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Datum: Montag, 24. Juni 2019

Artikel: CGM / Philipp Streinz

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Digital Health Start-Up-Szene mit Schwierigkeiten

Start-Up-Unternehmen auf dem Gebiet von Digital Health haben es in Österreich nicht besonders leicht. Zwar sei das Subventionssystem gut, doch langsame Abläufe und das fragmentierte Gesundheitswesen wären Hemmschuhe, hieß es Freitagnachmittag beim Austrian Health Forum in Leogang.

Im Registrierungsprozess bei der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) befindet sich derzeit ein österreichischer Venture-Kapitalfonds (APEX Ventures), der sich mit Digital Health-Projekten beschäftigen soll. Partner ist Gordon Euller, ein an der MedUni/AKH Wien ausgebildeter Radiologie, der ins Finanzmanagement gewechselt ist.

Interessant ist seine Sicht der Digitalisierung in der Medizin, welche die von den IT- und KI-Experten oft als totale Innovation angepriesene Entwicklung viel trockener sieht: "Digital Health ist etwas, was wir in der Medizin schon immer machen. Wir lernen, Algorithmen und Evidenz-basierten Entscheidungsbäumen zu folgen. Das ist ein binärer Code." Die neuen Systeme unterstützten dies bloß in der Komplexheit nunmehr zur Verfügung stehender Daten.

Verschiedenste Rahmenbedingungen entscheiden darüber, wie leicht sich Start-Ups in Digital Health positionieren und entwickeln können. In den USA standen 2017 rund 90 Milliarden US-Dollar an Risikokapital zur Verfügung, in Europa waren es rund 20 Milliarden US-Dollar.

Alexander Biach, Chef des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, will über die Wirtschaftskammer Wien und mit Strahlkraft Österreich zum "Health Hub" machen. "International wurde immer wieder erkennbar, dass die Bedeutung von Wien und Österreich enorm hoch ist, was die Gesundheit betrifft." Wien biete mit seinem Bevölkerungswachstum, der Demografie, bildungsaffinem Personal und Universitäten gute Voraussetzungen. Das österreichische Gesundheitswesen sei mit E-Medikation und E-Überweisung in Sachen funktionierender digitaler Services für 8,8 Millionen Versicherte ziemlich weit vorn. Hinzu kämen gute Förderungen, allerdings bei einem sehr kleinen Kapitalmarkt.

13 Jahre bereits gibt es beispielsweise das in Oberösterreich (Attersee) beheimatete Unternehmen Symptoma, das für Ärzte bzw. Patienten einen Symptom-Check zur Eingrenzung von potenziellen Zeichen einer Krankheit bietet. Der Aufbau war durchaus langwierig, wie Geschäftsführer Jama Nateqi erklärte.

Die Wiener Softwareentwickler von Diagnosia wiederum haben seit 2011 ein System geschaffen, das über das Smartphone Gesundheitspersonal bei Fragen der Arzneimittelsicherheit helfen soll. Das Problem, so Gründer Lukas Zinnagl: "In Europa ist immer die Frage, wer für das System zahlt. Und in Österreich dauert es Jahre, bis man in ein Krankenhaus hineinkommt." Erst langsam läuft auch das Geschäft der Latido Health Tech (Wien) an, welche eine Cloud-basierte Ordinationssoftware von der Vergabe von Arztterminen bis hin zur Abrechnung entwickelt hat. Derzeit ist das System bei 300 Wahlärzten installiert. Unglaublich, so Gründer Stefan Speiser, sei beispielsweise die Vielfalt der Drucksorten, welche man in dem System vorsehen müsse.

Trägheit bei Entscheidungsprozessen, Fragmentierung der Finanzierung des Gesundheitswesens, ein kleiner nationaler Markt für Techniken, die weltweit verwendbar sein könnten sowie Mangel an Risikokapital bremsen in Österreich derzeit eine Entwicklung, die andererseits auf dem Gebiet der Biotechnologie schon vor langer Zeit erheblichen Erfolge gebracht hat.

Quelle: APAMED