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Datum: Donnerstag, 16. August 2018

Artikel: Schaffler Verlag, ÖKZ EXTRA: IT & Prozesse 2018 / Peter J. Mayer, Alexandra Weghofer

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Digitale integrierte Gesundheitsversorgung

Das internationale Projekt digitalLIFE4CE erforscht die digitale Gesundheitsversorgung und verfolgt das Ziel, nachhaltige Kooperationen im zentraleuropäischen Raum aufzubauen.  

Digitalisierung ist im privaten, geschäftlichen und beruflichen Alltag allgegenwärtig. Derzeit ist die Digitalisierung im Gesundheitsbereich ein wichtiges gesellschaftliches und politisches Thema.1 

Österreich befindet sich auf Rang 10 im DESI-Index und somit im europäischen Mittelfeld. Der DESI-Index beschreibt die aktuelle Entwicklung im Bereich der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft.2  

Dennoch ist der Digitalisierungsgrad im österreichischen Gesundheitswesen im Vergleich zu anderen Ländern relativ gering. Veränderungen, die durch die Digitalisierung hervorgerufen werden, und gesellschaftliche und soziale Veränderungen wie etwa demografischer Wandel und Überalterung der Bevölkerung sowie die ökonomischen Veränderungsprozesse stellen das Gesundheitswesen einerseits vor Probleme, bergen aber andererseits große Chancen.3  

Die WHO geht davon aus, dass die digitale Revolution im Gesundheitswesen durch den Einsatz von innovativen Technologien die integrierte Gesundheitsversorgung revolutionieren wird.4  

Das Interreg-Projekt digitalLIFE4CE befasst sich mit der digitalen, integrierten Gesundheitsversorgung. Das Ziel des Projekts ist, die Digitalisierung in der integrierten Gesundheitsversorgung in Zentraleuropa zu forcieren.  

digitalLIFE4CE erforscht die digitale Gesundheitswelt  

Die Fachhochschule Burgenland beschäftigt sich im Forschungsprojekt digitalLIFE4CE mit der Frage, welchen Beitrag die Digitalisierung zur integrierten Gesundheitsversorgung leisten kann. Das Projekt mit einem Budgetvolumen von 1,5 Millionen Euro wird von Interreg Central Europa gefördert und vom Land Burgenland kofinanziert. Dem Department Gesundheit der Fachhochschule Burgenland obliegt die Lead-Partnerschaft. Insgesamt besteht das Projektkonsortium aus neun Partnern aus sieben zentraleuropäischen Regionen. Um gute Bedingungen für digitale, integrierte Gesundheitsversorgung zu schaffen, bedarf es mehrerer aufeinander abgestimmter Schritte, daher ist das Projekt in vier aufbauende Phasen geteilt (siehe Abbildung 1). Das digitalLIFE4CE-Projekt wurde im Mai 2017 gestartet und läuft bis Ende Oktober 2019.  

Abb. 1: Projektstruktur "digitalLIFE4CE"

Brücken bauen zwischen den Gesundheitssystemen in Zentraleuropa  

Für einen erfolgreichen Einsatz von Digitalisierung im Gesundheitswesen müssen zuerst die Rahmenbedingungen geklärt werden. Wichtige Voraussetzungen für die nachhaltige Implementierung von digitalen Innovationen sind der Abbau von Barrieren und der Aufbau von nachhaltigen, transnationalen Kooperationen. Daher wurden die bereits bestehenden Strukturen analysiert und das Potenzial für die Digitalisierung festgestellt. Leitfadengestützte Interviews mit regionalen Akteuren und wichtigen politischen Entscheidungsträgern aus Österreich, Deutschland, Ungarn, Italien, Polen, Kroatien und Slowenien wurden durchgeführt. Die Auswertung der Interviews zeigte, dass der Aufbau von Basis-Netzwerken und die Entwicklung nachhaltiger Kooperationen der erste Schritt in Richtung digitaler, integrierter Gesundheitsversorgung ist. Darüber hinaus ergaben die Interviews, dass großer Bedarf in den Bereichen des digitalen Gesundheitsmanagements und der digitalen Gesundheitsförderung besteht. Insgesamt gingen aus der Bedarfsanalyse sieben thematische Bereiche hervor. In einem ersten Schritt sollte ein gemeinsames Verständnis unter allen Projektbeteiligten geschaffen werden:5  

  • Digitaler Netzwerkaufbau und Connected Health: Der nachhaltige Netzwerkaufbau stellt die Basis für integrierte Gesundheitsversorgung und Kooperationen dar.  
  • Digitales Gesundheitsmanagement: Digitalisierung im Gesundheitsmanagement zielt darauf ab, die Effizienz und Qualität des Managements in Gesundheitsbetrieben mittels innovativer Hilfsmittel zu verbessern.  
  • Digitalisierung in der Gesundheitsförderung und Prävention: Digitale Gesundheitsförderung beinhaltet alle Aktivitäten, Apps sowie neue Technologien, die dazu beitragen, die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern und die Gesundheitskompetenz zu stärken. Digitale Assistenzsysteme in der Gesundheitsversorgung: Die Integration von innovativen Assistenzsystemen verfolgt das Ziel, die Gesundheitsversorgung zu unterstützen.  
  • Big Data und Analyse von digitalen Gesundheitstrends: Big-Data-Anwendungen und die Analyse von aktuellen Gesundheitstrends ermöglichen die Identifikation von Versorgungslücken sowie die Ableitung von geeigneten Maßnahmen, um integrierte Gesundheitsversorgung zu forcieren.  
  • Aufbau von technischer und organisationaler Infrastruktur: Informationssysteme und IT-basierte Datensysteme verbessern die Integration in der Gesundheitsversorgung.  
  • Datensicherheit und Compliance: Patientenbezogene Daten und Informationen unterliegen strengen EU-weiten Regelungen. Ebenso birgt die Akzeptanz von Patienten gegenüber der Digitalisierung Herausforderungen.  

Entwicklung einer interaktiven Netzwerklandkarte  

Die Analyse der bestehenden Strukturen beinhaltet unter anderem die Identifikation von Best Practices und exzellenten Lösungen aus dem Bereich der digitalen Gesundheitsversorgung. Eine interaktive Netzwerklandkarte zeigt bedeutende Akteure aus dem Bereich der integrierten Gesundheitsversorgung auf.Innovative Exzellenz-Beispiele werden visuell dargestellt und zugänglich gemacht. Das visuelle Netzwerk umfasst derzeit sieben zentraleuropäische Länder mit mehr als 260 exzellenten Akteuren aus der Gesundheitswelt, 21 beispielgebende Lösungen und 28 Best Practice Case Studies aus dem Bereich der digitalen Gesundheitsversorgung. Transnationale Netzwerke stellen die Basis für nachhaltige Kooperationen dar, die Erweiterung des Netzwerkes erfolgt kontinuierlich:

Abb. 2: Interaktive Netzwerklandkarte

Aufbau von transnationalen Netzwerken und Wissensallianzen  

Die Entwicklung von thematischen Arbeitsgruppen sowie der Aufbau von internationalen Wissensallianzen ermöglichen den Erfahrungsaustausch über die geografischen Landesgrenzen hinweg. Die Online-Lernplattform digitalLIFE4CE learning hub ermöglicht Wissensgenerierung in den sieben genannten the matischen Schwerpunkten. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wird in Online-Lernkursen der Zugang zu State-of-the-art-Wissen aus dem Bereich Gesundheit und Digitalisierung im internationalen Kontext ermöglicht. Ziel ist es, den kollaborativen Austausch von Erfahrungswissen zu fördern und somit neues Wissen zu generieren.  

Transfer und Pilotierungen  

Aufbauend auf dem Projektnetzwerk und den Wissensallianzen wird in der dritten Phase ein Pilot Hub entwickelt. Dessen Ziel ist es, Implementierung von Best Practices und Transferierungen zwischen den regionalen Gesundheitssystemen zu ermöglichen. Auch Transferierung und Verankerung von theoretischem Wissen in die Praxis der regionalen Gesundheitsversorgung wird angestrebt. Es werden Prozesse geschaffen, die eine rasche sowie nachhaltige Implementierung ermöglichen und somit das Innovationspotenzial aller Beteiligten stärken. Um die erfolgreiche Transferierung zu sichern, werden zuerst die konkreten Bedarfe erhoben, passende Lösungen identifiziert und an regionale Gegebenheiten angepasst.  

Transnationale Strategie und Kapitalisierung  

Die Entwicklung einer gemeinsamen, transnationalen Strategie sowie einer Roadmap für Zentraleuropa sichert die Nachhaltigkeit der Aktivitäten und trägt zur Erhöhung der Innovationsfähigkeit aller beteiligten Regionen bei. Länderübergreifende Lösungen im Bereich der Digitalisierung in der integrierten Gesundheitsversorgung werden forciert. Das Projektkonsortium zielt darauf ab, nachhaltige, internationale Kooperationen aufzubauen, um Synergien zu nutzen und maßgeblich zur Digitalisierung in der integrierten Gesundheitsversorgung beizutragen.    

Literatur:
1 Baierlein J (2017): Grad der Digitalisierung im Branchenvergleich – Hinderungsgründe und Chancen. In Pfannstiel M A, Da-Cruz P & Mehlich H (Hrsg.) Digitale Transformation von Dienstleistungen im Gesundheitswesen II: Impulse für das Management. Springer Gabler, Wiesbaden, 1-2.
2 Europäische Kommission (2018): Digital scoreboard. Zugang: https://ec.europa.eu/digital- single-market/en/scoreboard/austria, Zugriff: 7.5.2018.
3 Fischer F, Aust V & Krämer A (2016): eHealth in Deutschland. In Fischer F & Krämer A (Hrsg.) eHealth in Deutschland: Anforderungen und Potenziale innovativer Versorgungsstrukturen. Springer-Verlag, Berlin Heidelberg, 4-5.
4 WHO World Health Organisation (2017): Promoting health in the SDG. Zugang: apps. who.int/iris/bitstream/10665/259183/1/WHO-NMH-PND-17.5-eng.pdf Zugriff: 6.5.2018.
5 Projektkonsortium digitalLIFE4CE (2018): Projekthandbuch Visualisation Tool, Projektvision, Kick-Off-Veranstaltung, Stakeholder-Interviews.    

Die Autoren:

Prof.(FH) Ing. Mag. Peter J. Mayer MAS, MSc, MBA Studiengangsleitung Masterstudiengang Gesundheitsmanagement und Integrierte Versorgung, Fachhochschule Burgenland, Campus Pinkafeld peter.mayer@fh-burgenland.at  

Alexandra Weghofer, BA Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Fachhochschule Burgenland, Campus Pinkafeld alexandra.weghofer@fh-burgenland.at


Bildinhalt: Dr. Lukas Zinnagl,
  Geschäftsführer von Diagnosia
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  59.JG (2018)
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