praktische Anwendungsbeispiele wie Gesundheits-Apps, Telemedizin und digitale Kommunikation, Fragen der Umsetzung und IT sowie ethische Fragen und eine Barrierenanalyse. Im Rahmen der Tagung wurden auch wieder zukunftsweisende Ansätze zur Verbesserung der Patientensicherheit mit dem Deutschen Preis für Patientensicherheit ausgezeichnet.

Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO bedeutet Digitalisierung die sichere und effektive Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien zur Verbesserung der Patientenversorgung. Und das sei dringend notwendig, betonte Hardy Müller, Geschäftsführer des APS. Er sieht darin eine Chance zur Verbesserung der Patientensicherheit. So seien zum Beispiel zehn Prozent aller Krankenhausaufnahmen bei einer konsequenten Digitalisierung der Arzneimittelverordnung vermeidbar.

Gesundheits-Apps: Checkliste vorgestellt

Hedwig François-Kettner, die Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, sieht ebenfalls einen starken Handlungsbedarf. „Wir können weltweit mit unserer Kreditkarte Geld abheben, aber mit unserer Gesundheitskarte, über deren Zielsetzung wir nun seit 14 Jahren diskutieren, können wir noch immer in Sachen Patientensicherheit nichts anfangen“, stellte François-Kettner anlässlich der Pressekonferenz fest. In der neuen Bundesregierung seien 80 neue Stellen geschaffen worden, die sich mit Digitalisierung befassen. Hier bräuchte es einen „Dirigenten“, der die Aktivitäten bündelt und den Takt angibt, damit keine Parallelaktivitäten entstünden oder die Digitalisierung im Gesundheitswesen gar zu einem Paralleluniversum würde. Aber die Vorsitzende des APS möchte diese Entwicklungen nicht dramatisieren, sondern wirbt für eine bessere Aufklärung von Health Professionals und Patienten. Gerade letztere dürfen beim Thema Digitalisierung nicht abgehängt werden. Das APS stellt zum Kongress eine an Bürgerinnen und Bürger gerichtete neue „Checkliste zur Nutzung von Gesundheits-Apps“ sowie eine Handlungsempfehlung „Digitalisierung und Patientensicherheit. Risikomanagement in der Patientenversorgung“ für Angehörige aller Berufsgruppen im Gesundheitswesen vor. Die Checkliste für Gesundheits-Apps soll die Kompetenz der Bürgerinnen und Bürger im Umgang mit diesen Anwendungen befördern und stärken. Ziel der Handreichung für die Angehörigen der Gesundheitsberufe ist es, diese für die Risiken der Digitalisierung zu sensibilisieren, zu informieren und sie dabei zu unterstützen, eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung für bestehende und geplante Innovationen durchzuführen.  

Kompetente Nutzung und sichere Anwendungen

Digitalisierung erfordert das Vertrauen der Menschen, die im Gesundheitswesen tätig sind ebenso wie das Vertrauen der Öffentlichkeit. Dazu gehört, dass die Nutzung der Daten transparent dargelegt werde, der Schutz der Daten gewährleistet sei und Chancen ebenso wie Risiken offen und ehrlich benannt und den Anwendern bewusstgemacht werden. Weiterhin werde gefordert, dass Patienten Eigner ihrer Daten sein müssten. In einer Reihe von Stellungnahmen, die von Experten aus dem Gesundheitswesen gemeinsam mit Patientenvertretern verfasst wurden, positioniert sich das APS zu den drängenden Themen einer Digitalen Transformation im Gesundheitswesen wie beispielsweise zur elektronischen Patientenakte, der elektronischen Gesundheitskarte oder der digitalen Kommunikation. „Wir brauchen sichere digitale Anwendungen und eine kompetente Nutzung durch alle Beteiligten“, fordert Hardy Müller.  

Preis für Patientensicherheit

Ruth Hecker, stellvertretende Vorsitzende des APS stellte die Preisträger des diesjährigen Preises für Patientensicherheit vor: Der erste, mit zehntausend Euro dotierte Preis ging an Wolfgang Tender und Daisy Hünefeld der St. Franziskus-Stiftung Münster für das Konzept des „Kompetenzzentrums Mikrobiologie und Hygiene“. Über den zweiten, mit sechstausend Euro dotierten Preis freute sich Dorothea Strohbach von der Apotheke des Klinikums der Universität München für das Projekt „MARIAM – Mehr Arzneimitteltherapiesicherheit durch Identifizierung von Risikofaktoren bei der Arzneimittelanamnese an der Schnittstelle ambulant/stationär“. Der dritte, mit 3.500 Euro dotierte Preis wurde an die Deutsche Atemwegsliga verliehen, die Videos zur sicheren Anwendung verschiedener Inhalationssysteme produziert und veröffentlicht hat. Ein Sonderpreis ging an ein Kinderanalgosedierungsteam (KAST) vom Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf. Das APS hofft auf eine flächendeckende Verbreitung dieser Projekte. Auf einen finanziellen Gewinn für die entsprechende Einrichtung sollte man aber nicht hoffen, denn der Gewinn bestünde allein in einer Verbesserung der Versorgung. Ruth Hecker weist darauf hin, dass es bei Investitionen in die Patientensicherheit nicht um einen Return on Investment ginge, sondern letztlich um den großen Wert der Verbesserung der Sicherheit der Patienten.

Ausblick

Hedwig François-Kettner hofft darauf, dass die neue Regierung das Thema Digitale Transformation im Gesundheitswesen weiter befördert. Es hat nicht nur nationale, sondern auch eine große internationale Bedeutung und wird auf der Agenda des APS stets einen wichtigen und auch festen Platz innehaben. Deshalb wird der Internationale Tag der Patientensicherheit am 17. September 2018 ebenfalls unter dem Motto „Digitalisierung und Patientensicherheit“ stehen. An diesem Tag werden gelungene Praxisbeispiele vorgestellt.  

Informationen und Links

  • Checkliste für die Nutzung von Gesundheits-Apps: www.aps-ev.de/wp-content/uploads/2018/05/2018_APS-Checkliste_GesundheitsApps.pdf  
  • Handlungsempfehlung zu Digitalisierung und Patientensicherheit – Risikomanagement in der Patientenversorgung: www.aps-ev.de/wp-content/uploads/2018/05/2018_APS-HE_Digit_RM.pdf ·       
  • Stellungnahmen, Positionspapiere und Erklärungen des APS (unter anderem zur elektronischen Patientenakte): www.aps-ev.de/stellungnahme/
  • Informationen zum Deutschen Preis für Patientensicherheit: www.aps-ev.de/deutscher-preis-fuer-patientensicherheit
  • Internationaler Tag der Patientensicherheit: www.tag-der-patientensicherheit.de