medianet ÖAZ Philips QUALITAS ÖKZ MedAustron

Datum: Sonntag, 18. August 2019

Artikel: CGM / Philipp Streinz

Bildinhalt: Opening EFA 2019

Bildrechte: EFA/ © Bogdan Baraghin

Dieser Artikel wurde 94 mal gelesen.

Alpbacher Gesundheitsgespräche

Geld und Algorithmen

Das diesjährige Forum Alpbach hat sich das Generalthema "Freiheit und Sicherheit" gegeben. Heute, Sonntag, beginnen dazu die Gesundheitsgespräche (bis 20. August) mit einer Keynote von US-Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz. Immerhin geht es - gegenüber den Patienten oft bestritten, politisch aber ständig diskutiert - im Gesundheitswesen immer mehr um die Finanzen.

"Wie können wir unsere solidarischen Gesundheitssysteme angesichts teurer Untersuchungen und Medikamente erhalten? Welche ethischen Fragen müssen wir uns stellen, wenn ein Algorithmus entscheidet, ob Patienten operiert werden oder nicht?", hieß es zu den Alpbacher Gesundheitsgesprächen vonseiten der Organisatoren. Vorträge zu Themen wie Finanzierbarkeit neuer Therapien und Künstlicher Intelligenz in der Medizin werden wohl Highlights sein, auch zur Frage, ob die Gesundheitssysteme auf die Klimakrise vorbereitet sind. Zur Eröffnung heute, Sonntag, hat sich auch Gesundheitsministerin Brigitte Zarfl angesagt.

Ungleichheit bedroht Demokratie

Wachsende soziale Ungleichheit bedroht die Gesundheit der Menschen, die Gesellschaft und die Demokratie - im Endeffekt auch die Wirtschaft. Dies erklärte US-Wirtschaftsnobelpreisträger (2001) Joseph Stiglitz Sonntagabend zur Eröffnung der Alpbacher Gesundheitsgespräche.

"Wir befinden uns ein einem veritablen Krieg, in dem unsere Demokratien in Gefahr sind. Bei exzessiver Ungleichheit funktioniert unser System von 'Checks' und 'Balances' nicht mehr. Wir können diesen Krieg nur gewinnen, wenn wir uns dessen bewusst sind, dass unsere ganze Zivilisation auf dem Spiel steht", sagte Stiglitz.

Die Gründe für die derzeitige Krise, wie der Wissenschafter von der Columbia University (New York) darstellte: "Das Experiment des Neoliberalismus ist in 40 Jahren gescheitert. Es gab nie einen Beweis für seine Wirksamkeit." Die Illusion, dass alle Menschen mehr Wohlstand bekämen, wenn die Reichen noch reicher würden, habe sich nicht bewahrheitet. "Das funktioniert nicht."

"In den USA beträgt das Einkommen eines durchschnittlichen männlichen Arbeitnehmers heute genauso viel wie vor 42 Jahren. Die geringsten Einkommen sind auf dem selben Stand geblieben wie vor 60 Jahren. Die obersten ein Prozent verfügen über 40 Prozent des Reichtums in den USA. 26 US-Bürger haben so viel Vermögen wie die 3,9 Milliarden Menschen mit dem geringsten Wohlstand. Diese 26 US-Bürger gehen in einen Minibus", sagte Stiglitz.

In den USA hat die Entwicklung - gemeinsam mit dem für die breite Gesellschaft völlig unzureichenden Sozialversicherungswesen - zu dramatischen Konsequenzen für die Gesundheit geführt. "Die USA geben pro Kopf mehr als doppelt so viel für die Gesundheit aus wie Österreich. Aber in den vergangenen drei Jahren ist in den USA die Lebenserwartung ständig gesunken. Das ist nicht mehr das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das ist Tod aus Verzweiflung. Der Rückgang der Lebenserwartung ist auf die Drogentoten durch Überdosierung, durch Alkohol und Selbstmorde zurückzuführen", betonte der Wirtschaftsnobelpreisträger. Er habe eine ähnliche Entwicklung wie derzeit in den USA nur als Mitarbeiter der Weltbank in Russland nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gesehen.

Fehle es aber an Gesundheit, fehle es auch an gesunden und produktiven Arbeitskräften, warnte Stiglitz. Das schädige im Endeffekt auch die Wirtschaft. Im Endeffekt aber bedrohten die soziale Ungleichheit und das neoliberale Experiment aber bereits die Gesellschaft, Demokratie und die Zivilisation mit den Errungenschaften seit der Aufklärung.

Gesundheitsministerin Brigitte Zarfl betonte in ihrem Eröffnungsstatement, dass Freiheit und Sicherheit in der Demokratie einen Themenbogen darstellten, welcher immer wieder neu ausverhandelt werden müsse. Wer fastet, hat die Freiheit, dies zu tun. Wer hungert, hat diese Freiheit nicht", nahm sie auf sozialen Grundbedingungen des Lebens in der Demokratie Bezug. "Wir müssen eine inklusive Gesellschaft bleiben. Dies gilt es zu wahren."

Individuelle Freiheit könne in einem sozialen Kontext nur unter dem Titel verantwortungsvollen Handelns funktionieren, betonte die Ministerin. Gemeinwohl-orientiertes Handeln sei ein Schutz vor Vereinsamung und Isolation. Der Grundsatz der Solidarität sei außer Mode gekommen, verantwortungsvolles Handeln aber gefragt.

Quelle: APAMED