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Datum: Freitag, 27. Juni 2014

Artikel: Schaffler Verlag, QUALITAS: 02/2014/13.JG / Katharina Riedler

Bildinhalt: Junge Ärzte interessieren sich kaum mehr für vakante Stellen am Land

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Ärztemangel und Versorgungssicherheit

Befragung zeigt Probleme der Landärzte auf

Ärztemangel und Versorgungssicherheit in peripheren Gegenden sind derzeit in aller Munde. In der Zeitschrift für Gesund­heits­politik, herausgegeben vom Linzer Institut für Gesundheitssystem-Forschung (LIG), wurden Lösungsansätze publiziert.

Gemeinsam mit dem Ärztlichen Qualitätszentrum wurde vom LIG eine Befragung unter den Kassen-, Wahl- und Turnusärzten in OÖ durchgeführt, die die Probleme der Landärzte erhebt und aufzeigt, warum sich junge Ärzte für vakante Stellen am Land heute kaum mehr interessieren.

Arbeitsbedingungen im Zeitverlauf

Bei der Frage nach der Entwicklung der Arbeitsbedingungen für niedergelassene Ärzte während der letzten Jahrzehnte sind sich alle befragten Ärztegruppen einig: Diese haben sich verschlechtert – vor allem für Landärzte. Um zu erkennen, welche Aspekte des Berufs sich zum Negativen gewendet haben, wurden einerseits bereits tätige Ärzte befragt, welche Gründe damals bei ihrem Berufsstart für oder gegen eine Niederlassung als Landarzt sprachen und andererseits auch Turnusärzte, welche Gründe aus heutiger Sicht dafür bzw. dagegen sprechen. Bei den Rückmeldungen der beiden Gruppen gab es viele Übereinstimmungen: Heute wie damals sind sowohl der Anteil der bürokratischen Aufgaben, sowie die zu leistenden Nacht- und Wochenenddienste die größten Hemmfaktoren zur Ergreifung des Berufs, während die berufliche Herausforderung, die ländliche Wohnumgebung und das Prestige des Landarztes Positivpunkte darstellen. Deutliche Unterschiede ließen sich jedoch bei der Bewertung des Kassensystems und damit verbunden auch mit den Einkommensmöglichkeiten erkennen: Diese werden aus heutiger Sicht deutlich negativer beurteilt. Ebenfalls ein größeres Manko ist die geringe Zeit, die für Patienten zur Verfügung steht.

Weitere Aspekte des Ärztemangels

Neben diesen Hauptpunkten konnten noch weitere Aspekte identifiziert werden, die dafür verantwortlich sind, dass sich junge Ärzte heute kaum mehr für eine Niederlassung, speziell in peripheren Gegenden, begeistern können. Wesentlich spielt hier die derzeitige Ausbildung der Ärzte mit, da diese nicht ausreichend auf das Berufsbild „Landarzt“ vorbereitet. Der Arzt von heute will auch kein Einzelkämpfer mehr sein. Weitere Hindernisse sind die hohe Verantwortung, die ein Landarzt zu tragen hat, die hohe Arbeitsintensität in der Ordination und die unflexiblen und langen Arbeitszeiten, die sich mit einer modernen Work-Life-Balance nur sehr schlecht verein­baren lassen. Darüber hinaus ergab die Befragung, dass Hausapotheken als wesentlicher Faktor für die wirtschaftliche Rentabilität einer Landarztpraxis gesehen werden, die derzeitigen Regelungen für bzw. gegen den Erhalt von Hausapotheken jedoch als eher sinnlos betrachtet werden.

Politik und Potenzial für den Landarztberuf

Von der Politik fühlen sich die Ärzte im Stich gelassen. Es würde viel zu wenig unternommen, um den Beruf interessant zu halten. Nur ein Fünftel der niedergelassenen Ärzte würde daher einem jüngeren Kollegen empfehlen, sich als Landarzt niederzulassen und ebenfalls lediglich 21 % dieser Gruppe würden sich heute selber als Landarzt niederlassen. Dieser Anteil liegt selbst unter den Landärzten mit Kassenvertrag bei nur einem Drittel! Generell würden nur weniger als die Hälfte der Niedergelassenen (42 %) heute sicher wieder in einer Ordination tätig werden. Einen Kassenvertrag bevorzugen dabei nur 37 Prozent. Im Zuge der Befragung wurde aber auch deutlich, dass ein hoher Anteil der Turnusärzte grundsätzlich Interesse am Landarztberuf zeigt – wenn die Bedingungen stimmen! Denn während zwar nur ein eher kleiner Teil der Turnusärzte den Beruf des Landarztes anstrebt (10 %), gibt es einen hohen Anteil von Unentschlossenen (41 %), aufgrund derer davon ausgegangen werden darf, dass die Landarztproblematik grundsätzlich entschärft werden kann – wenn die drängendsten Probleme der Mediziner von der Politik endlich angegangen werden.

Maßnahmenkatalog

Aus Sicht der oberösterreichischen Ärzte ist es daher unbedingt notwendig, das derzeitige Kassensystem zu reformieren, sodass mehr Flexibilität und ein wirtschaftliches Auskommen in angemessenem Umfang möglich sind. Die Bürokratie in den Ordinationen sollte auf das absolut notwendige Minimum reduziert werden und der Erhalt von Hausapotheken muss für Landarztpraxen gesichert sein. Um junge Ärzte für den Beruf zu wappnen, bedarf es einer Verbesserung der Ausbildung zum Allgemeinmediziner und einem Ausbau von Lehrpraxen, in denen einerseits Interesse am Landarztberuf geweckt wird und andererseits auf die Besonderheiten des Berufs vor­be­reitet werden kann. Um die Übernahme einer Landarztpraxis einfacher mit einer modernen Lebensführung verbinden zu können, ist es außerdem essentiell, Arbeitszeiten bei Bedarf reduzieren oder verändern zu können. Bessere Vertretungsregelungen, eine moderne Strukturierung des Bereitschaftsdienstes und innovative Organisationsformen für Praxen (z.B. Gruppenpraxen) können hier nach Meinung der Ärzte Abhilfe schaffen. Im Besonderen wünschen sich die Ärzte aber auch, dass ihnen wieder die Möglichkeit gegeben wird, sich für ihre Patienten mehr Zeit zu nehmen, ohne dabei die Rentabilität der Ordination aufs Spiel zu setzen. Es wäre daher wünschenswert, dass der Faktor Zeit im Honorierungssystem der Kassen mehr Beachtung finden würde.

Mag. Katharina Riedler: Gesundheitsökonomische Grundlagenarbeit, Linzer Institut für Gesundheitssystem-Forschung (LIG)

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Bildinhalt: QUALITAS
  Ausgabe: 02/2014/13. JG
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