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Datum: Donnerstag, 14. Dezember 2017

Artikel: CGM / Walter Zifferer

Bildinhalt: Kleinkind im Wasserbad

Bildrechte: ClipDealer / joyannig

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Arzneimittel im Trinkwasser

Toleranzwerte für Trinkwasserversorger

Arzneimittel hinterlassen ihre Spuren in der Umwelt. Die in ihnen enthaltenen Wirkstoffe sind zum Teil in Abwässern, Flüssen und Seen aber auch im Grund- und Trinkwasser nachweisbar. Die Konzentration ist zumeist sehr niedrig und gesundheitlich unbedenklich. Umweltbundesamt und AGES haben jetzt in einer Studie die Toleranzwerte als Orientierungshilfe für Trinkwasserversorger zusammengestellt.

Um Trinkwasserversorgern eine Orientierung zu geben, welche Menge eines Arzneimittel-Wirkstoffes im Wasser enthalten sein darf, um als gesundheitlich unbedenklich zu gelten, haben die Experten des Umweltbundesamtes maximal tolerierbare Konzentrationen abgeleitet.

Statement aus AGES-Aussendung

 

Die Ermittlung der Toleranzwerte folge einer Leitlinie des Gesundheitsministeriums für Säuglinge sowie Erwachsene und basiere auf toxikologischen Kennzahlen. Von Antibiotika über Blutdrucksenker bis zu Psychopharmaka ermittelten die Experten die jeweiligen Toleranzwerte für 90 Arzneimittel-Wirkstoffe und Stoffwechselprodukte. Dabei seien die Werte für jene Wirkstoffe berechnet worden, bei denen der Verbrauch besonders groß ist oder deren Eigenschaften der Umwelt besonders zu schaffen machten, da sie langlebig, wasserlöslich und mobil seien, wie beispielsweise Hormone.

 

Analyse von Arzneimitteln im Wasser

In einer Studie hat das Umweltbundesamt 2016 erstmals umfassend den aktuellen Verbrauch an Arzneimittel-Wirkstoffen von 24 wichtigen Medikamenten-Gruppen erhoben und aktuelle Untersuchungen über ihr Vorkommen in der Umwelt zusammengetragen. Aufbauend auf den Ergebnissen haben die Fachleute Umweltbundesamt-Labors in diesem Jahr dann einen innovativen Screeningtest entwickelt, mit dem verschiedene Arzneimittel-Wirkstoffe im Trinkwasser, aber auch in Grund- und Oberflächengewässern sowie im Abwasser nachgewiesen werden können. Mit dem neuen Test können auf Anhieb 90 Substanzen detektiert werden. Auch ein Nachweis der genauen Konzentrationen im Nanogramm pro Liter-Bereich ist möglich.

Die Ableitung von Toleranzwerten für Trinkwasser erfolgt auf Basis von toxikologischen Kennzahlen (ADI oder Äquivalent). Für die untersuchten Arzneimittelwirkstoffe bzw. deren Metaboliten erfolgte die Ableitung für Säuglinge aufgrund der Betrachtung besonders empfindlicher Bevölkerungsgruppen sowie für Erwachsene. Bei der Ableitung von Toleranzwerten für Arzneimittelwirkstoffe in Trinkwasser für Säuglinge wird - ausgehend von zumeist dem entsprechenden ADI-Wert der Substanz und einem Trinkwasserkonsum von 0,75 Liter pro Tag für einen Säugling mit einem Körpergewicht von fünf Kilogramm für die jeweilige Substanz ein Toleranzwert für die 20-prozentige Ausschöpfung des ADI über Trinkwasser berechnet.

So wurde beispielsweise für Säuglinge für den Wirkstoff Diclofenac (Schmerzmittel, Antirheumatikum) von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) ein pharmakologisch-toxikologischer ADI von 0,5 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt. Für einen Säugling mit einer Trinkwasseraufnahme von 0,75 Liter pro Tag und einem Körpergewicht von fünf Kilogramm entspricht die theoretische maximal tolerierbare tägliche Aufnahmemenge bei 20-prozentiger ADI-Auslastung 0,5 Mikrogramm Diclofenac. Dies entspricht einem abgeleiteten Toleranzwert von 0,7 Mikrogramm pro Liter Trinkwasser.

Die Berechnung von Toleranzwerten in Trinkwasser für Erwachsene erfolgt ausgehend vom entsprechenden ADI-Wert der Substanz sowie einer angenommenen Trinkwasseraufnahme von zwei Litern pro Tag und einem Körpergewicht von 60 Kilogramm. Auch dabei wird der Toleranzwert für die 20-prozentige Ausschöpfung des ADI über Trinkwasser berechnet.

Das entsprechende Beispiel für Diclofenac: Von der Europäischen Arzneimittelagentur wurde ein pharmakologisch-toxikologischer ADI von 0,5 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag festgelegt. Für einen Erwachsenen mit einer Trinkwasseraufnahme von zwei Litern pro Tag und einem Körpergewicht von 60 Kilogramm entspricht die theoretische maximal tolerierbare tägliche Aufnahmemenge bei 20-prozentiger ADI-Auslastung sechs Mikrogramm Diclofenac. Dies entspricht einem abgeleiteten Toleranzwert von drei Mikrogramm pro Liter Trinkwasser.

Die Studie ist gratis abrufbar: www.umweltbundesamt.at/news_171213

Quelle: APAMED