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Datum: Freitag, 28. August 2015

Artikel: CGM / Walter Zifferer

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Alpbacher Gesundheitsgespräche: Forderungen der Armutskonferenz

Soziale Benachteiligung tötet genauso wie eine Waffe

Die Barrieren, die sich sozial Benachteiligten entgegen stellen, sind ein entscheidender Faktor für Gesundheit und Krankheit in der Gesellschaft. Zum Thema "Ungleichheit verursacht Krankheit - Krankheit verursacht Ungleichheit" bei den Alpbacher Gesund­heits­ge­sprächen formulierte die österreichische Armutskonferenz eine Reihe von konkreten Forderungen.

Man kann einen Menschen mit einer feuchten Wohnung genauso töten wie mit einer Axt.

Martin Schenk
Sozialexperte

"Wer die Situation von Mindestsicherungsbeziehern weiter verschlechtert, Arbeitslose statt Arbeitslosigkeit bekämpft, die Chancen im Bildungssystem blockiert oder prekäre Niedriglohnjobs fördert, der verschlechtert die Gesundheitssituation im Land", so Schenk.

Wer mit Gesundheitsfragen von Armutsbetroffenen zu tun habe, sorge sich um schimmelfreie Wohnungen, Bildung, Arbeit, Erholungs­mög­lich­keiten und eine Auflösung der belastenden Existenzangst. Die Gesundheitsdienste müssten den Zugang, die Inanspruchnahme und die Qualität unabhängig von Einkommen und Herkunft gewährleisten. Die Ärmeren müssten in ihren Selbsthilfepotenzialen und Ressourcen gestärkt werden; was auch Auswirkungen auf einen gesünderen Lebensstil hat hätte, hieß es.

Gesundheitsförderndes Verhalten ist am besten in gesundheitsfördernden Verhältnissen erreichbar. Arme Raucher sterben ja auch früher als reiche Raucher. Und sozialer Polarisierung können wir entgegentreten. Die Daten sprechen für sich: Sozialer Ausgleich ist eine gute Medizin.

Die Initiative hat 15 konkrete Maßnahmen zur Behebung von Defiziten formuliert. Begleitdienste ("Mitgehen") für Armutsbetroffene bei Gutachten und Gesundheitsdiensten. Auch bei Ämtern und Behörden, persönliche Begleitung, Mentoring, Buddies: Jemanden haben, der einfach da ist und Gemeinsames unternimmt, Freizeitaktivitäten.

Psychotherapie und psychosoziale Notdienste - hier sollte es einen erleichterter Zugang zu kostenloser Psychotherapie geben, die Versorgungsnetze müssten auch auf die Regionen außerhalb von Ballungszentren ausgedehnt werden. Ebenso sollte es einen erleichterten Zugang zu präventiven Gesundheitsmaßnahmen wie Kuren etc., geben.

Darüber hinaus müsse unbürokratische finanzielle Unterstützung bei Behandlungen mit hohen Selbstbehalten (Zahnersatz, Regulierungen, etc.) sowie bei notwendigen Heilbehelfen (Hörgeräte, orthopädische Hilfen etc.) garantiert sein. Selbstbehalte außerhalb der Rezeptgebührenbefreiung seien für Einkommensschwache nicht finanzierbar und unüberwindbare Hürden.

Quelle: APAMED