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Datum: Freitag, 12. April 2019

Artikel: CGM / Philipp Streinz

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Digital Twins

Eine Chance für die Medizin?

Patienten-Daten spielen eine immer wichtigere Rolle in der personalisierten Medizin. Ob in Zukunft an Avataren oder „digital twins“ bestimmte Behandlungen getestet werden können und was die Medizin von Fitness-Apps lernen kann, diskutierten Experten auf der DMEA 2019.

Herzschlag, verbrannte Kalorien oder gelaufene Kilometer – diese Parameter sind nur einige Daten, die Apps wie Smart4Fit über Wearables sammeln. Aus diesen Messwerten lassen sie einen „digital twin“ entstehen, ein Abbild des realen Menschen auf Basis seiner Daten.

Dr. Nenad Stojanovic, CEO des Nissatech Innovation Centers, stellte bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Jeder Mensch hat einen Doppelgänger – Personalisierte Medizin und Digital Twins“ auf der DMEA 2019 den Digital Fitness Twin vor, die digitale Nachbildung eines Trainees. Mit persönlichen Fitnessanalysen werden seine Leistungen während des Trainings untersucht und der Trainingsplan dynamisch an seine Tagesform angepasst.

Lässt sich diese Art der personalisierten Analyse auch auf die Medizin übertragen? Können zum Beispiel die Wirkungsweise und Dosierung von Medikamenten bald anhand eines digitalen Zwillings getestet werden? Diese Fragen stellte Moderator Dr. André Nemat, Managing Partner am Institute for Digital Transformation in Healthcare GmbH und Vorstandsmitglied der International Data Space Association (IDSA), unter anderem Prof. Dr. Frederick Klauschen. Der geschäftsführende Oberarzt am Institut für Pathologie der Charité Universitätsmedizin Berlin und diplomierte Physiker zeigte sich skeptisch: „Ein allumfassendes Simulationsmodell und einen ‚Doc Data’, wie man ihn aus Science Fiction-Filmen kennt, wird es meiner Einschätzung nach zumindest in den kommenden Dekaden nicht geben“, sagte er. Wohl aber erwartet Klauschen immer bessere Assistenzsysteme, auch auf Basis der Künstlichen Intelligenz. Sie werden Ärzten die einfacheren Fälle abnehmen, damit ihnen mehr Zeit für die schwierigen bleibt, ist der Pathologe überzeugt.

Prof. Dr. Boris Otto, Geschäftsführender Institutsleiter am Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik (ISST), macht sich für einen fairen Umgang mit Daten stark und fordert mehr Transparenz. „Wir müssen uns bewusst werden, dass unser digital twin bereits existiert“, betonte er und verwies auf die durchschnittlich 93 Apps, die sich auf jedem Smartphone befinden, und permanent Daten über ihre Nutzer sammeln. „Ich bin großer Verfechter der Ansicht, dass derjenige, dem die Daten gehören, die Kontrolle über sie zurückgewinnen sollte.“ Seine Vision ist es, dass der Nutzer irgendwann Zugriff auf diesen digital twin an einem sicheren Ort hat, und selbst bestimmen kann, wem diese Daten zur Verfügung gestellt werden. Er ist überzeugt: „Letztlich wird die Bereitschaft, Daten preiszugeben, davon abhängen, was der Konsument zurückbekommt.“