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Datum: Samstag, 5. November 2016

Artikel: CGM / Philipp Streinz

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Armut und Krankheit

Ausreichende Mindestsicherung ist die beste Prävention für psychische Gesundheit

Die Bedarfsorienterte Mindestsicherung (BMS) umfasst die Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts, des Wohnbedarfs und den Schutz bei Krankheit und Schwangerschaft, wenn die eigenen Mittel eines Menschen zur Deckung des notwendigen Bedarfs nicht ausreichen. Gerade in Zeiten zunehmender Armut ist eine solche Mindestsicherung für die psychische Gesundheit besonders wichtig.

Ein gutes Sozialsystem mit einer Mindestsicherung, die auch wirklich zum Leben reicht und die Existenz sichert, ist die beste Prävention für psychische Gesundheit. Armut kann psychisch krank machen, und psychische Erkrankungen münden oft in Armut. In Österreich leben zwei von drei Menschen unter der Armutsgrenze.

Prof. Univ.-Doz. Dr. Werner Schöny
Präsident des Dachverbandes pro mente Austria und Vorstandsvorsitzender von pro mente OÖ

Prof. Schöny ist außerdem überzeugt, dass dies nicht nur ein Problem für die Betroffenen selbst sei, sondern für die gesamte Gesellschaft, weshalb hier auch die Politik gefordert ist, Lösungen anzubieten:

Zusätzlich zu einer ausreichenden Existenzsicherung ist aus sozialpsychiatrischer Sicht der Ausbau von therapeutischen und sozialen Präventionsangeboten erforderlich. Hier besteht ein Nachholbedarf.

Klare Zusammenhänge zwischen Armut, Gesundheitszustand und Lebenserwartung

Die Zusammenhänge zwischen Armut, dem Gesundheitszustand und der Lebenserwartung sind inzwischen gut erforscht: Armut und Arbeitslosigkeit sind wichtige Faktoren für sozialen Stress, der sich bei bestehenden psychischen Krankheiten wie einer Depression zusätzlich massiv verstärkt. Gleichzeitig verstärkt sozialer Stress das Depressionsrisiko. Deutsche Studien zeigen, dass Frauen und Männer, deren Einkommen unterhalb der Armutsgrenze liegen, ein im Verhältnis zur höchsten Einkommensgruppe um das 2,4- bzw. 2,7fache erhöhtes Sterblichkeitsrisiko haben.

Armut ist alles andere als ein Randproblem. Armutsgefährdet bzw. von Einkommensarmut betroffen waren im Jahr 2015 in Österreich rund 1,2 Millionen Menschen bzw. 14 Prozent der Bevölkerung. Als armutsgefährdet gilt, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtgesellschaft verfügt.

BMS-Bezieher mit mehr Defiziten und erschwertem Zugang zu Gesundheitsleistungen

Eine Evaluation der BMS hat gezeigt, dass BMS-Bezieher sich tendenziell von Langzeitarbeitslosen unterscheiden und zum Beispiel über größere Defizite verfügen, darunter körperliche und psychische Probleme. Es zeigte sich auch, dass viele Betroffene etwa aufgrund von Selbstbehalten, Kostenersätzen, Finanzierungsschwierigkeiten bei Medikamenten und Therapien einen erschwerten Zugang zu Gesundheitsleistungen haben, insbesondere zu Psychotherapie.

Ohne soziale Unterstützung, Wohnung, Reintegration ins Arbeitsleben und Hilfe bei der Kindererziehung wird in vielen Fällen eine soziale Reintegration nicht möglich sein. Ohne soziale Reintegration gibt es aber keine psychische Genesung.


Bildinhalt: Prof. Univ.-Doz. Dr. Werner Schöny
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