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Datum: Sonntag, 10. März 2019

Artikel: Schaffler Verlag, ÖKZ: 60. JG (2019) 01-02 / Elisabeth Tschachler

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Befunde

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn die ehemalige Obfrau einer Gebietskrankenkasse und jetzige Nationalratsabgeordnete die Gesundheitsministerin dazu auffordert, etwas gegen den Hausärztemangel zu tun. Überhaupt geriet die auf Initiative der SPÖ einberufene Sondersitzung des Nationalrats Ende Jänner zu einem bizarren Schauspiel. Es ging um Themen, die nicht erst seit der aktuellen Legislaturperiode diskutiert werden: leerstehende Arztpraxen und lange Wartezeiten für Konsultationstermine.

Egal, wer ans Rednerpult trat: Er oder sie schob die Schuld für das Fehlen von Allgemeinmedizinern in manchen Gemeinden den anderen zu. Anstatt Lösungen zu diskutieren, warfen einander die Regierungs- und Oppositionsparteien Taten- und Ahnungslosigkeit vor. Die Anschuldigung der SPÖ-Vorsitzenden und ehemaligen Kurzzeit-Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner, sich nicht um die Lebenssituation und Gesundheit der Menschen in diesem Land zu kümmern, konterte die derzeitige Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein damit, dass die Zusammenlegung der Krankenkassen die Hausärzte-Knappheit lösen werde.

Die Gesundheitsversorgung eignet sich besonders gut dazu, die Verantwortung für Lücken oder Fehlentwicklungen bei den anderen zu suchen. Denn im österreichischen Gesundheitssystem sind alle Player irgendwie beteiligt, aber schlussendlich muss keiner für irgendetwas geradestehen. Das ist Health in all policies – komplett pervertiert. Dieses Spielchen ist nicht neu. Gefehlt hat in der aktuellen Version nur die Ärztekammer, die zu so mancher Pattstellung beiträgt und beigetragen hat.

Blättert man in früheren Ausgaben der ÖKZ, so findet sich jede Menge ähnlicher Befunde. „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, daß viele oft den Eindruck gewinnen können, daß die einzelnen Teile des Gesundheitswesens nicht wirklich zusammenarbeiten“, schrieb Josef Probst, langjähriger Generaldirektor im Hauptverband, im Mai 1999 in der ÖKZ. Und bereits Im Dezember 1969 hieß es in der Rubrik Nachrichten zur Frage der Finanzierung: „In den Gesprächen mit den Vertretern der politischen Parteien wurde festgestellt, letztlich sei die Situation so, daß sich die eine Seite nicht zuständig fühle, die andere aber nicht zahlen könne; aus dieser Zwickmühle gebe es keinen Ausweg.“

Bis auf wenige Einzelbereiche scheint sich das System in all den Jahren nicht verändert zu haben. Weniger jedenfalls als die ÖKZ selbst, die heuer im 60. Jahrgang erscheint. Als Österreichische Krankenhaus-Zeitung – ÖKZ und „Organ für das gesamte Krankenhauswesen in Österreich“ 1960 gegründet, hat sie über die Jahre und Jahrzehnte nicht nur Eigentümer, Format und Erscheinungsweise mehrmals gewechselt. Auch die Inhalte sind mit der Zeit andere geworden. Waren die Hefte ursprünglich zweifellos wichtigen, aber doch etwas spröden Beschreibungen von Kartoffelschälmaschinen für die Krankenhausküche, Korrosionsschutz in Heizungsanlagen und Schädlingsbekämpfung gewidmet, wurde spätestens nach Übernahme durch den Schaffler Verlag klar, dass das österreichische Gesundheitswesen eben nicht nur aus Krankenhäusern besteht. Und dass es für alle darin Beschäftigten gilt, den Blick für das Ganze zu schärfen.

Wir ÖKZ-Menschen vertiefen uns in diesem unserem Jubeljahr nicht nur wie gewohnt in die aktuelle Situation von Gesundheitsversorgung und -system. Beim Stöbern in unserem Archiv sind wir auf viele Themen und Ereignisse gestoßen, die es wert sind, im Licht der Gegenwart noch einmal betrachtet zu werden. Das wollen wir in den nächsten Ausgaben tun. Freuen Sie sich darauf.


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  Ausgabe: 01-02/2019/60.JG
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