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Synchronizing Healthcare

Weniger Wunden und Virtual Reality

Zukunft der Roboter-OP

08. Oktober 2019
Philipp Streinz
CGM / APAMED
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Bildinhalt: Roboter-Chirurgie

Bildrechte: ClipDealer / gumpapa

Seit 20 Jahren arbeitet sich Da Vinci in die Operations­säle vor: Rund 4.500 dieser OP-Roboter sind welt­weit im Einsatz, in Öster­reich zehn. Vorteil sei die extreme Präzision, betonte Anton Ponholzer, Vorstand der Öster­rei­chischen Gesell­schaft für Roboter­chirurgie. Durch Virtual Reality soll Da Vinci noch exakter werden, neue Techno­logie für weniger OP-Wunden sorgen.

Vor allem in der Urologie, der Chirur­gie und Gynäko­logie wird der OP-Roboter immer öfter einge­setzt, schil­derte Urologe Ponholzer im Vorfeld der zweiten Fach­tagung der Öster­rei­chischen Gesell­schaft für Roboter­chirurgie (ÖGR), die am Donners­tag und Freitag in Wien statt­findet. Am Kranken­haus der Barm­herzigen Brüder in Wien, wo Ponholzer seit Jahren mit Kollegen anderer Fach­gebiete an der Weiter­ent­wicklung der computer­unter­stützten Chirur­gie arbeitet, werden etwa bös­artige Erkran­kungen der Prostata mittler­weile aus­schließ­lich mit Da Vinci operiert. Bei bös­artigen Erkran­kungen der Niere sind es 90 Prozent.

Ursprünglich wollte das US-Militär mit roboter­assist­ierter Chirurgie Ärzten das gefahr­lose Operieren im Lazarett ermög­lichen. Seit gut 20 Jahren wird Da Vinci, der derzeit einzige am Markt verfüg­bare OP-Roboter, in Kranken­häusern einge­setzt. Neben einer 3-D-Kamera verfügt der Roboter über drei Arme mit winzigen Opera­tions­instru­menten, von der Pinzette bis zur Schere. Gesteuert wird Da Vinci vom Chirurgen mit Händen und Füßen über eine Konsole, die Instru­mente werden über Zugänge mit acht Milli­meter Durch­messer eingeführt.

Die Visualisierung sei extrem gut, der Roboter ermög­liche ein sehr ruhiges und präzises Ansteuern der Instru­mente, die im Gegen­satz zu anderen minimal­inva­siven Techniken auch "ohne kunst­volle Verren­kungen" in alle Rich­tungen gesteuert werden, schil­derte Ponholzer. Zusätz­lich können etwa fluores­zierende Moleküle gespritzt werden, um zu erkennen, wo sich durch­blutetes Gewebe befindet oder durch Einbringen eines Ultra­schall­kopfes Gewebe­grenzen besser erkannt werden. "Man kann diagnos­tisch und technisch wesent­lich feiner arbeiten", fasst er zusammen.

Billig ist der Einsatz des Roboters nicht: 1,8 Mil­lionen Euro kostet die Anschaf­fung, dazu kommen ein Service­vertrag und die laufenden Kosten für Opera­tions­instru­mente wie Scheren und Pinzetten, die nach zehn Ein­sätzen ersetzt werden müssen. Ponholzer schätzt die Mehr­kosten im Ver­gleich zu einer offenen oder laparo­skopischen Opera­tion zwischen 1.000 und 2.000 Euro.

Die Befürchtung, dass die Techno­logie auch in Feldern einge­setzt wird, wo sie nicht wirklich sinnvoll ist, um Patienten anzu­ziehen, kann Ponholzer grund­sätzlich nach­voll­ziehen. "In der Realität, so wie ich den Einsatz der Roboter­chirurgie in Öster­reich wahr­nehme, sehe ich diese Gefahr aber nicht." Abge­sehen von den Kosten sei es so, dass mittler­weile medizi­nisch die Vorteile der Techno­logie über­wiegen. Laut Meta­studien könnten Patienten nach einer roboter­assis­tierten Operation früher das Kranken­haus ver­lassen, hätten weniger Schmerzen, verlören weniger Blut und benö­tigten weniger Schmerz­mittel und seltener Blut­transfusionen.

Ponholzer geht davon aus, dass die Vor­teile der Techno­logie noch zunehmen werden. "Ich bin über­zeugt davon, dass Roboter­chirurgie die chirur­gische Zukunft ist." Immerhin könne die Techno­logie immer weiter­ent­wickelt werden und werde durch künftige Konkurrenz­produkte wohl auch günstiger und weiter verbreitet werden. Er rechnet etwa damit, dass die "Single Port Chirurgie" markt­reif werden wird, bei der man alle Instru­mente nur noch durch eine einzige Öffnung in den Körper einführt und so nur eine kleine Narbe bleibt. Er erwartet auch, dass schon bald Computer­tomo­grafie- oder MR-Bilder von Tumoren in einer Art Virtu­eller Realität mit der 3-D-Sicht der Roboter-Kammer über­lagert werden können und die Opera­teure so im Patienten noch besser navi­gieren können. Ähnliches passiere schon heute bei der Prostata­biopsie, wo Ultra­schall­bilder mit MR-Bildern fusio­niert werden, um dann beim Eingriff genau zielen zu können.

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