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Datum: Samstag, 28. April 2018

Artikel: CGM / Philipp Streinz

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Aggression und Gewalt mittlerweile Berufsalltag im Gesundheitswesen

Aggression und Gewalt zählen laut Untersuchungen mittlerweile zum Berufsalltag vieler Mitarbeiter in allen Berufsgruppen des Gesundheitswesens. Gemeinsam mit dem Institut für Ethik und Recht in der Medizin organisierte die Österreichische Plattform Patientensicherheit im Rahmen der Veranstaltungsreihe Vienna Medical Encounters eine Tagung zum Thema "Gewaltfreies Arbeiten im Gesundheitswesen". Im Zuge dessen wurde auch unter dem Titel "Sieben Tipps für mehr Sicherheit von MitarbeiterInnen im Gesundheitswesen" eine Handlungsempfehlung zum Thema ausgearbeitet und präsentiert.

"Aggression und Gewalt im Gesundheitswesen werden oftmals als Berufsrisiko hingenommen. Die angespannte Situation in den Gesundheitseinrichtungen, vor allem der Zeitdruck sowie die hohe Arbeitsdichte, bieten zusätzlich Nährboden für ein angespanntes Klima", fasst Brigitte Ettl, ärztliche Direktorin im Krankenhaus Hietzing und Präsidentin der Österreichischen Plattform Patientensicherheit, die aktuelle Lage zusammen.

"Man muss nur einen Blick in die Tageszeitung werfen: Regelmäßig wird die gestiegene Gewaltbereitschaft in österreichischen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen thematisiert", so Maria Kletecka-Pulker, stellvertretende Leiterin des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin und Geschäftsführerin der Österreichischen Plattform Patientensicherheit. Diese Situation bestätigen auch aktuelle Statistiken der AUVA: Demnach sind neben Polizisten Angehörige von Gesundheitsberufen – allen voran Pflegehelfer – diejenigen, die beruflich am meisten von Gewalt betroffen sind. Aus diesem Grund widmen sich Gesundheitseinrichtungen zunehmend diesem Thema. Aktuell wurde im AKH Wien und an der MUW Wien eine umfassende Befragung zum Thema Aggressionsereignisse durchgeführt. Der hohe Rücklauf zeigt die Brisanz des Themas.

"Ein häufiger Grund für die wachsende Aggression sind Sprachbarrieren. Können sich Patienten und deren Angehörigen nicht verständigen, führt dies oft zu einem Gefühl der Ohnmacht und Angst", so Kletecka-Pulker. Hier brauche es professionelle Lösungsstrategien, wie zum Beispiel den Einsatz von Videodolmetschen.

Patientensicherheit = Mitarbeitersicherheit

Gewalt und aggressives Verhalten müssen von der Institution wahrgenommen werden und dürfen nicht tabuisiert werden. Dazu Kletecka-Pulker: "Gewaltprävention ist eine Führungsaufgabe – Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen entsprechend sensibilisiert werden. Jeder, der aggressives Verhalten ignoriert, toleriert es damit. Es bedarf einer Null-Toleranz-Strategie, die auch gelebt werden muss und zum Beispiel in der Hausordnung aufgenommen werden kann." Gewaltprävention umfasse viele Maßnahmen wie die Risikoeinschätzung, etwaige Notrufsysteme, unter Umständen Videoüberwachung in Notfallabteilungen, Sicherheitsdienste, Meldesysteme, die Schaffung einer geeigneten Atmosphäre im Warteraum, Einführung standardisierter Dokumentation sowie die Aufarbeitung von Vorfällen. Entscheidend sei vor allem ein regelmäßiges Sicherheitsverhaltenstraining der Mitarbeiter, in dem entsprechende Deeskalationsmethoden, aber auch Selbstverteidigungstools geschult werden.

Quelle: APAMED